Tränenreicher Abschied von Pater Kamil

Schlange stehen, um „Adieu“ zu sagen. Keine Frage: Pater Kamil ist den Werdohlern und Neuenradern in den vergangenen fünf Jahren ans Herz gewachsen – und umgekehrt ebenso.

WERDOHL - Voll war die St.-Michael-Kirche am Samstagnachmittag. Auch zahlreiche Gemeindemitglieder aus Neuenrade waren eigens angereist, um Pater Kamil zu verabschieden. Dieser zeigte sich enorm gerührt. Abschiedstränen flossen beim Pater.

Auch beim anschließenden Empfang im großen Pfarrsaal musste der junge Klosterbruder sich zusammenreißen. Sichtlich gerührt, aber tapfer, verfolgte er die zahlreichen Abschiedsreden und richtete schließlich auch selbst ein paar Worte an seine nunmehr ehemalige Gemeinde.

„Ich habe täglich für Sie alle in Werdohl und Neuenrade gebetet“, erklärte Pater Kamil. Und er versprach: „Und das werde ich auch weiterhin tun.“

Sein Ordensbruder Pater Irenäus gestand dann zunächst, dass er – beim Anblick der vielen Menschen in der Kirche – „schon ein bisschen neidisch“ geworden sei. Dann rang Irenäus mit den Worten. Letztlich aber versicherte er Pater Kamil: „Dein Zuhause ist immer noch hier.“ Jedesmal, wenn er an Lenne und Verse zurückkehre, stehe ein Zimmer für ihn bereit.

Erstmals besuchte Pater Kamil Werdohl bereits 2003. Nachdem er am 5. Mai 2007 seine Priesterweihe erhielt, ging er für ein Jahr nach Polen. Seit 2008 war er durchgehend in Werdohl – und wuchs dabei offensichtlich vielen Gläubigen ans Herz.

Darunter auch der evangelische Kollege Dirk Grzegorek. Dieser trat am Samstag ans Rednerpult und offenbarte: „Alles, was die Angehörigen der beiden christlichen Kirchen auch trennt, habe ich zwischen uns beiden nie so wahrgenommen.“ Vielmehr, so Grzegorek, „waren wir zwei stets wahrhaftig auf Augenhöhe“. Zum Abschied schenkte er Pater Kamil ein kleines Holzkreuz mit abgerundeten Ecken, „dass sich in Deine Hand einschmiegen mag“.

Pater Kamil verlässt Werdohl, um nun zu promovieren. Sein Studium begleiten wird eine handgemalte Ikone, die ihm Gemeinderats-Mitglied Eva-Maria Andratschke im Namen der Pfarrei schenkte. „Sie zeigt den Erzengel Michael und möge Dir ein Andenken an uns hier in Werdohl und Neuenrade sein“, erklärte sie.

Monika Ante vom Kirchenvorstand versicherte Pater Kamil: „Ihr Geischt und Ihre Stimme werden in Werdohl und Neuenrade fehlen.“ Aber zum Wagen eines neuen Schrittes gehöre eben auch das Loslassen, räumte sie ein.

Lang war die Schlange von Menschen, die sich von Pater Kamil mit ein paar persönlichen Worten verabschieden wollten. Noch zahlreiche weiterer Geschenke mögen dem Ordensbruder den Weggang erleichtert haben.

Von Michael Koll

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