Tierschützer in Sorge

Aufregung um zwei Hunde im MK: Zwinger direkt an Bundesstraße

Diese beiden Hunde hält ihr Besitzer schon seit ein paar Jahren in einem Zwinger auf dem vollgestellten Grundstück an der Borbecke. Dieses Bild entstand im Juni 2016. Jetzt interessierte sich wieder einmal das Kreis-Veterinäramt für die Tiere.
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Diese beiden Hunde hält ihr Besitzer schon seit ein paar Jahren in einem Zwinger auf dem vollgestellten Grundstück an der Borbecke. Dieses Bild entstand im Juni 2016. Jetzt interessierte sich wieder einmal das Kreis-Veterinäramt für die Tiere.

Zwei Hunde in einem Zwinger an der Bundesstraße B229 in Werdohl sorgen für Aufregung. Tierschützer machen sich Sorgen.

Werdohl - Kreisveterinär Dr. Jobst-Ulrich Trappe kennt die beiden Hunde seit Jahren, die in einem Zwinger auf dem Grundstück in der Borbecke in Werdohl direkt an der Bundesstraße gehalten werden. Immer wieder gibt es Kritik von Tierschützerinnen an der Haltung der Tiere und vor allem an deren Halter.

Trappe war zuletzt am 5. Februar dort und bestätigt eine so gerade eben den rechtlichen Mindestanforderungen entsprechende Haltung.

Der Kreisveterinär kennt den Werdohler Hundehalter und seine wechselnden Tiere schon seit 25 Jahren. Dr. Trappe: „Ich bin seit April 1995 beim Kreis, seit dieser Zeit ist der Mann Stammgast beim Kreisveterinär.“ Der Besitzer des Gebäudes, das nach einem Lkw-Unfall 2015 in sich zusammenstürzte, habe auch schon vor den beiden jetzigen immer wieder Hunde gehalten.

Tiere sind ein „sehr nettes Gespann“

Aktuell geht es um einen etwa zehn Jahre alten Bernhardiner-Rüden und eine etwa fünf Jahre alte Hündin, die Trappe als „graue türkische Hirtenhündin“ bezeichnet. Ein reinrassiger Cangal sei das nicht. Beide Tiere sind laut Trappe „ein sehr nettes Gespann.“ Wenn man sich nähere, würden die großen Tiere anschlagen. Sobald man sich ihnen zuwende, akzeptierten sie die Hand. Trappe: „Beide Tiere haben Umgang, sind nicht verdorben und nicht durchgeknallt.“ Trappe geht weiter und sagt, dass beide Hunde leinenführig seien: „Der Besitzer hat sie im Appell.“

Was allerdings die Haltung im Zwinger auf dem Trümmerfeld direkt an der Bundesstraße betreffe, sei diese immer wieder auffällig und von Nachbarn und Tierschützerinnen gemeldet worden. Zuletzt im Herbst vergangenen Jahres gab es Kritik ganz besonderer Art. Eine TV-Moderatorin des Senders Vox ging Beschwerden des Plettenberger Tierschutzvereins nach.

Überwachungskamera filmt stundenlang nur den Himmel

Judith Pein hatte damals das Grundstück besucht und eine Überwachungskamera angebracht. Trappe schmunzelt: „Leider hatte jemand die Sachen so umgeräumt, dass die Kamera stundenlang den Himmel gefilmt hat.“

Kreisveterinär Dr. Jobst Trappe traf sich vergangenen Herbst in der Borbecke mit Vox-Moderatorin Judith Pein.

Die Vox-Moderatorin bat Dr. Trappe hinzu, der damals feststellte, dass die Hündin schlecht ernährt war und an Durchfall litt. Nach Gesprächen mit dem Besitzer stellte Trappe die Lage so da: „Der Bernhardiner fraß der Hündin alles weg und war fett geworden, die Hündin magerte ab.“ Außerdem stellte Dr. Trappe fest, dass etwa die Hälfte des Zwingers mit Fundstücken vollgestellt worden war.

Wellbleche sollen vor Wind und Schlagregen schützen

Als er den Hundebesitzer daraufhin angesprochen habe, dauerte es einen Tag, bis die Sachen wieder aus dem Zwinger verschwunden waren. Außerdem sei der Zwinger mit Wellblechen vor Wind und Schlagregen geschützt worden, trockene Liegeplätze für die Hunde seien auch eingerichtet worden. Bei späteren Kontrollbesuchen konnte Trappe feststellen, dass offensichtlich auch die Fütterungsreihenfolge geändert worden war und die Hündin zugenommen habe. Die Tiere seien danach auch zur Impfung und zu weiteren Untersuchungen bei der Werdohler Tierärztin vorgestellt worden.

Dr. Trappe lobt sogar die Moderatorin Judith Pein: „Das hat sie richtig gut gemacht mit ihrer Observation.“ In dem Fernsehbeitrag ist auch zu sehen, wie die Journalistin mit dem Hundebesitzer debattiert. Die Aufnahmen entstanden im Herbst und wurden Anfang Februar ausgestrahlt.

Die Mindestanforderungen sind erfüllt

Noch vor wenigen Tagen besuchte Trappe die beiden Hunde. Seine Feststellung als Amtstierarzt lautet: „Der Halter erfüllt im Augenblick die Mindestanforderungen nach der Tierschutz-Hundeverordnung.“ Der Zwinger entspreche zumindest formal den gesetzlichen Anforderungen. Auch die Sauberkeit sei soweit in Ordnung, so Trappe: „Da findet sich maximal ein frischer Schiss im Zwinger.“ Die Wurmproblematik vom vergangenen Herbst sei gelöst. Der Verschlag werde offensichtlich regelmäßig gesäubert. Der Besitzer habe erklärt, regelmäßig mit den Hunden zu gehen. Weiteres ließe sich nicht genau nachprüfen. Dr. Trappe zu seinem Selbstverständnis: „Ich bin Tierarzt und kein Polizist. Ich stelle keine Überwachungskameras auf.“

Anforderungen an die Zwingerhaltung

Die Tierschutz-Hundeverordnung TierSchHuV für die Bundesrepublik stammt von 2001 und wurde 2013 geändert. Sie definiert „Allgemeine Anforderungen an das Halten, an das Halten in Räumen, im Freien und an die Zwingerhaltung sowie an die Anbindehaltung“. „Fütterung und Pflege“ ist ebenso geregelt wie „Anforderungen an die Betreuung bei gewerbsmäßigem Züchten“ und das „Ausstellungsverbot“.

Bei den Anforderungen an die Zwingerhaltung muss dem Hund entsprechend seiner Widerristhöhe uneingeschränkt benutzbare Bodenfläche zur Verfügung stehen, wobei die Länge jeder Seite mindestens der doppelten Körperlänge des Hundes entsprechen muss und keine Seite kürzer als zwei Meter sein darf: Hunde bis 50 Zentimeter Widerristhöhe brauchen 6 Quadratmeter, über 50 bis 65 Zentimeter 8 Quadratmeter und Hunde über 65 Zentimeter 10 Quadratmeter. Für jeden weiteren in demselben Zwinger gehaltenen Hund muss zusätzlich die Hälfte an Quadratmetern zur Verfügung stehen.

Den Hundehalter habe er dennoch im Rahmen seiner Möglichkeiten im Blick: „Manchmal erwische ich ihn auf dem linken Bein, dann gibts eine Ordnungsverfügung.“ Er vergleicht das mit Schulnoten: „Der gesetzliche Standard ist ein ausreichend. Manchmal leistet sich der Mann ein mangelhaft, das gleicht er mit einem befriedigend wieder aus.“ Selbstverständlich könnten die Hunde sehr viel besser gehalten und gepflegt werden.

Veterinär: „Jeder Tierschutzfall ist ein Einzelfall“

Bei seiner Arbeit erlebe er immer wieder, dass Tierschützer mit den gesetzlichen Mindestanforderungen nicht zufrieden seien. Das könne er nachvollziehen. Dr. Trappe: „Jeder Tierschutzfall ist ein Einzelfall. Wir müssen den Persönlichkeitsschutz beachten.“ Augenmaß sei wichtig in dem Geschäft. Und: „Deutschland ist ein freies Land, in der positives Recht herrscht.“ Wie manche Menschen lebten und wie sie mit ihren Tieren umgingen, müsse lediglich im gesetzlichen Rahmen bleiben. Der Tierarzt: „Wir leben in einer freien Gesellschaft.“

Das Borbecke-Grundstück war in der Vergangenheit immer wieder öffentlich Thema, weil sich Anwohner beschwerten und sich anschließend auch die Behörden einschalteten. Verändert sich am Zustand bislang allerdings nur wenig.

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