TKB‘ler bereiten sich auf den Abschied vor

Große Freude trotz des traurigen Anlasses: Die Heimatvereins-Vorsitzenden Heiner Burkhardt und Rüdiger Schmale sowie die städtische Kulturbeauftragte Reinhild Wüllner-Leisen übernahmen von den TKB-Betriebsräten Udo Böhme (l.) und Michael Daub ein altes Gemälde der Gesenkschmiede von ehemals Brüninghaus in den Bestand des Stadtmuseums.

WERDOHL ▪ Der Anlass war durchaus kein glücklicher: Gestern haben die TKB-Betriebsräte Udo Böhme und Michael Daub ein altes Gemälde von der ehemaligen Firma Brüninghaus ans Stadtmuseum übergeben.

Das Bild hing jahrelang in einem Besprechungszimmer, das jetzt schon lange leer steht. Böhme: „Den Gedanken, das Bild zu übergeben, gibt es seit dem Schließungsbeschluss.“ Bis zum 30. Juni wird noch bei ThyssenKrupp Bilstein produziert, dann ist endgültig Feierabend. Bekanntlich trennt sich ThyssenKrupp von dem Werdohler Traditionsbetrieb. Böhme: „Das Bild interessiert den Konzern sowieso nicht.“ Umso interessierter zeigte sich gestern Heimatvereins-Vorsitzender Heiner Burkhardt: „Ich finde es stark, dass das Bild hier in Werdohl bleibt.“ Im Stadtmuseum wird es erstmal provisorisch aufgehängt, im neuen Museum im Bahnhof soll es im Raum der Industriegeschichte entsprechend auffällig ausgestellt werden. Burkhardt: „Wir sind sehr dankbar.“ Reinhild Wüllner-Leisen bedankte sich im Namen der Stadt für die Übertragung und erkannte auf den ersten Blick den Stil des Gemäldes von 1952: „Das ist Neorealismus.“

Auf dem Öl-Gemälde sind zwei Gesenkschmiede-Öfen zu sehen, einer mit 35 Tonnen, der andere mit 34 Tonnen. Das Bild zeigt Arbeiter an den beiden Öfen. Die Unterschrift des Malers ist nicht eindeutig zu lesen.

Böhme: „Die Situation auf dem Bild dürfte vielen Rentnern noch sehr gut bekannt sein.“ Hergestellt wurden damals Radnaben für die Eisenbahn und für Lastwagen. Die Gesenkschmiede wurde Anfang der 1990er Jahre geschlossen.

Von den ehemals 114 Mitarbeitern in der Produktion von Schraubenfedern bei TKB sind noch 28 Kollegen nicht versorgt. 20 von ihnen bleiben auf jeden Fall noch einige Monate mit Aufräum- und Abrissarbeiten beschäftigt. Die meisten dieser 28 Kollegen werden eine Weiterqualifizierung durch die Transfergesellschaft in Anspruch nehmen, sagte Böhme gestern. Vier sind in die Ruhephase getreten, drei in Altersteilzeit, vier in Rente und 18 haben die 58er-Regelung genutzt. 34 Kollegen haben einen anderen Job gefunden, 16 Kollegen sind in anderen ThyssenKrupp-Werken untergekommen. Sieben Kollegen sind aus verschiedenen Gründen ausgeschieden.

Böhme und Daub sagten, dass der ausgehandelte Sozialplan für die Kollegen sehr gut ausgefallen sei. Von daher sei es niemandem zu verübeln, dass er die Abfindung annehme, anstelle sich in einen anderen ThyssenKrupp-Betrieb vermitteln zu lassen. Zumal sich ThyssenKrupp durch den Verkauf der Edelstahlsparte und anderer Betriebe komplett aus Südwestfalen verabschiede.

Der Zusammenhalt unter den Brüninghäusern sei nach wie vor gut, so Böhme. Noch im vergangenen Monat wurde ein Frühlingsfest gefeiert. Für den 2. Juli ist ein Abschiedsfest in den Räumen der Werksfeuerwehr Brüninghaus geplant.

Volker Heyn

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