Tierschützer zeigen Händler aus Werdohl an

Weil ein Versandhändler aus Werdohl lebende Hummer in einer Styroporbox mit Eis an Privathaushalte liefere, zeigte die Tierrechtorganisation Peta den Händler nun an. Das Foto zeigt zwei gekochte Hummer vor dem Ausnehmen.

Werdohl ▪ Die Tierrechtorganisation Peta Deutschland hat gegen einen Versandhändler aus Werdohl bei der Staatsanwaltschaft Hagen Anzeige erstattet. Die Tierschützer aus Gerlingen werfen dem Händler vor, mit dem Versand lebender Hummer in einer Styroporbox mit Eis an Privathaushalte gegen das Tierschutzgesetz, die Tierschutzschlachtverordnung und die Tierschutztransportverordnung zu verstoßen.

Hans-Werner Münker, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hagen, bestätigte am Mittwoch auf Anfrage unsere Zeitung, dass die Anzeige der Peta-Mitarbeiter bei der Behörde eingegangen sei. Weitere Angaben konnte er zu dem Verfahren nicht machen.

„Mehrere lebende Hummer in einer Styroporkiste quer durch Deutschland per Post zu transportieren ist Tierquälerei“, erklärte Dr. Tanja Breining, Kampagnenleiterin für Meerestiere der Peta, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die im Internet angegebene Lieferzeit von 48 Stunden könne niemals eingehalten werden. Denn die Tiere müssten möglicherweise nach der Lieferung noch weitere Stunden vor der Haustür ausharren, bis der Kunde abends von der Arbeit nach Hause komme, oder sie würden tagelang im Kühlschrank gelagert, so die Tierschützerin weiter. Die Tierschutztransportverordnung verbiete es, Hummer in einer Styroporbox zu transportieren. Zudem untersage die Tierschutzschlachtverordnung das Aufbewahren lebender Krustentiere auf Eis, so Breining weiter. Ziel der nun gestellten Anzeige sei es, den Händler dazu zu bewegen, den Verkauf lebender Hummer einzustellen, sagte die Kampagnenleiterin.

Der Händler selbst betonte auf Anfrage, dass es ihm nicht bekannt sei, gegen das Tierschutzgesetz zu verstoßen. Außerdem leite er seine angenommenen Bestellungen zu einem Fischgroßhändler nach Hamburg weiter. Dieser kümmere sich dann um den Express-Versand der lebenden Ware, der innerhalb der nächsten 24-Stunden erfolge. „Ich habe nochmals mit dem Händler Rücksprache gehalten. Der macht das seit 40 Jahren und hat mir versichert, dass der Versand innerhalb des geltenden Tierschutzes abgewickelt wird“, sagte der Händler aus Werdohl. Dass man den Versand lebender Tiere auch moralisch anders sehen kann, könne er durchaus verstehen.

Ob der Unternehmer aus Werdohl die Tiere nun selbst verschicke oder ein Großhändler die Hummer versende, macht für die Tierschützer von Peta keinen Unterschied. „Er ist der Auftraggeber, der Drahtzieher, und somit auch für den illegalen Versand verantwortlich“, erklärte die Meeresbiologin weiter. Ohne seine Tätigkeit müssten die Hummer schließlich nicht quer durch die Bundesrepublik verschickt werden.

Auf den Versandhändler aufmerksam geworden waren die Tierschützer aus Gerlingen nach eigenen Angaben durch einen Hinweis aus der Bevölkerung, der die Peta-Mitarbeiter per E-Mail erreichte. Die Meeresbiologin hatte sich dann telefonisch inkognito an den Händler gewandt, um sich über die Versandpraxis der Krustentiere zu informieren. Der habe daraufhin erklärt, dass die Hummer in einer Styroporkiste mit Eis an den Endkunden mit einem Paketdienst geliefert würden. Deshalb habe die Peta Anzeige erstattet. Auch an den Paketdienst haben sich die Tierschützer bereits gewandt. Hier stehe eine Antwort allerdings noch aus.

Der Werdohler erklärte, dass die Tiere in Holzwolle in der Box seien und dass das Eis separat liege. Zudem habe er im vergangenen Jahr von militanten Tierschützern Drohbriefe erhalten. „Dort wurde ich als Tierquäler und Mörder beschimpft“, erinnert sich der Unternehmer und fügt hinzu: „Die haben mir sogar den Tod gewünscht“. An die Polizei habe er sich mit den Schreiben nicht gewandt, er habe das für sich einfach abgehakt. „Wir haben mit den Drohbriefen nichts zu tun. Das wäre für uns eher kontraproduktiv, weil wir mit so etwas nur das Gegenteil unseres Ziels erreichen würden“, erklärte die Tierschützerin abschließend.

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