Schlaglichter der SV-Geschichte: Am 1. Oktober 1887 fing alles an

Klaus Flug (rechts, hier beim Jahresempfang der Standortpresse Ende der 70er Jahre) mit Bundeskanzler Helmut Schmidt.

WERDOHL - Als der aus Siegen stammende Buchdrucker Ludwig Flug am 1. Oktober im Jahre 1887 den Süderländer Volksfreund gründete, war Werdohl noch ein Dorf mit 5000 Einwohnern, das von den Nachbarn aus Neuenrade verwaltet wurde.

Die einmal wöchentlich in Werdohl und Neuenrade erscheinende Zeitung kam zunächst in Siegen-Weidenau aus der Druckmaschine. In der dortigen Druckerei war Flug zwei Jahre zuvor als Teilhaber tätig gewesen.

Wenige Tage nachdem die erste Ausgabe des Süderländers erschienen war, ließ Flug die erste Druckmaschine im Verlagsgebäude an der ehemaligen Kaiserstraße in Werdohl aufbauen. Schon bald wurden die Räume allerdings zu klein, so dass der Betrieb in die Neustadt zog.

Weitere Umzüge folgten, bevor Flug den Unternehmenssitz am 30. April 1895 an die Friedenstraße verlegte. Nun erschien der Süderländer – der Name leitet sich übrigens von der historischen Bezeichnung für den südlichen Teil der alten Grafschaft Mark ab – drei Mal in der Woche: montags, mittwochs und freitags.

Flug hatte zuvor den Betrieb modernisiert. Die Elektrizität hatte Einzug gehalten und Hilfsmaschinen sorgten für eine größere Leistungsfähigkeit der Druckerei. Ab dem Jahre 1903 erschien das Blatt vier Mal wöchentlich. Mittlerweile lebten 8057 Menschen in der Stadt an Lenne und Verse.

Einen entscheidenden Wendepunkt in der Firmengeschichte markierte das Jahr 1912, als der Süderländer Volksfreund sein 25-jähriges Bestehen feierte: Für die geplante Bahnhofserweiterung benötigte die damalige Reichsbahn Platz. Die Besitzer der Immobilien an der Friedenstraße, darunter auch Ludwig Flug, mussten ihr Eigentum verkaufen. Der Verleger entschied sich, einen Druckereineubau in der einstigen Kaiserstraße, der heutigen Freiheitstraße, zu errichten.

Der Erste Weltkrieg warf bereits seine dunklen Schatten voraus. Auch die beiden Söhne Flugs, Fritz und Rudolf, die ihren Vater im Betrieb unterstützten, wurden als Soldaten eingezogen. Trotz des Krieges und den damit einhergehenden Versorgungsschwierigkeiten gelang es Flug, den Betrieb aufrecht zu erhalten und die Zeitung stets pünktlich fertig zu stellen. Nach Kriegsende traten die Söhne wieder in das Geschäft ein.

Nach den Wirren des Krieges machte Flug die Inflation zu schaffen. So war es beispielsweise schwierig, Papier zu beschaffen. Erst mit der Einführung der Rentenmark erholte sich der Verlag wieder.

Fritz und Rudolf Flug traten am 1. Januar 1929 als Teilhaber in das Geschäft ein. Ihr Vater Ludwig war schwer erkrankt. Als dieser nur wenige Wochen später, am 22. Januar, starb, führten seine Söhne den Betrieb als alleinige Inhaber fort. Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten brachte auch für die beiden neuen Verleger Veränderungen mit sich. Dennoch gelang es den beiden Söhnen des Verlagsgründers das Unternehmen weiter auszubauen.

1934 kauften sie das ebenfalls in der Stadt an Lenne und Verse erscheinende Werdohler Tageblatt auf. Damit war der Süderländer Volksfreund wieder die alleinige Werdohler Tageszeitung. Ab September 1939 wurden den Brüdern Flug zahlreiche Beschränkungen durch die Zensur der Nationalsozialisten auferlegt. Der Personalmangel erschwerte die Herausgabe der Zeitung.

Mit dem Tod von Fritz Flug, der am 10. November 1941 im Alter von nur 53 Jahren verstarb, verlor das Unternehmen den langjährigen Hauptschriftleiter, der die Redaktion des Süderländer Volksfreunds geleitet hatte. Da jede Arbeitskraft dringend gebraucht wurde, übernahm dessen Tochter Gretel Flug eine verantwortliche Stellung in der Firma, wie es in dem Rückblick auf die Historie zum 100. Geburtstag des Verlages heißt.

Als der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht endete, waren Druckereigebäude und Maschinenpark noch intakt. Doch die Besatzungsmächte verboten die Herausgabe des Süderländer Volksfreunds. Die letzte Ausgabe der Zeitung erschien am Tag der Besetzung Werdohls durch amerikanische Truppen am 14. April 1945.

Doch die Arbeit in der Druckerei Flug ging trotzdem weiter. In den ersten Monaten nach Kriegsende wurden dort zunächst für die Amerikaner und dann für die Engländer Truppenzeitungen erstellt. Gemeinsam mit der Stadt Werdohl gestattete die Militärregierung Ende 1945 die Herausgabe eines amtlichen Bekanntmachungsblattes.

Zahlreiche Mitarbeiter des Familienbetriebes Flug waren mittlerweile aus der Gefangenschaft nach Werdohl zurückgekehrt. In der Druckerei stellten sie neben dem amtlichen Bekanntmachungsblatt unter anderem auch Fahrpläne, Malbücher und deutsch-englische Wörterbücher her. An die Herausgabe einer Tageszeitung war allerdings noch nicht zu denken.

Mit der Währungsreform 20./21. Juni 1948 konnte das Unternehmen wieder auf eine sichere finanzielle Basis gestellt werden.

Erst am 28. Oktober 1949 kehrte der Süderländer Volksfreund in die Haushalte der Werdohler und Neuenrader zurück. „Er wird sich bemühen, sachlich und unparteiisch zu berichten und so zum Wohle des Gemeinwesens mitzuarbeiten, für das er sich verpflichtet fühlt“, teilten Verlag und Schriftleitung den Lesern in der ersten Ausgabe nach dem Zweiten Weltkrieg mit. Schnell gelang es, den alten Leserstamm zurück zu gewinnen. Die Bürger sehnten sich nach neutraler und objektiver Berichterstattung.

Endlich fanden die Werdohler und Neuenrader auf einer täglichen Lokalseite Vereinsnachrichten, Hinweise der Stadtverwaltung sowie viele Nachrichten und Neuigkeiten aus ihrer Stadt. Fotos erschienen damals allerdings noch nicht.

Dafür erfuhren die Leser, dass in der Nacht vom 1. auf den 2. November auf der Wilhelmshöhe und an der Altenaer Straße zwölf Einbruchsdiebstähle verübt wurden. „Die Spitzbuben sollen in einem Fall sogar von der Schusswaffe Gebrauch gemacht haben“, hieß es in einer fett gedruckten Notiz zu den Straftaten. Die Neuenrader Amtsfeuerwehr erhielt am 12. November einen Einsatzwagen. Zur Übergabe waren die Löschzüge von Neuenrade und Dahle komplett angetreten.

Unter der Überschrift „Drei Schwarzbrennereien ausgehoben“ fand sich am 14. Dezember folgende Information im Süderländer: „Am Montag wurden im hiesigen Stadtbezirk drei Schwarzbrennereien, und zwar in der Nordhelle, Wilhelmshöhe und Lennestraße polizeilicherseits festgestellt und der Zollbehörde als Fahndungsstelle gemeldet. Die größte dieser schwarzen Destillationen befand sich auf der Wilhelmshöhe. Hier wurden auch feinere Liköre hergestellt. Der Raum in dem diese ‘Alchimistenküche’ untergebracht war, befand sich in einem derart unsauberen Zustand, so daß sogar die Polizei, die doch gewiß schon allerhand auf dem Gebiet erlebt hat, sich mit Schaudern abwandte...“

Besonders mit den Lüdenscheider Nachrichten, dem Allgemeinen Anzeiger in Halver und der Meinerzhagener Zeitung entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit. Zusammen bauten die vier Zeitungen eine sogenannte Mantelredaktion in Lüdenscheid auf. Hier wurden die überregionalen Teile wie Politik, Wirtschaft und Sport erstellt.

Als Mitinhaber Rudolf Flug im Oktober 1962 plötzlich im Alter von 62 Jahren bei einem Kuraufenthalt in Bad Meinberg verstarb, nahmen Gretel Heix, geborene Flug, und die Söhne des Verstorbenen, Klaus und Peter, die Geschicke des Unternehmens in die Hand. Die technischen und strukturellen Rahmenbedingungen für die Tageszeitung wurden in den folgenden Jahren weiter verbessert. Die Lokalseiten des SV für Werdohl, Neuenrade und den Heimatsport nahmen an Umfang zu.

Seit 1964 wurde der Süderländer in Lüdenscheid gedruckt, ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit den anderen Zeitungshäusern aus der Umgebung. In Werdohl führte diese Umstellung zu einer Zweiteilung der Firma Flug in Verlag und Druckerei.

1976 bezogen Redaktion und Anzeigenabteilung die Räume an der Freiheitstraße 33. Der Verlagsleiter war für viele Werdohler mehr, als nur der technische Direktor im Hintergrund: Klaus Flug war der „Süderländer“. Er war nicht nur umsichtiger und erfolgreicher Verleger, sondern zugleich renommierter Publizist und unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Standortpresse in Bonn. Unter seiner Federführung erhielt Balve am 9. Januar 1983 seine eigene Lokalseite im Süderländer Volksfreund. Als Klaus Flug am 1. Mai 1984 nach schwerer Krankheit starb, folgte eine Zeit der Neubesinnung, die auch eine Veränderung der Gesellschaftsform mit sich brachte.

Mitte der 1980er-Jahre wurde fast zeitgleich mit den Kooperationspartnern des Süderländer Volksfreunds ein computerunterstütztes Redaktionssystem eingerichtet. Die elektronische Datenerübermittlung ermöglicht noch schnelleren Zugriff auf Nachrichten und Meldungen aus dem Verbreitungsgebiet. Die Schreibmaschine wurde endgültig vom Arbeitsplatz der Redakteure verbannt.

Am 1. Oktober 1987 wurde das 100-jährige Firmenbestehen mit zahlreichen Gästen gefeiert. Seit 1991, mit der Umstellung auf einen siebenspaltigen Ganzseitenumbruch, erfolgt der Druck des Süderländer Volksfreunds auf einer modernen Offset-Rotationsmaschine in Meinerzhagen.

Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Zeitungslandschaft gaben der Süderländer Volksfreund und der Märkische Zeitungsverlag (MZV) in Lüdenscheid ihrer Kooperation am 1. Oktober 1997 eine neue Grundlage: Die jetzt 125 Jahre alte Zeitung erscheint seither als Titel des Märkischen Zeitungsverlages, den Verleger Dr. Dirk Ippen 1988 gründete. Dr. Ippens Engagement im Märkischen Kreis kommt nicht von ungefähr. Der von ihm seit 1968 herausgegebene Westfälische Anzeiger in Hamm arbeitet schon seit Beginn der 70er-Jahre mit den hiesigen Heimatzeitungen zusammen. Schon damals erwarb der deutschlandweit tätige Verleger eine Beteiligung am Altenaer Kreisblatt.

Zum Märkischen Zeitungsverlag gehören heute neben dem Süderländer Volksfreund die Lüdenscheider Nachrichten, die Meinerzhagener Zeitung, das Altenaer Kreisblatt sowie der Allgemeine Anzeiger Halver. Nach der Übernahme durch den Märkischen Zeitungsverlag wurde die Berichterstattung über den Heimatsport ausgeweitet. Die redaktionelle Zusammenarbeit zwischen den Zeitungsstandorten in Lüdenscheid, Plettenberg, Altena, Menden, Meinerzhagen, Halver und Werdohl wurde im Laufe der Jahre weiter intensiviert. Den Mantelteil des Süderländer Volksfreunds stellt seit Anfang der 90er-Jahre der Westfälische Anzeiger in Hamm her.

Im Jahre 1998 folgte der Umzug der SV-Redaktion an den heutigen Standort am Werdohler Brüninghaus-Platz.

Kurz nach der Jahrtausendwende brach dann endgültig das digitale Zeitalter an. In den ersten Jahren tat sich die Digitaltechnik noch sehr schwer, der Qualität und vor allem der Lichtempfindlichkeit guter Filme Paroli zu bieten. Das hat sich mittlerweile geändert. In Riesenschritten präsentierten die namhaften Hersteller Jahr für Jahr revolutionäre Neuerungen. Während die meisten Spiegelreflexkameras mit einem Chip arbeiten, der kleiner als das damalige 36 mal 24 Millimeter große Negativformat ist, sind so genannte Vollformatkameras immer stärker auf dem Vormarsch. Ihr Chip entspricht exakt dem Kleinbildformat und nutzt das ganze optische Potenzial der Vielzahl von verfügbaren Wechselobjektiven. In dem Maße, in dem sich der Wandel von der Schwarz-Weiß- über die Farb- hin zur Digital-Fotografie vollzog, änderten sich auch die damit verbundenen Arbeitsabläufe – Workflow auf Neudeutsch. Vor zehn Jahren mussten sich die Redakteure genau überlegen, ob sie noch ein aktuelles Foto von einem Abendtermin veröffentlichen. Die Arbeitszeit in der Dunkelkammer musste stets eingeplant werden. Heutzutage macht moderne Technik fast alles möglich. Tausende von Bildern passen auf moderne Speicherchips. Laptops mit mobilem Internetanschluss erlauben das sofortige Versenden in die Redaktion. Die Sichtung des Materials, die Bildbearbeitung und das Platzieren auf einer Seite sind heute in wenigen Minuten erledigt und haben der Aktualität der Tageszeitung einen mächtigen Schub verliehen.

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