Lebensretter an der Zimmerdecke werden Pflicht

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Ein Rauchmelder ist schnell montiert und kann über Jahre Leben retten.

Werdohl - Mit Beginn nächsten Jahres werden Rauchmelder gemäß Landesbauordnung Pflicht. Deshalb haben Piotr Szulc und Piotr Wojciechowski seit mittlerweile zwei Jahren tagtäglich damit zu tun - auch in Werdohl.

Die beiden bauen im Auftrag des friesischen Montagedienstes Mario Calasso aus Varel die potenziellen Lebensretter mit einem Durchmesser von rund zehn und einer Höhe von etwa fünfeinhalb Zentimeter beinahe im Akkord ein: Sie betreten eine Wohnung und kaum fünf Minuten später sind dort vier Rauchmelder installiert: im Wohnungsflur, im Kinder-, Schlaf- und Wohnzimmer.

In Werdohl waren die beiden Polen im Auftrag der Wohnungsgesellschaft Grand City Property unterwegs. Die funkgesteuerten Rauchmelder kosten laut Szulc „inklusive Einbau, monatlicher Funk-Überprüfung und Wartung pro Wohnung 25 bis 30 Euro“. Szulcs Arbeitgeber wie auch die Wohnungsgesellschaft bestätigen die Preisangabe nicht, dementieren sie aber auch nicht. „Rund 1000 Rauchmelder montieren wir in der Woche“, berichtet Szulcs von seinen Erfahrung, während sein Kollege flugs den nächsten an eine Zimmerdecke schraubt.

In Küchen und Badezimmer setzt das Zweier-Team keine der Lebensretter. Dort würden Duschwasser-Dampf und Kochschwaden zu häufig für Fehlalarme sorgen. Bis ins kommende Jahr hinein haben die beiden Piotrs noch „fast im gesamten Bundesgebiet“ mit ihrer Arbeit zu tun.

Freiwillig mehr Geräte

Katrin Peterson von der Grand City Property weist darauf hin: „Gesetzlich vorgeschrieben sind die Rauchmelder ab 2017 nur für Wohnungsflure, Kinder- und Schlafzimmer. Wir haben uns entschieden, freiwillig auch die Wohnzimmer mit Rauchmeldern auszustatten, denn sie haben einen präventiven und damit wichtigen Nutzen.“

Ähnlich sieht das Ingo Wöste von der Werdohler Wohnungsgesellschaft (Woge). Er weiß: „Jedes Jahr sterben immer noch rund 400 Menschen durch Brände – die meisten in ihren eigenen vier Wänden, mehr als 70 Prozent von ihnen nachts, denn Rauch und giftige Gase lassen Schlafende in eine tiefe Bewusstlosigkeit fallen.“ Und die Rauchmelder in den Woge-Wohnungen, die bereits vor sechs Jahren installiert wurden, haben sich bereits bewährt.

Wöste erinnert sich: „Am 2. November 2010 brannte eine Wohnung in einem Hochhaus an der Ütterlingser Straße. Der Rauchmelder schlug an, ein Mieter der Nachbarwohnung rief die Feuerwehr. Diese konnte den Brand im Keim ersticken.“ Der Mieter der betroffenen Wohnung war beim Zubereiten einer Mahlzeit eingeschlafen.

25 Euro pro Wohnung und Jahr

Wöste bilanziert: „Insgesamt wurden in unseren 1410 Wohnungen 5000 Rauchmelder eingebaut.“ Im Schnitt seien das dreieinhalb pro Wohnung. „Pro Wohnung kostet uns das 25 Euro im Jahr“, verrät Wöste, „das sollte uns die Sicherheit auch wert sein.

Ähnlich sieht das Stadtbrandinspektor Manfred Theile. Er vertraut seinen Rauchmeldern bereits „seit Jahrzehnten“. Der Grund ist einfach: „Die Sinne sind im Schlaf nicht geschärft. Ich schlafe nun einmal nicht mit offenen Augen.“ Und Theile weiß: „Die Dinger sind klein, nicht ganz so teuer und sie passen auf das Wertvollste auf, was wir haben: das Leben. Wir haben ja sowieso nur ein kleines Zeitfenster auf dieser Erde.“ Deshalb lautet sein Fazit: „Ich würde nur ungern auf meine Rauchmelder verzichten.“ Für den Stadtbrandinspektor sind diese „ein Früherkennungssystem“. Denn auch beruflich hat er schon beobachtet: „Wenn ein Brand oder eine Rauchentwicklung nicht früh genug erkannt wird, ist dem Menschen die Rückzugsmöglichkeit abgeschnitten.“

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