Prozess: Trio lockt Werdohler in die Falle

Werdohl/Schalksmühle - Ein Jahr und zehn Monate Haft ohne Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung für die Hauptangeklagte, Haftstrafen mit Bewährung für zwei Mitangeklagte. Und der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt betonte, dass die Strafe ohne Bewährung zugleich eine Chance für die Verurteilte darstellt: „Wenn Sie so weiter machen würden wie bisher, werden Sie demnächst versterben.“

Von Sebastian Berndt

Damit bezog sich der Richter in der Urteilsverkündung vor dem Hagener Landgericht auf den Drogenkonsum der 24-Jährigen. Auch ihre schwere Depression bereiteten nicht nur dem Richter Sorgen. Der Experte, der die psychologischen Gutachten erstellt hatte, sah das ähnlich, so bestehe die Gefahr, dass die 24-Jährige für sich einen „Schlussstrich“ ziehen könnte.

Daher ordnete das Gericht auch gleich eine geschlossene Therapie an, damit die 24-Jährige sowohl ihr Drogenproblem als auch ihre Depressionen in den Griff bekommen könne. „Das werden zwei harte Jahre, aber es wird Ihnen hoffentlich helfen“, so der Richter.

Das Urteil selbst nahm die Angeklagte gefasst zur Kenntnis – während der Verhandlung war sie mehrmals in Tränen ausgebrochen und auf ihrem Platz zusammengesunken, als die Tatnacht rekonstruiert wurde.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die junge Frau einen 23-jährigen Werdohler – nach einem geplatzten Drogenhandel – mit sexuellen Versprechen nach Schalksmühle gelockt habe, um diesem einen Teil des verlorenen Geldes wieder abnehmen zu können. Doch statt eines frisch bezogenen Bettes – wie es dem Werdohler in einer SMS versprochen wurde – erwartete ihn ein bis an die Zähne bewaffnetes Empfangskomitee.

Die 24-Jährige sprühte ihm Pfefferspray ins Gesicht. Aus einer Schreckschusspistole feuerte der 38-jährige Mitangeklagte aus Schalksmühle zwei Schüsse ab. Ein weiterer Freund der beiden stand als Rückendeckung mit einem Klappmesser bereit. Aufgrund eines Nervenzusammenbruches der 24-Jährigen konnte der Werdohler verletzt entkommen.

Den seitens der Staatsanwaltschaft angeklagten schweren Raub konnte das Gericht keinem der Angeklagten nachweisen, da nicht endgültig geklärt werden konnte, ob das Trio tatsächlich etwas weggenommen habe.

Der gemeinschaftlichen schweren Körperverletzung hätten sich aber alle strafbar gemacht. Das gelte auch für die beiden Freunde der jungen Frau. Diese hätten sich keineswegs nur als Rückendeckung für einen vielleicht stattfindenden Übergriff auf die 24-Jährige bereitgehalten, sondern seien an der Durchführung aktiv beteiligt gewesen.

Den 38-jährige Schalksmühler verurteilte das Gericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, seinen Freund zu einem Jahr. Trotz Vorstrafen – allerdings nicht einschlägig – setzte das Gericht die Strafen zur Bewährung aus. Alle drei müssen zudem einen Entzug beginnen oder diesen weiterführen.

Die mitangeklagte Mutter des 38-Jährigen wurde freigesprochen. Sie sei an der Tat nicht beteiligt gewesen, habe später lediglich den Wagen des Werdohlers umgeparkt.

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