Probleme mit Gästen an Hitzetagen

Mit der Temperatur steigt auch der Ärger im Freibad

+
Großer Andrang: Auch vor dem Freibad Friedrichstal in Neuenrade bildete sich wie in Werdohl am Samstagnachmittag eine lange Warteschlange.

Werdohl/Neuenrade – „Lächerlich!“, grollt die Frau, die am Samstagmittag gegen kurz vor 14 Uhr keinen Einlass ins Ütterlingser Freibad in Werdohl erhält, weil die Desinfektionspause ansteht.

„Diktatur!“, schiebt sie hinterher. Dann erklärt sie, an den beiden Tagen zuvor „von 10 bis 18 Uhr durchgängig im Freibad in Neuenrade“ gewesen zu sein. Dort werde nicht desinfiziert. 

Kerstin König, Rettungsschwimmerin und Aufsicht im Werdohler Freibad, verrät: „Nein, das war keineswegs eine Ausnahme. Das geht seit vier Tagen so – seit die Temperaturen so hoch sind. Die Leute schimpfen und werden ausfallend, und zwar die meisten.“ Schon taucht die nächste Frau auf, die sich beschwert. Sie hat erfahren, dass sie nun das Bad für eine Stunde verlassen muss. Dafür fehle ihr jedes Verständnis, erklärt sie. Um das wohl noch zu unterstreichen, macht sie mit der Hand vor ihren Augen noch die Bewegung eines Scheibenwischers. Sie spricht von „Willkür“. Und dann erzählt auch sie, dass sie in Neuenrade nicht zwischendurch das Bad habe verlassen müssen. 

Mit der Sonne schwindet die Disziplin

Doch auch sie muss sich an die Corona-Schutzbestimmungen halten, wie alle anderen auch. Bad-Aufsicht König erzählt: „Gestern hat mich ein türkischer Mann sogar als Nazi und Rassistin betitelt. Und auch die, die im Wasser sind, halten sich keineswegs an die Ansagen des Schwimmmeisters.“ Die Frühschwimmer würden sich noch benehmen. „Doch je weiter der Tag voranschreitet und je wärmer es wird...“, lässt sie ihren Satz unvollendet. Kommt die Sonne, schwindet die Disziplin, soll das wohl heißen. 

Haben kein Problem mit dem Schichtsystem im Werdohler Freibad: Sarah Kaja (links) und Jessica Backes (Dritte von rechts) mit ihren Kindern.

In der Zeit von 10 bis 14 Uhr war das Freibad in Ütterlingsen mit 160 Besuchern noch moderat gefüllt. Erst bei 250 wäre das maximal zulässige Kontingent ausgeschöpft. Frühschwimmer waren am Samstag 38 da. „Doch der meiste Andrang war in den vergangenen Tagen nachmittags. Da mussten wir nach jeweils 45 Minuten das Tor schließen, weil wir keine Kapazitäten mehr hatten“, berichtet König. 

In der Desinfektionspause zum Mittagessen

Gänzlich unkomplizierte Besucher waren hingegen Sarah Kaja, Jessica Backes und ihre Kinder. „Das Wasser und die Sonne haben uns angezogen“, berichten die beiden Mütter aus Ütterlingsen unisono. „Und die Kleinen treffen hier ihre Freunde aus dem Kindergarten“, schiebt eine von ihnen hinterher. 

„Wir gehen jetzt kurz für eine Stunde zum Essen nach Hause, wir haben es ja nicht weit, und dann sind wir wieder hier“, sagt Backes. Und sie fragt ihre beiden Jungen, was sie davon halten. Beide strahlen und nicken begeistert. „Wir sind glücklich, so etwas gegen die Hitze unternehmen zu können.“ König und ihre Kollegen wünschen sich dieser Tage wohl mehr solcher Kunden. 

Auch in Neuenrade im Schichtbetrieb

Claudia Bösterling, Schwimmmeisterin im Freibad Friedrichstal in Neuenrade, lacht laut auf. Sie kann gar nicht glauben, dass in Werdohl angebliche Kunden ihres Bades berichten, dass sie keine vierstündigen Besuchsphasen hätten. Tatsächlich habe sie keinerlei Probleme mit den Badegästen. „Es ist keiner da, der sich nicht benimmt, keiner wird frech – heute nicht und auch nicht in den Vortagen“, zeigt sie sich erleichtert. 

Abkühlung gegen die Hitze: Heike (links) und Tilo Lohr mit Enkelin Maylin sowie Elke Sendatzki-Spitzer (rechts) waren zuletzt regelmäßige Gäste im Neuenrader Freibad.

Das sieht auch Heike Lohr so. „Ich hatte erst Bedenken, da ich auch zur Risikogruppe gehöre“, erklärt die Oma der dreijährigen Maylin. „Aber die Leute hier sind vorbildlich und ruhig. Alle halten sich an die Corona-Abstände.“ Tilo Lohr, der Opa von Maylin, sowie ihre Tante Elke Sendatzki-Spitzer nicken bei diesen Worten und pflichten Heike Lohr bei. 

Lange Schlange um das Freibadgelände herum

Und so würden sie „wieder die vollen vier Stunden hier bleiben, so wie auch gestern schon, um das Superwetter auszunutzen“, erklärt Tilo Lohr. „Am Freitag waren wir die Letzten im Wasser, so sehr haben wir und unsere Enkelin das hier genossen.“ Seine Gattin verrät: „Wir sind auch schon um 13 Uhr hier gewesen, um nach der Pause um 14 Uhr zu den Ersten zu gehören, die ins Bad reinkönnen.“ 

Das war sicherlich keine schlechte Idee, denn um 13.50 Uhr zieht sich die Schlange der wartenden Badewilligen vor dem Freibad schon ums Gebäude herum, geht über den angrenzenden Parkplatz und setzt sich danach noch einige Meter fort. Doch: Dort meckert keiner, es wird nicht einmal gequengelt. Die Neuenrader Wasserratten sind augenscheinlich alle geduldig. 

Besucherzahl reduziert

Dass es aber auch in der Hönnestadt zuletzt Probleme gegeben hat, berichtete erst am Freitag Stadtkämmerer Gerhard Schumacher, in Neuenrade auch für das Freibad verantwortlich. So seien längst nicht überall auf dem Freibadgelände die Corona-Abstandsregeln eingehalten worden. „Unser Personal hat beobachtet, dass vor allem im Kinderbecken und im Nichtschwimmer-Bereich die Abstände nicht eingehalten werden und die dort Badenden auch nur schwer dazu zu bewegen sind“, sagte Schumacher im Gespräch mit der Redaktion. Weil auch Durchsagen nichts gebracht hätten, reduzierte die Stadt die maximal mögliche Besucherzahl je Schicht ab Freitag pünktlich vor dem Hitzewochenende von 500 auf nur noch 300

Sie sorgen zusammen mit ihren Kollegen für Ordnung und Sicherheit im Neuenrader Freibad: Claudia Bösterling und Sarah Amrhein (links).

„Wenn das Nichtschwimmerbecken zu voll ist, wem sagen Sie dann, dass er das Wasser mit seinem Kleinkind verlassen muss?“, erklärt auch Bösterling die Maßnahme. Am Donnerstagnachmittag „waren hier knapp 400 Gäste gleichzeitig“, erinnert sich Bösterling an den bisherigen Rekord dieses Corona-Sommers. „Dann Leute aus dem Kleinkindbecken rauszuschicken, das sind Sachen, die kann man einfach nicht regeln“, sagt sie. Am Samstag verzeichnet das Bad von 9 bis 13 Uhr 280 Gäste, war also deutlich leerer. 

Deutlich angenehmeres Arbeiten

Für Bösterling und ihre Kollegen ein deutlich angenehmeres Arbeiten, wie auch bereits die Erfahrung vom Freitag gezeigt habe:. „Auch die Gäste kamen auf uns zu und sagten, dass das jetzt viel angenehmer war. Sie fühlen sich wohler, wenn die Menschen sie nicht mehr so bedrängen“, habe sie auch Gesprächen mit Bad-Besuchern erfahren. 

Zwar werde das Becken automatisch und fortlaufend mit kühlenden Frischwasser nachgefüllt, erklärt Bösterling, „doch die Wassertemperatur liegt derzeit bei 27 Grad“. Das Thermometer in ihrem Büro zeigt eine Außentemperatur von 35 Grad an. „Wenn es nötig ist, geben wir gegebenenfalls noch einmal von Hand kühleres Frischwasser dazu“, so Claudia Bösterling.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare