Tiefe Risse im Vereinsleben der Werdohler Schützen

Der Vorstand des Werdohler Schützenvereins hat momentan mit vielen Unstimmigkeiten zu kämpfen. Vorsitzender Andreas Schreiber stand am Freitagabend nicht zur Wahl. Seine Mitstreiter im Vorstand Udo Müller, Dieter Kellmann, Jens Kirsten wurden zwar wiedergewählt –  mancher jedoch mit vielen Gegenstimmen.

WERDOHL ▪ Es brennt an allen Ecken und Enden im Werdohler Schützenverein. Seit gut zwei Jahren pendelt die Zahl der Mitglieder um die 800 Personen. Doch die dreistündige Frühjahrsversammlung am Freitagabend im Restaurant Vier Jahreszeiten ließ ein Mitglied schließlich wütend rufen: „Gibt es diesen Verein überhaupt noch?“ Die Antwort werden die kommenden Monate geben müssen. Von Michael Koll

Schon beim Bericht des 1. Vorsitzenden Andreas Schreiber hatten sich Risse im Vereinsgefüge gezeigt. Immer wieder täten sich neue Baustellen auf, schilderte er: „Ständig wusste es irgendwer wieder besser, fühlte sich angegriffen und meinte, sich über Gebühr hart wehren zu müssen. Und an den Theken Werdohls war der Verein ja sowieso schon längst pleite.“

Finanzen sind in Ordnung

Finanziell gehe es dem Schützenverein aber nach wie vor nicht schlecht, so Schreiber weiter. Allerdings, so zeigten später die Zahlen zum Schützenfest 2009, hatte es im vergangenen Jahr einen Verlust in der Kasse gegeben. Zwar konnte mehr Bier abgesetzt werden, doch deutlich geringere Einnahmen bei den Standgebühren und vor allen Dingen weniger eingenommene Spenden rissen ein Loch in die Kasse. Insgesamt entwickele sich die Kassenlage aber seit dem Verkauf des Schützenhofes positiv.

Aber menschlich scheint Einiges im Argen zu liegen: „Es wurde kräftig an einem Strick gezogen“, führte der Vorsitzende aus – nur nicht in ein und dieselbe Richtung. Aufgeben wolle er aber nicht. Hoffnung setzt Schreiber in den Neubau eines Raums „mit direkter Anbindung an den Schießstand“. Im Herbst soll dieser Schießraum „auf der Terrasse, wo jetzt noch der Grill und der Teich zu finden sind“ entstehen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein, so wünscht sich das Schreiber, soll dadurch wieder hergestellt werden.

Jugendabteilung ist uneins

Am Freitag war davon nicht viel zu spüren. So wurden die Kompanieführer – wie gewohnt – durch die Versammlung einstimmig im Amt bestätigt. Die Leiter der Jugendabteilung wurden jedoch nicht durchgewunken. Peter Neuhaus erhielt acht Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Sein Stellvertreter Volker Grote bekam gar elf NeinStimmen und neun Enthaltungen. In seinem Bericht schoss Geschäftsführer Michael Schürmann gegen die Beiden. Es könne nicht sein, dass die Jugendabteilung geführt werde von Menschen jenseits der 40. Persönliche Differenzen traten offenkundig zutage. Auch, so Schürmann weiter, habe es zwischen den Jugendleitern und dem Hauptvorstand in finanzieller Hinsicht rechtliche und verfahrenstechnische Unstimmigkeiten gegeben.

Schürmann legt Amt nieder

Der Geschäftsführer zog seine Konsequenz, legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder und verließ den Raum. „Das ist schlechter Stil“, kommentierten einige der gut 80 anwesenden Mitglieder seinen Abgang.

Im ruhigen Ton, jedoch inhaltlich teils sehr emotional, erörterten die Anwesenden im weiteren Verlauf der Sitzung die Finanzlage des Vereins sowie die Querelen zwischen „den verschiedenen Blöcken im Verein“. Der Vorstand wurde dennoch von allen stimmberechtigten Anwesenden ohne Gegenstimmen entlastet – bei neun Enthaltungen.

Keinen Schulterschluss der Vereinsmitglieder erlebten jedoch die Kandidaten für die zur Wahl stehenden Vorstandsposten: Der zweite Vorsitzende Dieter Kellmann wurde im Amt bestätigt mit 15 Nein-Stimmen und einer Enthaltung (62 Ja-Stimmen). Der Sportleiter Udo Müller erhielt die Zustimmung von 76 Mitgliedern. Zwei stimmten mit „Nein“. Eine Enthaltung und drei Nein-Stimmen (74 mal „Ja“) erhielt Jens Kirsten, der damit Alexandra Weiffen als 2. Schriftführer nachfolgt. Markus Bauer wird am kommenden Donnerstag im Rahmen der Vorstandssitzung zum 2. Sportleiter ernannt. Diesen Posten gibt es bisher laut Satzung nicht. Nach einer Satzungsänderung soll er durch die Mitglieder im Amt bestätigt und auch erst dann stimmberechtigt im Vorstand werden.

Viele Schuldzuweisungen

Hatte bisher die Versammlung noch ruhig stattgefunden, wurden die Diskussionen doch noch tumultartig, als der Vorsitzende Schreiber eingestehen musste, dass bisher für das nächste, das 180. Schützenfest weder Kutschen noch Pferde zur Verfügung stehen. Schuldzuweisungen gingen hin und her. Einzelne Mitglieder wurden persönlich attackiert.

Positive Nachrichten gab es dennoch zu vermelden: Die 4. Kompanie spendierte dem Hauptverein ein Kleinkalibergewehr. Sportleiter Müller kommentierte das, indem er erklärte, dass der Verein nun einen weitere Gewehrschrank benötige. Beim kommenden Schützenfest wird das Feuerwerk wieder montags stattfinden. Den Verein wird das nichts kosten, da sich ein Sponsor finden ließ, der aber nicht gezahlt hätte, wäre das Höhenfeuerwerk am Freitag gezündet worden.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare