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Traditionsunternehmen im MK leidet unter Besitzerwechsel: Verkauft und insolvent 

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Von: Volker Heyn

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Von vormals 100 Mitarbeitenden sind jetzt nur noch etwa 30 bei Gebrüder Lohmann beschäftigt. Die Mitarbeiter der Alu-Gießerei hoffen zusammen mit dem Insolvenzanwalt darauf, von einem verantwortlichen Investor aufgekauft zu werden.
Von vormals 100 Mitarbeitenden sind jetzt nur noch etwa 30 bei Gebrüder Lohmann beschäftigt. Die Mitarbeiter der Alu-Gießerei hoffen zusammen mit dem Insolvenzanwalt darauf, von einem verantwortlichen Investor aufgekauft zu werden. © Heyn, Volker

Es ist schon ein Trauerspiel: Ein von der Struktur her gesundes mittelständisches Traditionsunternehmen wird in unverantwortliche Hände verkauft und gerät ohne Verschulden der Mitarbeiter finanziell unter die Räder.

Jetzt soll ein Insolvenzverfahren retten, was zu retten ist. Die Leidtragenden sind – wie immer – in erster Linie die Beschäftigten.

Genau so läuft es derzeit bei der Gebrüder Lohmann GmbH in Dresel. Die Aluminiumgießerei wurde 1946 durch Günter Lohmann in Kleinhammer gegründet, 1950 kam Bruder Karl-Heinz aus Kriegsgefangenschaft zurück in den Betrieb. In den Nachkriegsjahren wurden erweitert und aufgebaut, es kamen ein eigenständiger Werkzeugbau und die komplette mechanische Bearbeitung hinzu. 1979 wurden Gießerei und Werkzeugbau nach Dresel ausgelagert. 1989 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt. 1990 wurde An der Tumpe neu gebaut und sämtliche Betriebsteile dorthin verlegt.

Verkauf an ein Münsteraner Ehepaar

Zwanzig Jahre später verkauften die Inhaberfamilien Krins und Lohmann die Firma an das Münsteraner Ehepaar Hans und Stephanie Rhodenburg. Freude über den erfolgreichen Inhaberwechsel in Familienstrukturen kam aber nicht bei jedem Beschäftigten auf. Von betrieblicher Mitbestimmung hielt Hans Rohdenburg wenig, mit aller Kraft versuchte er, den neu gegründeten Betriebsrat an der Arbeit zu hindern. IG Metall und der DGB ließen kein gutes Haar an Rohdenburgs patriarchaler Unternehmensführung. Es kam zu Verfahren gegen Rohdenburg wegen Missachtung der Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates bei der Einstellung von Arbeitnehmern und bei der Anordnung von Mehrarbeit.

Ungeachtet dieser Auseinandersetzungen schien es der Firma wirtschaftlich gut zu gehen, das Unternehmerpaar aus Münster arbeitete einsatzfreudig im Betrieb. In den Zeiten zwischen 2011 und 2019 beschäftigten Rohdenburgs rund 100 Leute, Umsätze und Profit schienen zu stimmen.

Französischer Geschäftsmann übernimmt, Niedergang beginnt

Der Niedergang begann mit dem Verkauf der Lohmann GmbH an den französischen Geschäftsmann Mathieu Paris in der Nähe von Lyon. Monsieur Paris wurde allerdings so gut wie nie in Dresel gesehen. Er habe, so wird es im Betrieb erzählt, eine Menge anderer Firmen und ziehe nur Geld aus seinen Unternehmungen. Die Talfahrt begann, immer mehr Mitarbeitende verließen das Unternehmen oder musten es.

Die Gebrüder Lohmann GmbH in Dresel scheint derzeit zu einer Art Briefkastenfirma verkommen zu sein. Der französische Besitzer ist nicht zu sprechen, eine Art Betriebsverantwortlicher meldet sich nicht zurück. Es wird aber weitergearbeitet.
Die Gebrüder Lohmann GmbH in Dresel scheint derzeit zu einer Art Briefkastenfirma verkommen zu sein. Der französische Besitzer ist nicht zu sprechen, eine Art Betriebsverantwortlicher meldet sich nicht zurück. Es wird aber weitergearbeitet. © Heyn, Volker

Innerhalb von nur zwei Jahren verringerte sich die Belegschaft auf 30 Mitarbeitende. Von ehemals acht Alugießern gibt es heute nur noch drei. Die Stimmung ist schlecht, allerdings blieben treue Kunden bei der Stange.

Verantwortlicher ist nicht zu erreichen

Die Verwaltung der Lohmann GmbH findet offenbar in Frankreich statt. Ein Anruf bei der Firmennummer wird auf eine französische Rufnummer weitergeleitet, als Verantwortlicher wird Jean Maushart von einer Rafer GmbH genannt, der aber nicht zu erreichen ist.

Ende November meldete Inhaber Paris für die Lohmann GmbH vorläufige Insolvenz an. So sind wenigstens bis Ende Januar die Löhne und Gehälter gesichert. Hoffnung macht Anwalt Dr. Markus Wischemeyer aus Dortmund, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt ist. Er versuche, den Betrieb zu stabilisieren und fortzuführen. Das habe er den Mitarbeitern im persönlichen Gespräch in Dresel vermittelt. Es gebe tatsächlich Investoren mit ernsthaftem Interesse an der Gebrüder Lohmann GmbH.

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