Erfahrungen der Ordnungshüter zu Silvester

Gefesselt im Polizei-Bulli

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Volker Bootz leitet die Polizeiwache in Werdohl. Für die Silvesternacht und den Neujahrsmorgen gibt es keine Probleme, die Schichten zu besetzen. Die Kolleginnen und Kollegen sprechen sich untereinander ab.

Werdohl - Wie sollte man sich in der Silvesternacht verhalten, damit die Polizei nicht kommen muss? „Nicht mehr trinken, als man vertragen kann“, lautet sinngemäß die Antwort von Polizeichef Volker Bootz. „Im Wesentlichen haben wir es mit alkoholisierten Personen zu tun, die sich gegenseitig auf die Nase schlagen“, weiß Bootz aus Erfahrung. Wobei es in den Kleinstädten wie Werdohl und Neuenrade nie zu der ganz großen Randale kommt. Während in der Dortmunder Nordstadt die Polizei damit kämpft, dass sich die Menschen keine Körperteile absprengen oder sich gegenseitig schwer verletzen, bleibt es an Lenne und Hönne doch eher im Bereich von Ruhestörungen oder Rangeleien zu stark Betrunkener.

Dass sich Leute – meist seien es die Männer – besoffen in die Haare kriegen, komme an Silvester relativ oft vor. In Wohnungen und auf der Straße komme es erst zu verbalen, dann zu körperlichen Auseinandersetzungen. Volker Bootz formuliert es zurückhaltend: „Beim Wechsel von einer Kneipe in die andere treffen da Leute aufeinander, die vielleicht nicht einer Meinung sind.“ Dass sei häufig im Sommer zu beobachten, aber eben auch an Silvester. Häufig gebe es Streit um Frauen. Bootz: „Einer fasst die andere an, die gar nicht zu ihm gehört.“ Übergriffe in der Massivität wie in der Kölner Silvesternacht habe es hierzulande nie gegeben.

Bootz hat schon viel erlebt: „Bei manchen ist es eine Art Sport, aufeinander einzudreschen.“ Und warum schlagen sich die Menschen? Bootz formuliert vorsichtig: „Weil sie unterschiedliche Auffassungen davon haben, was Auftreten und Ansichten anbelangt.“ Meistens riefen die Nachbarn an, wenn die Party in der Nähe eskaliere. „Anrufer sagen uns, dass sie Geschrei hören würden und dass es sich anhöre, als würden sich Menschen schlagen.“ Die sich gegenseitig verletzten, riefen fast nie selbst an. Wenn die Beamten auf der Bildfläche erscheinen, ist die Lage selten eindeutig, wenn nicht gerade jemand mit einer blutenden Verletzung angetroffen wird. Oft sei die Musik bis zum Anschlag aufgedreht. Erst gebe es eine Ansprache der Kollegen, um die Situation zu beruhigen. Auch bei ganz offensichtlich Streitenden müssten die Polizisten selten eine Anzeige aufnehmen. Oft genug habe er erlebt, dass sich Prügelnde trotz starker Blutungen und einer Einlieferung ins Krankenhaus nicht gegenseitig beschuldigten. „Wenn keiner eine Anzeige aufgibt, schreiben wir nur einen Bericht“, sagt Bootz.

Wenn die Musik nicht leiser gedreht wird oder sich die Partygäste nicht richtig beruhigen können, werde auch schon mal sofort gehandelt. „Wir bauen die Stereoanlage ab und nehmen sie mit, dann ist Ruhe“, so Bootz. Die Gastgeber können sich die Anlage am nächsten Tag auf der Wache abholen. Dazu gibt es eine Anzeige wegen Ruhestörung, das war es dann auch. Schwieriger sei es, wenn sich total Betrunkene nicht beruhigen ließen und eine Gefahr darstellten. Bootz: „Dann fesseln wir denjenigen und bringen ihn ins Polizeigewahrsam nach Lüdenscheid.“ In der Silvesternacht komme der Polizei-Bulli, ein Mercedes Vito, zum Einsatz. Da sei genügend Platz für einen renitenten Randalierer und seine polizeiliche Begleitung.

Immer häufiger komme es zu Beleidigungen und Respektlosigkeiten gegenüber denen, die helfen wollen. Bootz: „Je mehr Alkohol, desto schlimmer.“ Klar seien die Polizisten, wenn sie die Party auflösten, nicht die beliebtesten Gäste des Abends. Dass sie bei ihrer Arbeit beleidigt und bedroht würden, sei dennoch überhaupt nicht in Ordnung.

Verboten ist im Übrigen in der Regel, mit einer Schreckschusspistole Leuchtmunition abzufeuern. Auch wer einen kleinen Waffenschein hat, darf nicht außerhalb seines umfriedeten Grundstücks zu Neujahr aus Spaß in die Luft ballern. „Geschossteile dürfen nicht über die Grundstücksgrenzen hinausfliegen“, weiß Bootz: „Und das ist eigentlich fast nie möglich.“

Wenn der Rettungswagen gerufen wird, weil sich eine Person am Feuerwerk verletzt hat, kommt auch die Polizei hinzu. „Kann ja gut sein, dass Kinder oder Jugendliche oder verbotene Feuerwerkskörper im Spiel waren“, nennt Bootz Gründe für den polizeilichen Einsatz. Mülleimer und Briefkästen in die Luft sprengen mag zwar amüsant sein, ist aber eine Sachbeschädigung oder gar eine fahrlässige Brandstiftung, wenn mehr als nur der Knaller brennt. In solchen Fällen sollte immer die Polizei gerufen werden, sagt Bootz: „Hin und wieder erwischen wir ja doch einen.“

Einen Dienstplan für die Silvesternacht zu schreiben sei kein Problem. Manch einer arbeite gerne und freiwillig an Silvester, ansonsten würden sich die Kollegen untereinander absprechen. Bootz: „Da musste noch nie ein Dienst bestimmt werden.“

Allzu krass scheint es in der Werdohler Silvesternacht also nicht zuzugehen.

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