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Trotz Einnahmeausfällen: Gastronomen investieren in neue Außenbereiche

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Von: Volker Griese

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Vor der Gaststätte Zum Spiegel haben Handwerker in dieser Woche den Sitzbereich neu gestaltet.
Vor der Gaststätte Zum Spiegel haben Handwerker in dieser Woche den Sitzbereich neu gestaltet. © Volker Griese

Die Gastronomie gehört zu den Branchen, denen die Coronapandemie besonders zugesetzt hat. Monatelang durften Wirte ihre Betriebe nicht oder allenfalls für einen begrenzten Personenkreis öffnen. Das hat manche Betriebe an den Rand des Ruins getrieben – oder darüber hinaus. Andere gehen trotz aller Rückschläge mutig nach vorne. Ein Beispiel aus Werdohl.

Werdohl ‒ Ende 2019 haben die beiden Brüder Theofilis und Dimitrios Pantelidis das Bistro Fábrica im Bahnhofsviertel eröffnet, Mitte 2020 haben sie auch noch die alteingesessene Gaststätte Zum Spiegel an der Bahnhofstraße übernommen. Alles lief gut – bis sich das Coronavirus breit machte. Die Brüder mussten ihre Lokale vorübergehend schließen und einen Kampf um Überbrückungshilfen führen. Denn, um diese Unterstützung des Bundes zu erhalten, hätten sie schon länger im Gastro-Business tätig sein müssen. Sie konnten keine Umsatzzahlen für den geforderten Zeitraum vorlegen. Am Ende erhielten sie die Hälfte der Unterstützung.

Trotzdem gehörten sie in Werdohl zu den Gastronomen, die immer optimistisch in die Zukunft geblickt haben. Und zu denen, die, anstatt zu jammern, trotz der Krise in die Zukunft investiert haben. „Schon im vergangenen Jahr haben wir am Spiegel für rund 20.000 Euro eine neue Markise angeschafft“, berichtet Theo Pantelidis (34). Zumindest dafür habe es Fördergelder gegeben, 90 Prozent der Kosten habe der Staat übernommen. Auch in die Innenausstattung der Gaststätte haben die Pantelidis-Brüder investiert: Die Wände wurden neu gestrichen, „und jetzt haben unsere Sitzbänke auch einheitliche Polster“, freut sich Theo Pantelidis.

Die größte Investition sollte aber noch folgen. Am „Spiegel“ ist die schon umgesetzt: Dort haben Handwerker in dieser Woche den Außenbereich neu gestaltet. „Eigentlich war ein Wintergarten vorgesehen, aber dafür haben wir keine Baugenehmigung erhalten“, berichtet Theo, der ältere der beiden Brüder. Am Ende wurde es eine barrierefrei erreichbare neue Terrasse mit Dielen aus einem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff auf einer stabilen Unterkonstruktion aus Stahlrohren. Eingefasst wird der Sitzbereich von brusthohen Elementen aus Glas und Aluminium, deren Wände sich mit einem Seilzugsystem in die Höhe bewegen lassen und dann vor Wind schützen. Noch fehlt die Beleuchtung, und auch über eine Heizung für die kühlere Jahreszeit denken die Brüder noch nach, aber die neue Terrasse ist schon nutzbar.

Eine ähnliche Terrasse soll demnächst auch noch an der Fábrica aufgebaut werden. „Insgesamt haben wir dafür dann 50.000 bis 60.000 Euro investiert, unseren ganzen Verdienst in die Läden gesteckt“, überschlägt Theo Pantelidis und betont, dass die Maßnahmen ausschließlich mit Eigenmitteln bezahlt werden. Eigentlich sei die Investition schon für das vergangene Jahr vorgesehen gewesen. „Aber nach sieben Monaten Lockdown fehlte uns dafür einfach das Geld“, gibt Pantelidis zu.

Doch warum investieren die Gastronomen gerade jetzt? Schließlich ist die Coronapandemie wahrscheinlich noch nicht ausgestanden, und weitere Lockdowns könnten vor allem nach dem Sommer drohen. Auch gerade deshalb werde ja Geld in die Außengastronomie gesteckt, erklärt Pantelidis. Mit den windgeschützten und vielleicht auch demnächst beheizten Sitzplätzen an der frischen Luft hoffen die Brüder, auch bei im Herbst eventuell wieder steigenden Inzidenzzahlen weiter Gäste bewirten zu können.

Ein weiterer Grund für die Investitionen sei aber auch der gestiegene Anspruch der Gäste. „Die Leute erwarten inzwischen einfach mehr“, stellt der 34-jährige Gastwirt fest.

Doch es geht nicht nur um mehr Sicherheit und Behaglichkeit. Theo Pantelidis ist überzeugt, dass die renovierte Außengastronomie am „Spiegel“ wie an der Fábrica auch zur Wiederbelebung der Innenstadt beiträgt. „Ich glaube, dass die Familie Pantelidis da schon einen ordentlichen Beitrag leistet“, sagt er. Ganz falsch liegt er mit dieser Einschätzung wohl nicht, wenn man sich vorstellt, dass Gäste aus Werdohl und der Nachbarschaft demnächst schöne Sommertage und laue Herbstabende auf den neuen Terrassen verbringen.

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