Vom Thriller bis hin zur lebendigen Geschichtsstunde

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Fantasy und Science Fiction geben ihr nichts, lehrreiche Bücher dagegen viel mehr: Klaudia Zubkowski empfiehlt Leseratten Hans Rosenthal und Hape Kerkeling.

WERDOHL - „Und wenn ich nach drei Seiten einschlafe“, betont Klaudia Zubkowski, Leiterin der Werdohler Stadtbücherei, „ich lese täglich.“ Zum Feierabend mache sie es sich auf ihrem Sofa unter einer Leselampe gemütlich – gerne auch mit einem Glas Wein. „So komme ich auf fünf, sechs und bis zu zehn Stunden Lesezeit in der Woche“, rechnet sie hoch.

„Für mich ist Lesen etwas, dass mich entspannt“, stellt sie klar. Dabei müsse und solle die Lektüre keineswegs seicht sein. Gerne lerne sie etwas aus einem Buch. „Aber James Joyce etwa kann toll schreiben“, sagt sie über den irischen Schriftsteller. „Doch das ist mir am Abend dann zu anstrengend.“ Ein Gegenbeispiel sei da der Brite Ken Follett: „Der schreibt jetzt nicht so wahnsinnig toll.“ Doch grundsätzlich gelte für Zubkowski: „Mich muss eher die Geschichte denn der Schreibstil fesseln.“

Wichtig sei ihr dabei nach wie vor, ein Buch in Händen zu halten, Seiten umzublättern. „Ich will noch etwas anfassen“, erklärt sie, warum E-Books nichts für sie seien. Und auch Hörbücher gefielen ihr nicht besonders: „Ich kann mich schlecht so lange aufs Zuhören konzentrieren.“ Und auch nicht jeder könne gut vorlesen.

Ihre Mutter, so erinnert sich die Bibliothekschefin, habe in einem Buch- und Schreibwarenladen gearbeitet. „Mein Berufswunsch stand also recht früh fest.“ Die in Lüdenscheid lebende Fachfrau fühlt sich auch pudelwohl in ihrem Job. Viele ihrer Kunden kenne sie, könne deren Geschmack einschätzen. Und das, obwohl sie selbst nicht alle in der Bücherei vorrätigen Werke selbst gelesen habe. „Science Fiction und Fantasy mag ich gar nicht.“ Gerne lese sie aber die in jüngster Zeit modern gewordenen Regionalkrimis – ob aus Köln, der Eifel oder Dortmund.

Zubkowski liest „Exodus“ immer wieder

Heimatkundliche Bücher und Reiseführer beziehungsweise Lektüre, die sie aus bereisten Ländern mit nach Hause gebracht habe, nehme sie gerne immer wieder zur Hand. Und auch ein Buch, welches sie bereits mit 17 Jahren las, schlägt sie stets aufs Neue auf: „Exodus“ von Leon Uris. „Der Film ist lange nicht so toll“, befindet Zubkowski.

„Das Werk hat mich fasziniert. Es sollte eine Pflichtlektüre für jeden Erwachsenen sein“, meint die 1955 Geborene. „’Exodus’ ist ein Schiff, mit dem Deportierte nach dem 2. Weltkrieg versuchen, von Zypern nach Israel zu kommen, die Blockade aufzubrechen“, erläutert sie. „Dann erzählen sich die einzelnen Flüchtlinge gegenseitig ihre Geschichten.“ Dadurch könne der Leser Einiges lernen: „Das vermittelt auch ganz viel Hintergrundwissen zur heutigen Nahost-Krise.“ Auch ihr zweiter Tipp stammt von einem Juden: Hans Rosenthal war Moderator der legendären TV-Spiel-Show „Dalli dalli“. Seine Biographie „Zwei Leben in Deutschland“ beeindrucke sie aus einem speziellen Grunde: „Dass er überhaupt so geworden ist, wie er war, zeugt von einem reichen Leben“, resümiert Zubkowski. Und bewundernd fügt sie hinzu: „Er hatte überhaupt keinen Zorn auf Deutschland.“

Und noch einmal bleibt sie bei jüdischer Weltgeschichte: 13 Bücher gebe es bereits in der Thriller-Reihe, die Zubkowski auch noch empfiehlt. „Gotteskrieger“ von Daniel Silva hat sie stellvertretend aus dem Regal herausgesucht. „Zwar sind die einzelnen Bände in sich abgeschlossen. Allerdings kann man, liest man es in der Reihenfolge, die persönliche Entwicklung des israelischen Agenten verfolgen.“ So werde Einiges über den geschichtlichen Hintergrund vermittelt: „Der Agent hat nämlich die Attentäter vom ‘72er Anschlag in München nach und nach eliminiert.“

Hape Kerkelings Buch in drei Tagen gelesen

Eine andere Lebensschilderung eines Prominenten hat sie noch begeistert: Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“, worin der Komiker seine Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg schildert. „Das hatte ich in nur drei Tagen durch. Da konnte der Haushalt mal liegen bleiben“, gesteht die Bücherei-Leiterin. „Das war unglaublich spannend: ‘Wie geht es weiter?’“

Eine „stinknormale Familiengeschichte“ hat es ihr darüber hinaus angetan: „Die Stellings“ von Christa Kanitz beschreibt die Entwicklung einer Hamburger Kaufmanns-Familie von 1842 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. „Dass es 1842 in Hamburg einen großen Brand gegeben hat, hatte ich vorher gar nicht gewusst.“

Eine Krimi-Reihe legt Zubkowski noch jedem Leser ans Herz: „Totengebet“ von Faye Kellermann hat sie stellvertretend auf dem Tisch bereit liegen. „Diese Serie spielt in den USA. Ein Kommissar ermittelt darin gemeinsam mit einer Witwe.“ Das sei quasi „Miss Marple in modern“.

Doch nicht alles, was modern sei, gefalle ihr auch: „Den Bestseller ‘Er ist wieder da’ von Timur Vermes habe ich angefangen, aber ich komme da nicht weiter“, hat sie ihre Schwierigkeiten mit dem Humor, der gerade große Teile der Gesellschaft eint. „Das ist einfach nicht mein Ding.“

von Michael Koll

Sicher haben auch viele Leser interessante Lektüre in ihrem Bücherschrank stehen. Wer gerne drei bis fünf Empfehlungen aussprechen möchte und auch etwas über besagte Bücher erzählen kann, meldet sich bitte in der Redaktion per E-Mail an sv-werdohl@mzv.net.

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