Milder Winter: Werdohler Landwirte bleiben gelassen

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Fritz Knoche weiß, dass Frost das Ungezieferaufkommen reduziert.

WERDOHL -  Während sich die Landwirte in anderen Regionen bereits Sorgen um ihre Ernten machen, strahlen die heimischen Bauern noch die pure Gelassenheit aus. Pilzbefall drohe dem Wintergetreide, ist aus Teilen Niedersachsens zu hören. Hier in Werdohl können die Landwirte noch keine Gefahren für ihre Saat ausmachen.

Christian Crone und Fritz Knoche zum Beispiel, die Getreideflächen bewirtschaften, sagen übereinstimmend, dass keine gravierenden Nachteile zu erwarten sind. Allerdings: Sollten die Temperaturen schlagartig auf deutliche Minusgrade fallen, ohne das die Pflanzen Zeit hätten, sich darauf einzustellen, sind Frostschäden nicht ausgeschlossen. Schnee könnte ebenfalls helfen, eine schützende Schicht zu bilden.

Christian Crone, der wie Dieter Noelle Forstflächen bewirtschaftet, ist mit Blick auf seinen Bestand geringfügig angespannter als Noelle. An den Sträuchern könne bereits der Laie erkennen, dass die ersten Knospen sprießen, während bei den Bäumen die Säfte beginnen zu fließen. Harter Frost könne den Pflanzen in dieser Situation natürlich zusetzen.

Ein weiteres Phänomen: Die der Sonne zugewandte Baumhälfte heizt sich aufgrund der ungewöhnlich intensiven Sonneneinstrahlung auf, während die Schattenseite relativ kalt bleibt. Die Folge können Spannungen sein, die im schlimmsten Fall zu einem Riss in der Rinde führen. Auf den ersten Blick nicht tragisch, die Risse bieten aber Angriffspunkte für Schädlinge oder Pilze. „Man lernt damit umzugehen. So wie wir Landwirte uns das Wetter wünschen, ist es meist ohnehin nicht“, sagt Christian Crone und schmunzelt.

Warme Winter haben noch einen anderen Nebeneffekt. Nicht nur die Bauern wissen, dass tiefere Temperaturen das Ungezieferaufkommen reduzieren. Mückenplagen im Sommer sind lästig, aber schaden nicht wirklich. Dem Getreide setzen jedoch zum Beispiel Schnecken zu. Und die Maulwürfe lieben die milde Witterung ebenfalls, weiß Crone zu berichten, dass die putzigen Säuger derzeit ungewöhnlich aktiv seien.

Während die Bevölkerung den Winter vielmehr mit Schnee und Eis in Verbindung bringt, hat die Temperatur für die Landwirte eine stärkere Bedeutung. Sie bringen in dieser Jahreszeit ihr so genanntes Wintergetreide aus. Weizen, Roggen, Gerste und Triticale, eine Züchtung aus Weizen und Roggen, gehören dazu. Fritz Knoche wechselt die Saat von Jahr zu Jahr und hat im Herbst Triticale gesät. Den nötigen Reiz, in diesem Fall eine entsprechend tiefe Temperatur, habe das Getreide bereits erhalten, weiß der Landwirt aus Ludemert.

Für gewisse Pflanzen mag die ungewöhnliche Witterung irritierend sein, sagt Christian Crone. Und wenn kein schützender Schnee auf den Felder liegt, kann plötzlicher Starkfrost das Getreide angreifen. Unterm Strich halten es aber die meisten heimischen Landwirte wie Dieter Noelle, der sich keine Sorgen macht.

Von Markus Jentzsch

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