Generationenwechsel im Türkischen Elternverband

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Ali Akdeniz (52) leitete seit 2006 den türkischen Elternverband Werdohl. Ende März hat die 27-jährige Belma Bektas-Kilic den Vorsitz des Vereins übernommen, man kann von einem Generationenwechsel sprechen.

Werdohl - Der türkische Elternverband Werdohl (Türk Veliler Birligi) hat sich neu aufgestellt. Die damalige Kindergeneration übernimmt jetzt Verantwortung. Der 52-jährige Ali Akdeniz, der den Verein elf Jahre geleitet hat, gab den Vorsitz in jüngere Hände. Belma Bektas-Kilic ist gerade einmal 27 Jahre alt. Die Juristin leistet momentan ihr Referendariat in einer Werdohler Anwaltskanzlei.

Bei der Jahreshauptversammlung des in Vereinsform organisierten Verbandes Ende März im JBZ gab es laut Protokoll einige Personalwechsel. Neben den Wechsel beim Vorsitz wurde Yavuz Kilic zum Geschäftsführer und Burcu Bektas zur Kassiererin gewählt. Als Beisitzer fungieren Melih und Semih Akdeniz sowie Elif Fenner und Hülya Nayir.

Zur Jahreshauptversammlung war die Öffentlichkeit nicht eingeladen worden, über das Treffen berichteten anschließend Akdeniz und Bektas-Kilic bei einem Besuch in der Redaktion. Akdeniz sagte, dass der türkische Elternverband 1987 in Werdohl gegründet wurde. Damals habe es viele Probleme türkischer Eltern in den deutschen Schulen gegeben.

„Wir wollten die türkischen Eltern mit ihren Schwierigkeiten nicht allein lassen“, berichtet der in der Türkei geborene Akdeniz. Der Elternverein lud Referenten ein, sprach über die Bedeutung von Schulbildung, informierte über Erziehungsfragen und ließ Psychologen zu Wort kommen. Akdeniz: „Wir haben sogar beim Elternsprechtag der Hauptschule einen Stand angeboten und türkische Eltern begleitet.“

Aufgaben haben sich gewandelt

Heute gebe es die Hauptschule nicht mehr, und auch die Frage- und Problemstellungen türkischer Eltern seien heute ganz anders. „Die Kinder der dritten Generation brauchen das nicht mehr unbedingt, die sprechen fast alle gut deutsch“, so Akdeniz. Heute sei zum Beispiel stattdessen die Pflege der türkischen Muttersprache ein Thema.

In der Realschule sei mit Gülcan Kiraz eine hauptberufliche Integrationskraft angestellt, die viele Probleme an Ort und Stelle lösen könne. Bis 2012 sei der Elternverband sehr aktiv gewesen, danach sei vieles eingeschlafen. Das nimmt der ehemalige Vorsitzende Akdeniz durchaus auf seine eigene Kappe. Mittlerweile ist er SPD-Ratsherr, damit habe er viel zu tun.

Kinderfest soll wieder stattfinden

Die Organisation des Internationalen Kinderfestes sei sehr viel Arbeit gewesen, die der Verband zuletzt nicht mehr habe leisten können. 2016 verstarb plötzlich der langjährige Geschäftsführer Metin Oruc. Dann sei die Arbeit praktisch ganz zum Erliegen gekommen.

Vorsitzende Belma Bektas-Kilic und ihr neues Team – zu dem auch weiterhin Ali Akdeniz gehört – will das Internationale Kinderfest 2018 wieder neu auf die Beine stellen. „Wir hoffen, dass wir das in Zukunft organisieren können“, so Bektas-Kilic. Im Dezember 2017 soll mit den Vorbereitungen begonnen werden.

Ehrenamtliche Situation angespannt

Die 27-Jährige Juristin gehört zum Landgericht Essen und spricht natürlich perfekt deutsch: „Wir haben den Elternverband als Kinder durch unsere Eltern erlebt, jetzt ist es für uns an der Zeit, es anders und vielleicht besser zu machen.“ Ende Juni wolle sich der neu formierte Elternverband im Kleinen Kulturforum der Öffentlichkeit vorstellen.

Wie bei anderen Vereine auch sei die ehrenamtliche Situation angespannt. Bei Vorbereitungen für Feste gebe es viele Helfer, an regelmäßigem Engagement fehle es. Um die Hemmschwelle zu senken, sei der Mitgliedsbeitrag auf zwölf Euro pro Jahr gesenkt worden.

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