SV-Boten sind bei Wind und Wetter unterwegs

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Jeden Morgen um 4 Uhr beginnt die Tour von Birgit Baureis.

WERDOHL - Wenn unsere Leser noch tief und fest schlafen, sind die SV-Boten bei jedem Wetter unterwegs. So kommt die Zeitung auf den Frühstückstisch:

Von Constanze Raidt

Als die Botin des Süderländer Volksfreunds, Birgit Baureis, morgens um halb vier auf den Werdohler Lidl-Parkplatz einbiegt, ist es noch stockdunkel und ganz still in der Stadt. Sie parkt ihren roten Kombi neben der Reihe mit den Einkaufswagen und greift sich eines der Pakete mit zusammengeschnürten Zeitungen, die unter dem Vordach des Supermarktes liegen.

 „Normalerweise bin ich um vier Uhr an der Abladestelle“, sagt Birgit Baureis. „Damit bin ich eine der spätesten, dann sind die anderen Boten schon weg.“

30 Ausgaben des SV bringt sie jeden Tag zu den Abonnenten unserer Zeitung, etwa eine Stunde dauert ihre Tour. Ohne das Auto geht es nicht, denn manche Haushalte ihrer Route liegen weit draußen zwischen Werdohl und Neuenrade. „Im Winter komme ich hier nicht hoch, das ist zu riskant“, erzählt die Botin, als sie in eine besonders steile Auffahrt einbiegt. „Dann lasse ich die Zeitung unten beim Nachbarn.“

Birgit Baureis arbeitet seit sechs Jahren als Zustellerin für den Süderländer Volksfreund. Ihr Mann sorgte schon vor 20 Jahren dafür, dass die Zeitung jeden Morgen pünktlich zum Frühstück bei den Lesern auf dem Küchentisch lag.

Den Boten-Job hatte er lange zusätzlich zu seiner hauptberuflichen Tätigkeit ausgeübt. Am Wochenende half Birgit Baureis die Zeitungen auszutragen und übernahm die Arbeit, als ihrem Mann die Doppelbelastung zu anstrengend wurde. Insgesamt 55 Zusteller bringen den Süderländer täglich in die Haushalte. An den unterbrochenen Schlafrhythmus hat sich die 50-Jährige im Laufe der Zeit gewöhnt: „Ich lege mich zuhause wieder hin und schlafe tief und fest“, sagt sie. „Sonst ginge das auch nicht.“ Zwei Mal pro Woche muss sie aber durchhalten und wach bleiben: Dann geht es für sie direkt weiter zu ihrem zweiten Job als Haushaltshilfe. Wenn es geschneit hat, braucht die 50-Jährige etwa eine halbe Stunde länger für ihre Runde: „Man kann ja bei jedem Schritt ins Rutschen kommen, da muss ich aufpassen.“ Dann bricht sie früher auf, denn um viertel nach fünf braucht ihr Mann das Auto, um nach Lüdenscheid zur Arbeit zu fahren.

Manchmal muss die Botin ihre Runde auch ganz absagen, wenn die Räumfahrzeuge noch nicht unterwegs waren und die Straßen einfach nicht passierbar sind. „Einmal bin ich mit dem Auto im Schnee stecken geblieben“, erzählt Birgit Baureis. „Da musste ich zwei Stunden mit einer Decke im Wagen warten, bis der ADAC mich rausziehen konnte.“

Auch jetzt zum Herbstanfang ist es schon sehr kühl: Neun Grad Außentemperatur zeigt das Display im Armaturenbrett an, die Luft ist feucht und diesig und von den Bäumen tropft der Tau. Nicht überall reicht das Licht der Straßenlaternen aus, um den Weg von der Straße zum Haus zu beleuchten. Manchmal springt ein Bewegungsmelder an, wenn Birgit Baureis zum Briefkasten geht. Für die ganz dunklen Wege hat sie eine Taschenlampe dabei. In der anderen Jackentasche trägt die 50-Jährige immer eine Dose mit Pfefferspray. „Das gibt einem eine gewisse Sicherheit“, sagt sie. Birgit Baureis hat einen guten Grund, vorsichtig zu sein: „Einer zeigte sich mir zwei, drei Mal nackt, als ich die Zeitung bringen wollte“, erinnert sich die Botin an die für sie unangenehme Begegnung. Erst nachdem ihr Mann sie einmal begleitet hatte, tauchte der Exhibitionist nicht mehr auf.

Vor einer Sackgasse parkt Birgit Baureis ihr Auto und beliefert die Häuser zu Fuß. Konzentriert zählt sie die Ausgaben ab, die sie für diesen Abschnitt braucht. Viele Wohnhäuser auf ihrer Tour liegen am Hang und haben lange Treppen zu den Haustüren und Briefkästen. Etwa 600 Stufen sind es pro Tour, hat ihr Mann einmal gezählt. „Mir macht das nichts mehr aus, das ist alles eine Frage der Gewöhnung“, findet die Botin. „Aber Vertretungen haben sich schonmal beschwert.“

Doch besonders in der dunklen Jahreszeit hat ihr Job auch eine sehr schöne Seite: „Kurz vor oder nach Heiligabend liegen oft kleine Überraschungen mit einem Weihnachtskärtchen am Briefkasten“, erzählt Birgit Baureis. Neben Geld warteten auch schonmal Schokolade oder eine Flasche Wein auf die Botin. „Es freut mich, wenn die Kunden meine Arbeit zu schätzen wissen.“

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