Tauziehen ums JZ Pungelscheid

Die Jugendlichen fühlen sich in ihrem Jugendraum in Pungelscheid wohl, hieß es im Rahmen der Ratssitzung.

WERDOHL -   Die diskussionslose Abstimmung im Rat über den von der Verwaltung vorgeschlagenen Umzug des Jugendraumes Pungelscheid in die ehemalige Schlecker-Filiale hat eine lange Vorgeschichte. Nicht öffentlich waren im Jugendhilfeausschuss schon alle Argumente ausgetauscht worden.

Am 8. Oktober hatten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses (JHA) die Vorlage der Verwaltung schon einmal auf der Tagesordnung. Allerdings im nicht öffentlichen Teil, weil es auch um Vertragsangelegenheiten mit der Awo und der Wohnungsgesellschaft ging. Schon damals zeichnete sich das am Montag erzielte Abstimmungsergebnis ab: CDU und WBG waren vor allen aus finanziellen Gründen im Bezug auf das Sparkonzept gegen einen Umzug, SPD und FDP befürworteten ihn. Durch eine Abstimmungspanne (ein Ratsherr hatte sich versehentlich falsch entschieden) kam es im JHA zu einem anderslautenden Ergebnis. Politiker und Verwaltung kamen so überein, keine Tatsachen zu schaffen und die Vorlage in der nächsten Sitzung noch einmal zur Abstimmung zu präsentieren. So gelangte die – in einigen Teilen veränderte – Vorlage auf die Tagesordnung der Ratssitzung am Montag. Zum Erstaunen einiger Politiker sollte das Thema nun doch öffentlich diskutiert werden.

CDU und WBG hatten am Montag keine Lust mehr auf eine Diskussion, was vielleicht auch dem Umstand geschuldet war, dass schon fünf Stunden Sitzungszeit erreicht und mancher Nerv reichlich strapaziert war. Die Argumente von CDU und WBG aber seien dieselben gewesen wie in der nicht öffentlichen Sitzung Anfang Oktober. Zwei CDU-Ratsfrauen hatten den Jugendkeller im Awo-Haus besucht und mit den Jugendlichen gesprochen. Stefan Ohrmann am Montag in der Sitzung: „Wir haben den Eindruck, dass sich die Jugendlichen dort sehr wohl fühlen.“ Angesichts der Tatsache, dass aus Kosten- und Einspargründen der Jugendraum Eveking geschlossen worden sei, könne man an dieser Stelle nicht eine Verbesserung der an sich guten räumlichen Situation herbeiführen wollen. Das sei nicht gerecht, zumal die Jugendlichen an ihrem bisherigen Standort zufrieden seien.

CDU-Ratsherr Frank Jardzejewski hatte der Verwaltung vorgerechnet – und SPD und FDP entgegen gehalten – dass man durch die Aufwertung der Jugendarbeit in Pungelscheid 70 000 Euro Mehrkosten produzieren würde. Das sei im Rahmen des Solidarpaktes Stadtfinanzen nicht zu rechtfertigen.

Fast fünf Stunden hatte Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste im Zuschauerraum ausgeharrt, um zu diesem Tagesordnungspunkt angehört zu werden. Darum hatte Bürgermeister Griebsch den Rat gebeten, als die Vorlage diskutiert werden sollte. Doch schon diese Anfrage blockten CDU und WBG ab: Man habe genügend Informationen und brauche Wöste als Vermieter des ehemaligen Schlecker-Ladenlokals nicht mehr anhören. SPD-Mann Cornelius Böttcher warf ein, der jetzige Jugendtreff sei „ein sanierungsbedürftiger Kellerraum“. Jugend-Fachbereichsleiter Bodo Schmidt sprach von einer neuen Entwicklung bei der Awo, die den Raum vermutlich bald im Rahmen des geplanten U3-Ausbaus benötigen werde. Unberücksichtigt blieben die Interessen der Woge-Mieter in dem Komplex, in dem der Jugendtreff hätte einziehen sollen.

Vielleicht wird ein neuer Rat mit anderen Mehrheitsverhältnissen 2014 darüber neu entscheiden.

Von Volker Heyn

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