Kampf gegen den Tröster, der trostlos macht

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Viele Gäste, unter anderem Bürgermeister Siegfried Griebsch (Mitte) nahmen gestern an der Einweihungsfeier teil.

Werdohl - Gemeinsam mit ihren Klienten nach neuen Wegen suchen – im besten Fall auch aus der Abhängigkeit von Alkohol, Drogen, Medikamenten oder Spielsucht – das hat sich das Team des Ambulant Betreuten Wohnens des Blauen Kreuzes auf die Fahne geschrieben. Künftig wird Bärbel Tometten, Oliver Ahrendt und Alice Witte die Arbeit in Werdohl etwas erleichtert: Seit Montag verfügen die Mitarbeiter über ein Büro an der Bahnhofstraße 5.

Zur Einweihung waren viele Vertreter der zahlreichen Kooperationspartner gekommen, unter anderem Mitarbeiter der Stadt Werdohl, darunter Bürgermeister Siegfried Griebsch. Frank Abraham vom Blaukreuz-Zentrum Märkischer Kreis freute sich über ein volles Haus: „Jede soziale Arbeit lebt davon, dass man sich trifft.“

Er betonte, dass die Organisation Blaues Kreuz aus der Selbsthilfe heraus entstanden sei. „In Selbsthilfegruppen finden Suchtkranke Halt.“ Die Mitarbeiter des Ambulant Betreuten Wohnens besuchen suchtkranke Menschen regelmäßig zuhause und unterstützen sie in ihrem Alltag: beispielsweise bei der Bewältigung ihrer Suchtkrankheit, bei Ämter- oder Artzterminen, bei beruflichen Angelegenheiten oder bei Problemen mit Freunden oder der Familie.

Das sei auch weiterhin der Schwerpunkt der Arbeit, betonte Diplom-Heilpädagogin Bärbel Tometten: „Viel Büroarbeit müssen wir nicht leisten.“ Für die Mitarbeiter sei es aber dennoch angenehm, jetzt eine eigene Anlaufstelle zu haben. Schon alleine, um auf die Schnelle Kopien anzufertigen oder etwas ausdrucken zu können, stellt Tometten fest. Natürlich könnten die Räume an der Bahnhofstraße nun auch als Alternativtreffpunkt mit Klienten genutzt werden.

Eindrucksvoll beschrieb sie, was eine Alkoholerkrankung überhaupt bedeutet. Tometten stellte heraus, dass Alkohol gleichgültig macht, wies auf die gesundheitlichen Schäden hin, die durch diese Suchterkrankung entstehen und vergaß auch die sozialen Probleme nicht: „Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel: es löst Familien, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Leber- und Gehirnzellen auf. Es löst nur keine Probleme.“ Alkohol sei letztlich ein Tröster, der trostlos macht und den Menschen letztlich auch noch die Lebensfreiheit raubt.

Sie verglich das Auf und Ab im Leben eines suchtkranken Menschen und seine Bemühungen, der Sucht den Rücken zu kehren, mit einem Segelschiff, das seine Fahrt mal in ruhigen Gewässern, dann aber auch bei stürmischer See fortsetzen muss. Die Diplom-Heilpädagogin erklärte, wie wichtig die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Stellen sei. In diesem Zusammenhang nannte sie unter anderem das Jobcenter, Ärzte und Krankenhäuser, Rettungs- und Pflegedienste, die Drogenberatungsstelle, Suchtkliniken, Selbsthilfegruppen, den sozialpsychiatrischen Dienst sowie diverse Ämter.

Abschließend sagte Tometten: „Und doch: So stark die Mannschaft und das Boot auch sind, es wird immer wieder von Sturm bedroht.“ Sie zitierte eine Stelle aus der Volksbibel, die beschreibt, wie Jesus Christus einen Sturm mit Worten bändigt und betonte: „So wollen auch wir nicht aufhören zu beten und zu vertrauen, dass Gott Wellen und Wind besiegt.“ -  von Carla Witt

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