Betreiber sehen sich in der Pflicht

Trainieren mit Maske: So bereiten sich Fitnessstudios auf die Wiederöffnung vor

+
Vorfreude auf die Wiederöffnung: Andrea Krüger vom Fitnessstudio Life in Garbeck.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Fitwerden für den Kampf gegen Corona: Das soll ab Montag wieder in den Fitnessstudios möglich sein. Beim Ausdauersport werden die Mitglieder vielleicht fitter denn je. Denn alle Zeichen deuten auf eine Maskenpflicht hin – nicht nur auf den Laufbändern.

Fitness AG in Werdohl

Axel Weber, Inhaber des Studios Fitness AG, zu dem auch das neue „Fit-und-Gesund“ gehört, geht davon aus, dass er am Montag wieder in der üblichen Zeit von 9 bis 0 Uhröffnen kann. Das würde ihm sehr entgegenkommen, denn dadurch können sich die Freizeitsportler gut über den Tag verteilen. Außer den Öffnungszeiten ändert sich coronabedingt aber so ziemlich alles.

Weber plant für die Fitness AG, dass an der Tür geklingelt werden muss. Einzeln dürfen die Kunden eintreten und erhalten zuerst eine Einweisung in die neuen Regeln. Manche Geräte wie der Vier-Stationen-Turm sind ganz abgesperrt oder nur beschränkt nutzbar. Schutzmasken sind Pflicht und müssen selbst mitgebracht werden.

Axel Weber empfindet das als eine schwerwiegende Einschränkung: „Das ist so, als wenn man vom Bund eingezogen wird und gleich am ersten Tag mit einer ABC-Maske einen Berg hochlaufen soll.“ Zudem sollen Einweghandschuhe getragen und Handtücher an den Geräten untergelegt werden. Die Geräte sollen – wie es auch schon vor Corona teilweise üblich war – nach der Benutzung an den Kontaktflächen desinfiziert werden. Diese Aufgabe möchte Weber den Kunden auferlegen. Die Trainer sollen kontrollieren.

Oberstes Gebot der Stunde ist natürlich Abstand. „Im Fit-und-Gesund steht ohnehin alles weit genug auseinander“, betont Weber, dass es dort kaum Einschränkungen beim Training geben werde. Kurse und Rehasport seien aber noch nicht möglich. Außerdem müssten Umkleiden und Duschen geschlossen bleiben.

„Die Mitglieder müssen in Sportsachen kommen“, sagt Weber und ergänzt: „Wir müssen jetzt aus allem das Beste machen. Es ist wichtig, dass die Leute wieder ins Training kommen. Einige sind durch die Pause derbe zurückgeworfen worden.“

Sehr dankbar ist er für die Solidarität seiner Mitglieder. Die absolute Mehrheit habe auch während der Schließung die Beiträge gezahlt. Weber möchte diese Beiträge zurückgeben, wenn sich die Situation entspannt hat. Dann sollen die Monatsbeiträge der Mitglieder nach und nach ausgesetzt werden.

MN Fitnesslounge in Neuenrade

Das Training in der MN Fitnesslounge Neuenrade zeichnet sich dadurch aus, dass die Sportler in kurzen Intervallen von Gerät zu Gerät gehen. Der Weg ist vorgegeben. Die Pausen zwischen den einzelnen „Parcoursstarts“ sollen nun verdoppelt werden. Ziel des Ganzen ist, dass die Sportler sich nicht gegenseitig in die Quere kommen und automatisch genug Abstand zueinander einhalten. Nur noch zehn bis 15 Personen dürfen gleichzeitig im Studio sein. Sonst waren es 20.

Für die Kunden ist wichtig, dass sie sich vor dem Besuch telefonisch anmelden. Duschen und umziehen können sie sich vor Ort nicht mehr. Marcel Niehues, Inhaber der Fitnesslounge, erwartet, dass es eine Maskenpflicht für die Sportler gelten wird – gerade auf Laufband oder Fahrrad ist das eine Herausforderung. „Dadurch werden vermutlich einige ihre Mitgliedschaft ruhen lassen“, befürchtet er starke Einbrüche.

Der Inhaber denkt darüber nach, Outdoor-Kurse anzubieten. Die Fitnessstudios sieht Marcel Niehues in einer wichtigen Rolle: „Meiner Meinung nach sind wir systemrelevant“, betont er. Man dürfe eines nicht vergessen: „In Deutschland sterben täglich 1100 Menschen an Herz-Kreislauferkrankungen. An Corona sind in den vergangenen zwölf Wochen, also 84 Tagen, gut 7000 Menschen gestorben.“

Daher sei es wichtig, dass das Training jetzt wieder startet, um das Herz-Kreislaufsystem in Schwung zu halten. Getränke werden in der Fitnesslounge nur noch in Pappbechern verkauft. Die Geräte nach jeder Benutzung vom Trainer desinfiziert.

Fitnessstudio Life in Balve

Das Fitnessstudio Life in Garbeck wurde am Freitag bereits aufwendig umgebaut. Spuckschutze, Absperrungen und Desinfektionsspender: Alles hätten die Mitarbeiter fachgerecht installiert, berichtet Chefin Andrea Krüger. Vier Geräte können nicht genutzt werden, damit zwischen den Sportlern der Sicherheitsabstand passt. Masken werden auch hier Pflicht sein. „Das wird gerade beim Ausdauersport sehr schwierig umzusetzen, beim Krafttraining ist es nicht ganz so dramatisch.“

Umkleiden, Sauna und Duschen bleiben dicht. Alle Stühle zum Plausch nach dem Training wurden beiseite geschafft. „Reinkommen, trainieren, weggehen“, beschreibt Krüger den Ablauf. Das fällt dem Life-Team schwer: „Wir legen immer sehr viel Wert auf Treffen nach dem Training und auf Teambildung. Bei uns kennt man sich untereinander. Das müssen wir jetzt unterbinden“, bedauert Krüger.

Für das Training muss man sich jetzt anmelden, denn es dürfen nur noch 20 bis 30 Personen gleichzeitig ins Studio. Die Buchungen werden über die App „No excuse“ gesteuert. „Jeder kann einen Zeitraum von 75 Minuten für sein Training buchen“, erklärt Krüger. Die Geräte werden nach dem Training regelmäßig von den Life-Mitarbeitern desinfiziert, die dafür auch geschult wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare