Spezialist auf dem Fitness-Markt

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Sven Jochimczyk mit seiner Firma vibro x-pert verkauft gebrauchte und generalüberholte Powerplate-Geräte. Die Meinerzhagener Adresse auf dem Aufsteller ist längst nicht mehr aktuell, der gelernte Physiotherapeut betreibt sein Unternehmen seit Jahren in Werdohl, wo er auch lebt.

WERDOHL – Fit ist er in jeder Hinsicht, der 42-jährige Werdohler Sven Jochimczyk. Der Mann schöpft alle Kraft aus dem Sport und überträgt diese Erfahrungen auf seine Unternehmungen und sein Familienleben. Der ausgebildete Physiotherapeut Jochimczyk handelt mit gebrauchten Fitnessgeräten auf Vibrationsbasis der Marke Powerplate. Corona hat auch ihm zugesetzt, doch krisenerprobt arbeitet er sich wieder hoch.

Sein strahlend-weißes Lächeln, seine Dynamik, sein ganzer Auftritt zeigen, dass Jochimczyk sehr gut Kontakt machen und gewiss auch gut verkaufen kann. Erst Ende vergangenen Jahres ist der gebürtige Lüdenscheider von der ehemaligen Spielzeugfirma Jentzsch vom Eggenpfad in die Geschäftsräume von ehemals Klauke an der Lennestraße umgezogen. Mit seinen drei Kindern und seiner Frau wohnt er schon seit zehn Jahren in Pungelscheid. Seine Frau ist gebürtige Werdohlerin.

Freimütig erzählt Jochimczyk seine Lebensgeschichte, unterbrochen von einem Telefonat mit einem französischsprachigen Kunden. Der 42-Jährige ist Geschäftsführer seiner Firma vibro x-pert. Er kauft unter anderem Powerplates gebraucht in größerem Stil, arbeitet sie inklusive Lackierung und Generalüberholung wieder auf und verkauft sie weiter. Sobald die Geräte vom Hersteller nach Europa eingeführt worden sind, besteht markenrechtlich kein Problem mehr mit der Weitervermarktung.

Ausbildung zum Physiotherapeuten

Jochimczyk war aber nicht von Anfang an Verkäufer. Er machte eine Ausbildung zum Physiotherapeuten und stellte fest, dass er in dem Beruf nicht dauerhaft arbeiten wollte. „Die Leute kamen trotz Physiotherapie nicht aus dem Schmerz heraus.“ Als ehemaliger Rad-Amateur mit rund 100 Rennen hatte er genügend eigene Schmerz-Erfahrungen gemacht, er sah seinen beruflichen Leitgedanken in der Prävention, der Vorbeugung, und nicht in der nachträglichen Behandlung.

Jochimczyk wollte Menschen helfen, sich in kurzer Zeit möglichst viel zu bewegen. Zwei kurze Ganzkörper-Trainingseinheiten pro Woche sollten für ausreichend Bewegung und Fitnesserhalt sorgen. Mit diesem Konzept namens „Energiesystem“ machte er sich 2003 selbstständig. Eineinhalb Jahre schrieb er an einem Konzept, mit zwanzig Kunden und einem selbst zusammengestellten Fitness-Zirkel im Keller in Lüdenscheid baute er sein Unternehmen auf.

Sven Jochimczyk in seiner Werkstatt im ehemaligen Klauke-Gebäude an der Lennestraße. Der nötige Umbau nach dem Umzug Ende vergangenen Jahres ist noch nicht abgeschlossen.

„Ich war deutschlandweit einer der Ersten, die ein Micro-Fitnessstudio aufmachten.“ Die Sache lief erfolgreich, Jochimczyk zog mit 100 Abo-Kunden ins Kutscherhaus der Villa Berg. Der Lüdenscheider war da schon verheiratet, bald wollte er eine Familie gründen.

Um diesen Wunsch finanziell zu untermauern, vergrößerte er sein Unternehmen und hatte bald Studios in Lüdenscheid, Dortmund und Hagen. Jochimczyk stellte Trainer an und expandierte, 60 Stunden Arbeit die Woche gehörten dazu. Die eigene Fitness litt. 2008 wurden nach dem ersten Kind noch Zwillinge geboren, Familie und drei Fitnessstudios wuchsen dem Mann über den Kopf. „Ich traf eine Entscheidung und schloss alle Studios.“ Die Vibrationsgeräte verkaufte er und erkannte, aus dem Handel sein neues Geschäftsfeld zu machen.

2010 zog das Ehepaar nach  Pungelscheid ins eigene Haus, was auch als Unternehmenssitz diente. Die Kinder wurden größer, die Firma wuchs wieder. Jochimczyk ließ sich in der ehemaligen Spielwarenfirma Jentzsch am Eggenpfad nieder und expandierte. Als Höhepunkt war er Immobilieneigner, hatte zwölf Vollzeit-Mitarbeiter und verdoppelte jedes Jahr seinen Umsatz.

Schlecht beraten und vielleicht nicht aufmerksam genug wuchsen Steuerschulden. Und wieder ein radikaler Schnitt: Jochimczyk trennte sich von den Mitarbeitern, arbeitete im Eggenpfad nur noch als Untermieter und arbeitete fünf Jahre sechsstellige Steuerschulden ab.

Die Nordwand des Großglockner ist Jochimczyk schon aufgestiegen, Bergsteigen, Skitouren und Sportklettern sind seine neuesten sportlichen Herausforderungen. Als Jugendlicher fuhr er rund 100 Amateur-Radrennen, zuletzt für Olympia Dortmund.

Ende vergangenen Jahres startete er neu im Gebäude von ehemals Klauke. Ein treuer Mitarbeiter, seine Ehefrau und er selbst betreiben das Unternehmen. Noch ist allerhand umzubauen, aber Werkstatt und Büro sind voll betriebsbereit.

Corona: Leute trainieren zuhause

Dann kam Corona: Jochimczyk hatte Geräte in der Schweiz ausgeliefert und eine Skitour angehängt. „Der Bergführer sagte, dass die Hütte geschlossen sei und wir sofort absteigen müssten.“ Noch am Abend fuhr er nach Deutschland zurück.

Vier Wochen ohne Umsatz setzten ihm zu, aber er ist krisenerprobt. Weil die Fitnessstudios schließen mussten, konnte er eine Zeit lang nicht in diesen Markt verkaufen. Sehr viele Geräte verkauft er nun an private Haushalte inklusive Lieferservice und kontaktloser Übergabe. Das zahnweiße Lachen blitzt auf: „Der Verkauf funktioniert wieder gut. Mein Präventivgedanke zieht: Die Leute wollen sich jetzt zuhause fit halten.“

Als vorausschauender Unternehmer hat er sich natürlich Gedanken für die Zukunft gemacht: Ein paar klassische Fitness- und Kraftgeräte hat er sich schon zusammengekauft und in einem schönen Raum mit Industrie-Anmutung aufgestellt. Die Internet-Seite seiner ersten Firma „Energiesystem“ ist schließlich noch online.

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