Truck-Schilder am Höhenweg sorgen erneut für Wirbel

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Dieses Schild am Höhenweg wurde von der Bezirksregierung jetzt verboten. 

Werdohl - Das Warnschild, das die Stadt Werdohl im September 2013 am Höhenweg aufgestellt hat, um Lkw-Fahrer vor einer Weiterfahrt zu warnen, sorgt wieder für Wirbel. 

Nachdem die Stadt es einmal schon verändern musste, soll es jetzt ganz verschwinden. Dabei wiehert der Amtsschimmel, und zwar laut.

Vor gut fünf Jahren hatte die Stadt Werdohl das neongelbe Warnschild mit dem schwarzen Schriftzug „Stop – No Trucks“ (zu deutsch: „Stopp – Keine Lastwagen“) aufgestellt, weil immer wieder Lkw über die Gefällstrecke des Nordheller Wegs nach Werdohl hineinfuhren. Das Verbot gab es schon lange, damit schwere Lastwagen nicht bei einem Bremsversagen in die Insel-Kreuzung hineindonnern. Immer wieder hatten aber Fahrer es übersehen – oder sich wissentlich darüber hinweggesetzt. 

Österreich als Vorbild

Die Stadt Werdohl stellte deshalb das große neongelbe Schild auf, für das Rolf Prange vom Werdohler Baubetriebshof in Österreich ein Vorbild gefunden hatte. Fünf Jahre funktionierte das ganz gut, weil der Hinweis überdeutlich und auch für Trucker verständlich war, die der deutschen Sprache vielleicht nicht so mächtig waren. 

Und nicht nur in Werdohl war man damit zufrieden: Nach und nach kopierten auch andere Kommunen in Deutschland dieses Hinweisschild. Offensichtlich hat es überall gute Dienste geleistet – bis offenbar besonders genaue Beamte bei der Stadt Hagen bei übergeordneten Behörden nachfragten, ob die Verwendung des amtlichen Verkehrszeichens 253 (Verbot für Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen) auf einem Fantasie-Schild zulässig ist. Die Folge: Das Schild wurde in dieser Form verboten, Werdohl musste den roten Rand des offiziellen Verkehrsschilds im Frühjahr 2018 mit schwarzer Folie überkleben. 

Fortsetzung der Schilder-Posse

Doch es gibt eine Fortsetzung dieser Schilder-Posse. Weil sich Hagen beim Bundesverkehrsministerium und bei der Bezirksregierung Rückendeckung zum Aufstellen der in Werdohl und andernorts so erfolgreich eingesetzten Schilder holen wollte, sind schlafende Hunde aufgewacht. Mittlerweile hat die Bezirksregierung in Arnsberg, offensichtlich im Bemühen, gleiches Recht für alle zu schaffen, das Aufstellen der Schilder endgültig verboten. Das gilt auch für das modifizierte Schild in Werdohl. 

Eine Anordnung aus Arnsberg, dass das Schild am Höhenweg zu entfernen ist, sei im Werdohler Rathaus aber bislang nicht eingetroffen, sagte der zuständige Fachbereichsleiter Thomas Schroeder auf Nachfrage. Und in vorauseilendem Gehorsam wird Werdohl wohl auch nicht tätig werden. „Wir sehen keine Notwendigkeit, das Schild zu entfernen. Immerhin hat die Unfallkommission, der ja Mitglieder von Straßenverkehrsbehörde, Straßenbaubehörde und Polizei angehören, das Schild akzeptiert“, sagt Schroeder. 

Beschilderung fortan verboten

Etwas anders sieht das aber offensichtlich die Bezirksregierung. „Dass die Schilder keine Rechtskraft haben, steht außer Frage“, sagte Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung, im Gespräch mit der Westfalenpost Hagen. Ein offizielles Rundschreiben an die Kommunen werde nicht versandt, aber die Beschilderung sei fortan verboten. Jede Stadt oder Gemeinde, die ein solches Schild aufgestellt hat, werde aufgefordert, dieses abzubauen. Die Begründung für das Verbot sei, dass es sich schließlich nicht um ein offizielles Verkehrszeichen im Sinne der Straßenverkehrsordnung handelt. Zudem, so ist es aus offiziellen Kreisen zu hören, wurde entschieden, dass die Schilder auch zu stark den Geisterfahrer-Warnschildern an Autobahnen ähneln würden. 

Ein Streitthema sind die gelb-schwarzen Schilder auch in Österreich, wo Rolf Prange vom Werdohler Baubetriebshof einst überhaupt erst auf diese Lösung aufmerksam geworden war. Die ursprüngliche Version weist dort Lastwagenfahrer darauf hin, dass das GPS-Gerät nicht die korrekte Route anzeigt. 

Debatte jetzt auch in Österreich

Doch auch in der Alpenrepublik entspricht eine derartige Beschilderung nicht den geltenden Vorschriften. Seit einigen Jahren wird auch dort eine Debatte um die Zeichen geführt. Die Meinungen über die Wirkung gehen weit auseinander. Von „Problemlösern“, aber auch von „rechtlich bedeutungslosen Fantasieschildern“ ist in Österreich die Rede. Die Behörden sind sich untereinander nicht einig.

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