ThyssenKrupp Bilstein: 49 Mitarbeiter unversorgt

Betriebsratsvorsitzender Udo Böhme (r.) und sein Stellvertreter Michael Daub sind nicht zufrieden mit den Angeboten der Konzernleitung.

WERDOHL ▪ Vor zwei Tagen hat der Betriebsrat zugestimmt, dass sieben weitere Mitarbeiter vom Werdohler Standort ThyssenKrupp Bilstein innerhalb des Konzern wechseln können. Wie bereits berichtet, wird dort die Produktion zum 30. Juni eingestellt.

Damit sind jetzt insgesamt 14 Beschäftigte aus Werdohl durch den Arbeitgeber vermittelt worden. Das ist dem Betriebsratsvorsitzenden Udo Böhme zu wenig: „Da müsste mehr kommen.“ Er will Perspektiven entwickeln für die 47 bisher noch nicht versorgten Mitarbeiter. Als der TKB-Aufsichtsrat im April vergangenen Jahres die Stilllegung des Werdohler Werkes beschloss, waren hier 112 Menschen beschäftigt.

Böhme hat die Liste vor sich liegen: Vier Mitarbeiter wechseln in die Altersteilzeit, drei sind es schon, vier weitere Männer sind in Rente, 15 nehmen die Vorruhestandsregelung (58er) an, 18 haben außerhalb des Konzerns eine neue Beschäftigung gefunden. Neun Spezialfälle gibt es, dazu zählen die zwei Auszubildenden sowie Mitarbeiter, die aus freien Stücken in die Auffanggesellschaft Peag wechseln wollen.

Trotzdem: Rund 70 versorgten Mitarbeitern stehen noch 47 mit ungewisser Zukunft gegenüber. Der Betriebsrat hat zwar Verständnis für den weltweit tätigen Konzern, will aber gerade deshalb beständig drängen. Udo Böhme gestern: „Man muss denen immer auf die Füße treten.“ Der Konzern habe überall große Baustellen, da stehe das kleine Werdohl sicher nicht an erster Stelle. „Ich habe aber das Gefühl, die lehnen sich zurück, weil sie Zeit bis Ende Juni haben.“

Ursprünglich sollten kommenden Montag die Maschinen endgültig abgeschaltet werden. Im Dezember stellte sich heraus, dass bis dahin aber nicht die bestehenden Aufträge hätten abgewickelt werden können. So bat der Konzern um Verlängerung: Im März soll eine der beiden Produktionsstraßen stillgelegt werden, die zweite soll noch bis zum 30. Juni laufen. Nach Abbau der zweiten Straße soll das Werk zum 30. September komplett aufgegeben werden.

Zwischenzeitlich habe der Konzern die verbleibenden Mitarbeiter aufteilen wollen: In „Straßenarbeiter“ in der Produktion und in das Abbaukommando. Erst vor einiger Zeit habe der Betriebsrat diese Aufteilung verhindern können.

Der Arbeitgeber habe sich darauf eingelassen, alle gleich zu behandeln und für den ein oder anderen eine „Motivationsprämie“ dazugelegt. Schließlich wolle der Konzern bis zum 30. Juni noch so viele Mann an Bord behalten, um die Aufträge der Kunden erfüllen zu können.

Volker Heyn

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