Trockenheit zerstört ein Drittel aller Anpflanzungen

Frank Bossong sorgt sich um die jungen Pflanzen. ▪

WERDOHL ▪ Revierförster Frank Bossong ist besorgt: „Wenn es nicht bald regnet, haben wir ein ernsthaftes Problem.“ Denn die 65 000 Pflanzen, die in diesem Frühjahr in den Werdohler Wäldern neu angepflanzt wurden, drohen zu vertrocknen. Ein Drittel aller Neuanpflanzungen ist bereits kaputt.

Und eine längere Regenphase sei nicht in Sicht. „Wir bräuchten richtig viel Regen, die angekündigten Schauer helfen uns nicht“, so Bossong. Denn der Boden sei bis in die Tiefen ausgetrocknet. Besonders hart trifft es die Douglasie. Diese Pflanze sei zwar eigentlich gewählt worden, weil sie besonders unempfindlich sei und auch die durch den Klimawandel bedingten längeren Trockenheitsphasen besser aushalte, doch sei sie im Zeitraum der Neuanpflanzung besonders empfindlich. „Die Anpflanzung an sich ist bereits kompliziert. Douglasien müssen schnell umgepflanzt werden und haben dann erst einmal mit einem Pflanzschock zu kämpfen“, so der Förster. Und als ob dies noch nicht genug sei hätten die Pflanzen mit Schäden durch das Wild zu kämpfen. Doch seien diese Probleme nichts im Vergleich zur Trockenheit. Einige Waldbesitzer würden ihre Pflanzen versuchen zu wässern. In den meisten Aufforstungsgebieten sei dies jedoch absolut unmöglich, da zumeist Hanglagen in unwegsamen Gelände betroffen seien.

Große Sorgen macht sich der Fachmann auch um die Borkenkäfer. Besonders der Fichtenbestand sei gefährdet. Denn die Pflanzen seien Flachwurzler und kämen so nur noch an sehr wenig Feuchtigkeit. Dadurch werde der Baum extrem geschwächt. Der Käfer, der sich in den Stamm bohrt würde unter normalen Umständen mit dem Harz verklebt und könne so dem Baum nicht schaden. Nun da der Harzdruck im trockenen Baum extrem gesunken sei, könne der Käfer sich durch den Baum bohren. Die Saftbahnen werden dadurch unterbrochen, so dass der Baum langsam stirbt, weil er vertrocknet.

Der Verlust für die Waldbauern ist groß, viele haben durch Kyrill bereits ihre Altersversorgung verloren. Nun sterben die Neuanpflanzungen hektarweise. „Eine Buche kostet 70 Cent, die Pflanzung 40 Cent. Also kann man sagen, eine Jungpflanze kostet 1,10 Euro. Auf einem Hektar stehen etwa 3500 Pflanzen, die zum Teil zusätzlich mit teurem Schutz gegen Wildschäden ausgestattet sind. Da kann man sich ausrechnen wie groß der Schaden ist.“ Ginge es nach dem Förster müsste die Sonne daher möglichst schnell einer langen Regenzeit weichen.

Lydia Machelett

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