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Thema interkulturelle Öffnung: „Gemeinsam einen Kulturteppich weben“

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Von: Carla Witt

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Jugendamtsleiter Michael Thomas-Lienkämper stellte sich den Mitgliedern des Netzwerks in der Aula der Realschule vor.
Jugendamtsleiter Michael Thomas-Lienkämper stellte sich den Mitgliedern des Netzwerks in der Aula der Realschule vor. © Witt, Carla

„Ich stehe etwas unter Zeitdruck“, erklärte Dr. phil. Tatlican Gün, die auf Einladung der Frühen Hilfen der Stadt Werdohl im Rahmen des Netzwerktreffens am Mittwochnachmittag in der Aula der Realschule zu Gast war.

„Normalerweise behandele ich das heutige Thema während eines zweitägigen Seminars. Und selbst dann sind noch Fragen offen.“

Vor einem Fachpublikum – darunter unter anderem Erzieher, Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, der Kinder- und Jugendhilfe, sowie der Schwangerschaftsberatung und Frühförderung – referierte die Diplom-Psychologin zum Thema „Sichtweisen anderer Kulturen auf unser Bildungs- und Hilfesystem. Wie können wir uns als Einrichtungen im Sinne der interkulturellen Öffnung aufstellen?“.

Viel Aufklärungsarbeit erforderlich

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) und Jugendamtsleiter Michael Thomas-Lienkämper stellte Netzwerk-Koordinatorin Iris Rohe die Referentin vor, die im Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung gGmbH in Köln tätig ist. Dr. Gün, die im Fachbereich Interkulturelle Psychologie promovierte, arbeitet freiberuflich als Trainerin und berät Firmen, Einrichtungen und Behörden in interkultureller Personal- und Organisationsentwicklung sowie interkultureller Öffnung. Zudem ist sie Tanz- und Ausdruckstherapeutin.

Dr. Tatlican Gün referierte zum Thema „Interkulturelle Öffnung“.
Dr. Tatlican Gün referierte zum Thema „Interkulturelle Öffnung“. © Witt, Carla

Längst nicht alle Menschen mit Migrationshintergrund könnten mit dem Begriff Frühe Hilfen und dem, was sich dahinter verbirgt, etwas anfangen. Es müsse diesbezüglich viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, berichtete Dr. Tatlican Gün von ihren Erfahrungen. Sie unterstrich in diesem Zusammenhang, dass der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu den Familien sehr wichtig sei.

Eigene Kultur als Halt für Geflüchtete

Insbesondere geflüchteten Menschen biete die eigene Kultur oftmals einen Halt. Durch eine Flucht werde alles in Frage gestellt, was bisher selbstverständlich gewesen sei; beispielsweise Erziehung und Schule. „In dieser kritischen Phase kann die eigene Kultur sehr stabilisierend sein“, stellte die Psychologin heraus. Sie riet zu einer „kultur-sensitiven Haltung“ und zur Selbstreflexion. Um das Beste für die Kinder zu erreichen, sei es erforderlich, auch zu berücksichtigen, was die Familien wollen. „Man muss überlegen, wie man die Familien ins Boot bekommt.“

Es gelte grundsätzlich, neugierig und offen für Neues zu sein. „Mein Doktorvater hat einmal gesagt: ,Stellen sie sich die Kulturen als zwei Teppiche vor, aus dem wir dann gemeinsam einen neuen weben“, sagte Dr. Tatlican Gün.

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