Tradition des Neujahrssingens ist bereits 138 Jahre alt

Auch auf neue Gesichter treffen die Sänger während ihres Rundgangs: Diese Familie ist nämlich zuvor noch nicht besucht worden. - Fotos: Wieschmann

Werdohl - Tradition seit 1878: Auch so hätte der Titel dieses Artikels lauten können, denn seit nunmehr 138 Jahren ziehen die Neujahrssänger im Versetal bereits von Haus zu Haus, um den Familien ein frohes Neues Jahr zu wünschen.

„In diesem Jahr müssen wir eine besonders große Runde laufen“, so Manfred Kehr. Grund: Am Silvestertag hatten sich lediglich 15 sangeswillige Männer am Schießstand in Bärenstein eingefunden, um die Tradition auch im 138. Jahr weiterleben zu lassen. Zwölf Monate zuvor waren es noch 24 gewesen. Anstatt sich die Arbeit teilen und in zwei Gruppen die Neujahrsgrüße überbringen zu können, musste das Sangeswerk in diesem Jahr von einer Gruppe komplett gestemmt werden.

Insgesamt 130 Familien hättem potentiell in den Genuss dieser alten Tradition kommen können: wenn sie denn die Tür geöffnet hätten. Waren die Rollladen hingegen heruntergelassen und das Haus stockfinster, zogen die Sänger weiter und suchten stattdessen gleich das nächste Haus auf. Und manchmal hatten die Menschen auch einfach keine Lust auf Tradition und ließen die Pforten, trotz Klingelns, geschlossen.

Die anstrengende Tour von Haus zu Haus hatte am 31. Dezember gegen 16:15 Uhr mit einer Generalprobe begonnen. Das letzte Bier war noch nicht ausgetrunken, da rief Manfred Kehr seine Mitsänger zur Disziplin auf: „Austrinken! Wir wollen ansingen“. Die zweite Station führte die Neujahrssänger, auch dies ist eine Tradition, in das Bauernhaus der Familie Klusemann. „Ich bin immer wieder stolz, wenn ich den beleuchteten Weihnachtsbaum sehe“, so Manfred Kehr.

In der Tat gab die 4,50 Meter hohe Tanne einen imposanten Hintergrund für den gesungenen Neujahrsgruß ab. „Seit nunmehr 35 Jahren haben wir an Weihnachten einen so hohen Baum. Dies haben meine Eltern schon so gemacht. Und mein Bruder und ich haben die Tradition nun für unsere Kinder weitergeführt“, betonte Stefan Klusemann. Bevor die Sänger das Haus verließen, galt es zur Stärkung noch ein Pinneken mit Hochprozentigem zu leeren.

Nachdem die Hälfte der Strecke absolviert war, kehrten die Sänger bei Familie Nodes ein, um sich mit Mettbröttchen und Bier zu stärken. Auch dieser „Termin“ ist aus dem Kalender der Neujahrssänger nicht wegzudenken. Doch vor dem Biss in die Semmel steht auch hier die Erfüllung der Tradition im Vordergrund: „Das alte Jahr vergangen ist, wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du uns in so großer G’fahr so gnädiglich behüt’ dies Jahr“ heißt es im Neujahrslied von Johann Steuerlein. Und dies wird auch im 139. Jahr so sein.

Von Jari Wieschmann

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