Theater für Hirn und Zwerchfell

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Bei allem Anspruch, den das Stück „Der Fischer und seine Frau“ in sich barg, kam der Spaß auch nicht zu kurz

Werdohl - Ein zeitgemäßes Kindertheater, deutlich mehr Zuschauer als erwartet und ein hingerissenes Publikum: Das waren die Komponenten eines äußerst gelungenen Nachmittages, den die städtische Jugend-Abteilung am Freitag auf dem Platz Zur alten Post ausgerichtet hatte.

„Der Fischer und seine Frau“ stand auf dem Programm, als das Zwei-Personen-Theater 1 + 1 erneut in Werdohl gastierte. Bei ihrem vorherigen Gastspiel in der Stadt zwischen Lenne und Verse mussten die Schauspieler Petra Nadolny und Wolfgang Fiebig auf dem Goetheplatz vor den seinerzeitigen Wetterkapriolen kapitulieren.

Jetzt betraten sie eine Bühne, vor welcher die Sitzbänke keinen Platz mehr für weitere Besucher ließen. Viele, die zur Theateraufführung gekommen waren, lehnten an der Wand der benachbarten Stadtbücherei und betrachteten von dort aus die Geschehnisse um Fischer Fritz, dessen Ehefrau Ilsebill und einen sprechenden Fisch, der in Wahrheit ein verwunschener Prinz war. Die Momente, in denen die Mädchen und Jungen im Publikum aufmerksam die Geschichte verfolgten, aus tiefstem Herzen lachten oder grübelnd ihren Gedanken nachhingen, wechselten sich in loser Folge ab.

Den Kindern wurde viel abverlangt und zugleich wurden sie auf wunderbar leichte Art und Weise unterhalten. Fritz schien ein einfältiger Tölpel zu sein – mit handtellergroßen Löchern in den Uralt-Socken. Seiner Frau warf er doch vor: „Mit Dir kann man sich gar nicht richtig unterhalten in der Ehe.“ Ilsebill hingegen markierte bloß die Schlaue. Ihre Überlegungen führten schließlich doch nur zu Allgemeinplätzen wie „Da ist da. Und hier ist hier.“

Dabei trug sie einen komplett zerschlissenen Kittel, der mit Flecken nur so übersät war. Vom Butt beziehungsweise Prinzen wünschte sie sich immer mehr. Während ihre Gier immer weiter anstieg, fühlte ihr Gatte, dass die Eheleute dadurch keinesfalls glücklicher werden würden. Mit Sätzen wie „Ich will gar kein König sein. Ich will ein Fischer bleiben. Und ich will meine Ruhe haben“ stieß er in den Köpfen der Kinder Überlegungen aus, die ihren Charakter schärfen könnten.

Es muss also nicht immer viel Action geboten werden. Neben Slapstick und comic-hafter Gewalt, sind die Kleinsten auch durchaus zu begeistern mit anspruchsvoller Kost. Dann sitzen sie auch einmal still da und verfolgen konzentriert das, was auf der Bühne geschieht. Und so ist es lobenswert, dass die Stadt Werdohl ihnen diese Möglichkeit am Freitagnachmittag bot.

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