Tag des Ehrenamtes

Großer Zusammenhalt von Ehrenamtlichen

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Klaus und Ella Schweitzer sind beide ehrenamtlich beim DRK tätig. Er ist im Bereitschaftsdienst aktiv, sie kümmerte sich jahrelang um die Verpflegung und jetzt um die Blutspenden.

Werdohl - Oft haben vor allem kleine Vereine und Organisationen Probleme, neue ehrenamtliche Helfer zu finden. Trotzdem gibt es in Werdohl zahlreiche Einzelpersonen, Gruppen und Vereine, die ehrenamtlich tätig sind. Zum heutigen „Tag des Ehrenamtes“ stellt der SV beispielhaft für die vielen Einrichtungen das DRK, das Blaue Kreuz, die Tafel und den SoVD vor sowie die Menschen, die dahinter stehen. So erfahren die Bürger von einigen Möglichkeiten, sich in ihrer Stadt zu engagieren.

Ulrike Schiller ist seit der Gründung der Tafel in Werdohl ehrenamtlich dort aktiv. Zuvor hat sie sich jahrelang in Sportvereinen engagiert. Ihr liegen die Belange ihrer Mitmenschen am Herzen, denn Schiller hat sich schon zu Schulzeiten als Klassensprecherin eingesetzt. „Ich helfe gerne anderen“, sagt die Werdohlerin. Als Leiterin der Tafel sei es so, als führe man ein „kleines Unternehmen“. Es gehe nicht nur um den Umgang mit den Menschen, die Hilfe in Anspruch nehmen, sondern auch um die Mitarbeiter. Sie bemühe sich, dass alle zufrieden sind – auch ihre Familie, die komplett hinter ihr stehe. 

Die Werdohler Tafel hat zwischen 25 und 30 Mitarbeiter und steht in enger Absprache mit den Plettenberger und Attendorner Kollegen. Schiller habe ein „eingespieltes Team“ um sich und sei froh über den guten Zusammenhalt. Die Ehrenamtler sind jeden vierten Donnerstag im Monat im Einsatz. Sie stehen an der Ausgabe, sind in der Küche eingeteilt und müssen Gemüse putzen. Es gibt zwei Bürokräfte, jeweils eine Person an den Türen, Fahrer und zwei Freiwillige beim Kaffeedienst. Derzeit haben 147 Personen und Familien Ausweise, um die Lebensmittel-Hilfe der Tafel in Anspruch zu nehmen.

Die Tafel

Die Plettenberger Tafel, Ausgabestelle Werdohl, sammelt überschüssige oder nicht mehr verkaufbare, aber noch vollwertige Lebensmittel und verteilt diese an Bedürftige. Die Helfer holen die Lebensmittel von den Spendern ab, sortieren, packen sie ein und verteilen sie. Die Tafel ist an jedem vierten Donnerstag im Monat von 13.45 bis 16 Uhr am Kirchenpfad 1 in Werdohl für die Bedürftigen da. Der Kostenbeitrag liegt bei einem Euro pro Haushalt. Lebensmittelspenden werden am Vortag und am Tag der Tafelausgabe von 10 bis 13 Uhr angenommen. 

www.evangelisch-im-sauerland.de

Neugier aufs Ehrenamt 

Klaus Schweitzer ist seit 38 Jahren ehrenamtlich für das DRK im Einsatz. Seine Frau Ella war neugierig und wollte irgendwann nicht mehr alleine zu Hause sitzen. Also begleitete sie ihren Mann eines Tages, berichtet die Werdohlerin, wie sie vor 22 Jahren ein Ehrenamt übernommen hat. Und dann haben sie „alle mit ins Boot geholt“, denn damals waren auch die Kinder und Enkel ehrenamtlich tätig. Für die Schweitzers ist besonders der Zusammenhalt in der gesamten DRK-Gruppe und der gute Kontakt zu den anderen Ortsvereinen wichtig. „Wir sind ein fest eingespieltes Team. Man kennt sich und wir können uns aufeinander verlassen“, erläutert Klaus Schweitzer. 

Jeder aus dem Bereitschaftsdienst hat einen Funkmelder. Sobald dieser Alarm schlägt, treffen sich alle Einsatzkräfte an der Dammstraße. „Wer nicht kann, meldet sich über unsere Whatsapp-Gruppe ab“, sagt der stellvertretende Rotkreuzleiter. Ein Hilfsgütertransport nach Kroatien in den 1980er-Jahren sei ein Höhepunkt in seiner Ehrenamts-Laufbahn gewesen. Zu den Aufgaben von Ella Schweitzer gehört neben dem Verpflegungstrupp seit zwei Jahren auch das Organisieren der Blutspenden. Beiden mache die Arbeit beim DRK noch immer sehr viel Spaß. Dennoch wollen sie bald etwas „ruhiger werden“, sagen sie. Das DRK sucht immer nach freiwilligen Helfern. Nähere Infos dazu finden Interessierte auch auf der DRK-Homepage. 

DRK

Das Deutsche Rote Kreuz ist Teil einer weltweiten Gemeinschaft in der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, die Opfern von Konflikten und Katastrophen hilft. Das DRK handelt nach den Grundsätzen Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität, die von der XX. Internationalen Rotkreuzkonferenz 1965 in Wien proklamiert wurden. Zum Ortsverein Werdohl gehören unter anderem der Sanitätsdienst, der Blutspendedienst, Behindertenhilfe, Ertse-Hilfe-Kurse und ein Bereitschaftsdienst. 

www.drk-werdohl.de

Erst sich selbst, dann anderen helfen

Auch das Blaue Kreuz in Werdohl ist ständig auf der Suche nach Freiwilligen. Bestimmte Voraussetzungen gebe es nicht, auch Erfahrungen sind nicht nötig. Derzeit sind acht Ehrenamtliche beim Blauen Kreuz tätig, darunter auch Diethelm Eilers. Der heutige Blaukreuzleiter engagiert sich schon seit seiner Jugend ehrenamtlich. Als er dann 1996 selbst eine Therapie machte, entschied er sich zwei Jahre später dazu, auch anderen helfen zu wollen – und sich selbst.

Olaf Kircher (links), Christiane Elhaus und Diethelm Eilers sind die Ansprechpartner des Blauen Kreuzes, Ortsverein Werdohl, und drei von insgesamt acht Ehrenamtlichen.

Denn man müsse auch nach der Therapie weiterhin an das Thema erinnert werden, berichtet Eilers. Und so könnten auch andere von seinen eigenen Erfahrungen profitieren. 40 Prozent aller Suchtkranken würden rückfällig. Denn „je mehr man sich vom Thema distanziert, desto näher kommt man dem Rückfall“, sagt Eilers. 
 
Das Angebot des Blauen Kreuzes ist freiwillig, niemand werde gezwungen, regelmäßig an den Gesprächsrunden teilzunehmen. Doch etwa die Hälfte käme regelmäßig und schon seit Jahren zu den Treffen. Für viele ist es eine Art Heimat, sie haben Freunde gefunden, sagt Eilers. Und oft könne eine Therapie, mit einer Lösung in Sicht, eine Befreiung sein.

Blaues Kreuz

Das Blaue Kreuz ist eine Selbsthilfegruppe für alkohol- und medikamentenabhängige sowie für spielsüchtige Menschen. Die Gruppenleiter sind ausgebildete ehrenamtliche Suchtkrankenhelfer. Es könne auch Kontakt zu anerkannten Beratungsstellen hergestellt werden. Das Blaue Kreuz unterstützt zudem bei der Beantragung von ambulanten und stationären Therapien. Die Begegnungsgruppe trifft sich jeden Dienstag im Gemeindehaus der Christuskirche von 18 bis 19.30 Uhr. Auch Angehörige und Interessierte können an den Treffen teilnehmen.

www.blaueskreuz-werdohl.de

Spaß im Ehrenamt statt einer ruhigen Rente

Sieglinde Mycer ist seit 2014 die 1. Vorsitzende des Kreisverbands  Märkischer Kreis des Sozialverbands Deutschlands. Gleichzeitig leitet sie den Ortsverband Werdohl, einer von elf im Märkischen Kreis. Im März wurde sie, ebenso wie das restliche siebenköpfige Vorstandsteam, wiedergewählt. 

Angefangen hat ihr Werdegang beim SoVD Ende der 1990er-Jahre, als sie frühzeitig mit 53 Jahren in Rente gehen musste. Die gelernte Altenpflegerin suchte beim Sozialverband, damals noch an der Danziger Straße, Hilfe. Seitdem ist sie dort Mitglied. Bereits zwei Jahre später wurde sie gefragt, im Vorstand mitzuarbeiten. Man habe sie damals mit der Aussage überzeugt, der Werdohler Ortsverband müsse aufgrund mangelnder Vorstandsmitglieder nach Neuenrade ziehen, berichtete Mycer. Das wollte sie nicht zulassen und stimmte zu, den Vorstand zu unterstützen. Durch ihren Beruf brachte sie auch eine Menge Vorwissen mit. Etwa 2003, erzählte Mycer weiter, habe sie dann den Vorstand übernommen. Seit 2012 ist sie zudem Vorstandsmitglied des Kreisverbandes. Auch den leitet sie seit mittlerweile zweieinhalb Jahren. 

Der aktuelle Vorstand des SoVD, Ortsverein Werdohl, um Sieglinde Mycer.

Eine „ruhige Rente“ ist etwas anderes. Doch Mycer mache die Arbeit noch immer viel Spaß, auch wenn es täglich eine Menge zu tun und zu organisieren gebe. Doch der Grund, warum Mycer noch immer ehrenamtlich tätig ist, seien die Mitglieder. „Wir versuchen zu helfen“, sagte sie. Die rund 370 Werdohler Mitglieder hätten Vertrauen in sie und ihr Team und sie könnten sich auf sie verlassen. Das könne sie nicht einfach hinter sich lassen, zumal es immer schwerer werde, Nachfolger für ein Amt im Vorstand des Orts- oder Kreisverbandes zu finden. Auch der SoVD habe Probleme, wie viele andere Vereine auch, geeigneten Nachwuchs zu finden. Ihren Hobbys Reisen und gärtnern kann sie so nur gelegentlich nachkommen.

Mycer hat hingegen ihre gesamte Familie in das Ehrenamt eingespannt, anders würde es gar nicht gehen, sagte sie. Ihre Töchter sind ebenfalls im Werdohler Ortsvereinsvorstand engagiert und der Enkel helfe schon mal bei Aufbauarbeiten für Weihnachtsfeiern mit. Die letzte Veranstaltung in diesem Jahr ist das Bingospielen am 14. Dezember.

SoVD, ehemals Reichsbund

1917 wurde der Reichsbund zunächst als Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten in Berlin gegründet. Der heutige Sozialverband Deutschland verstand sich als demokratischer und fortschrittlich-sozialer Interessenverband. Erstmals wurde in einem Krieg die Beschädigung mit ihren wirtschaftlichen und sozialen Folgen für die Betroffenen zum Massenschicksal. Der SoVD ist in Landes-, Kreis- und Ortsverbände eingeteilt. Werdohl ist einer von elf Ortsverbänden im Märkischen Kreis.

www.sovd-maerkischer-kreis.de

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