Drei Brüder prügeln 25-Jährigen nieder

Richter Dirk Reckschmidt verurteilte die drei prügelnden Brüder zu jeweils 750 Euro Schmerzensgeld.

WERDOHL ▪ Drei Kerle auf einen – das gilt im Allgemeinen als unfair. Insofern benahmen sich drei junge Werdohler unfein, als sie am 26. Dezember 2011 im Bahnhof Werdohl und anschließend in der Spielhalle einen 25-Jährigen mit Fäusten und Tritten verprügelten. Zeugen gab es an beiden Tatorten reichlich, und so erschienen am Dienstag im Amtsgericht Altena elf Beobachter des Geschehens, in dessen Verlauf das Opfer Blutergüsse, eine Gehirnerschütterung, eine Jochbeinprellung und starke Rückenbeschwerden erlitt.

Drei Tage sollte der 25-Jährige im Krankenhaus bleiben, doch schon nach zwei machte sich der junge Mann wieder auf den Weg: „Ich hatte ein, zwei Wochen zuvor eine neue Arbeitsstelle angetreten und wollte nicht zu lange fehlen.“ Die drei prügelnden Brüder im Alter von 27, 30 und 22 Jahren, die mit derartigen Ausrastern bisher nicht aufgefallen waren, bestritten die Vorwürfe zunächst: „Er hat mich mit der Faust geschlagen, und ich habe mich gewehrt“, gab der 27-Jährige dem Opfer die Schuld und pries seine bisher unbescholtene Lebensweise: Ich bin 27 und noch nie negativ aufgefallen.“ Sein 22-jähriger Bruder trug bald darauf eine Argumentation vor, die nicht wirklich plausibel machte, dass die Drei etwa völlig unschuldig gewesen wären: „Wenn wir alle drei auf ihn losgegangen wären, wäre er drei Wochen ins Krankenhaus gekommen.“

Wenn junge Kerle sich prügeln, geht es meistens um eine Frau. So auch hier, allerdings drehte sich einiges um zwei Schwestern, wie sich nach und nach herausstellte: Die Brüder warfen dem Opfer vor, eine Frau fortgesetzt schlecht gemacht zu haben, mit der der 25-Jährige nur noch über ein gemeinsames Kind verbunden ist. Ihre Schwester ist mittlerweile mit einem der Brüder verheiratet – die angeblichen Beleidigungen trafen also auch irgendwie die drei Angeklagten. Die Schläge wurden durch diese Hintergrundinformationen geringfügig plausibler.

Als der Ton zwischen den drei Angeklagten und dem Opfer auch im Gerichtssaal rauer zu werden begann, kapitulierte Richter Dirk Reckschmidt vor seinen mangelnden Türkischkenntnissen. Und er setzte auf eine intensive Vermittlungsaktion, die nebenbei auch den elf Zeugen die Aussage ersparte. Im Ergebnis wurde das Verfahren gegen die Zahlung eines dreifachen Schmerzensgeldes vorläufig eingestellt. Jeder der Brüder muss 750 Euro an das Opfer zahlen. „Ich gehe davon aus, dass zwischen den Beteiligten fortan Ruhe herrscht. Und wenn man sich begegnet, dann geht man sich besser aus dem Weg.“ Tatsächlich kam es nach der Verkündung dieses gerichtlich verordneten Friedens zu einer versöhnlichen Szene: Der 27-jährige Angeklagte, der mit der Keilerei begonnen haben sollte, entschuldigte sich beim Opfer. Und der 25-Jährige akzeptierte die Entschuldigung unter einer Bedingung: „Wenn das von Herzen kommt…“ Dem Richter blieb kurz vor Weihnachten eine besondere Freude: „Dann ist der Rechtsfrieden ja halbwegs wieder hergestellt.“

Von Thomas Krumm

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare