Suche nach dem Unbekannten

- Symbolfoto

WERDOHL - Kleine Beute, große Straferwartung: Erneut muss sich ein Angeklagter aus Werdohl wegen des Überfalls auf eine Spielhalle vor dem Landgericht verantworten. Gestern legte der 30-Jährige ein Teil-Geständnis ab, das allerdings entscheidende Fragen offenließ.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar klingelte der gute Kunde gegen ein Uhr beim „Glückspilz“ und wurde als vertrautes Gesicht eingelassen. Kurz darauf verließ er die Spielothek wieder, lehnte die Tür aber nur an. Diese Gelegenheit nutzte absprachegemäß ein unbekannter Mittäter, der eine Spielhallenmitarbeiterin mit einem Messer bedrohte und rund 2050 Euro erbeutete. Dass sich dies in etwa so abgespielt hatte, räumte der junge Mann ein. Er bestritt jedoch, gewusst zu haben, dass sein Mittäter einen Raub plante. Es sei lediglich die Rede von einem Diebstahl gewesen.

Staatsanwalt Bernd Haldorn stellte die passende Frage zu dieser Behauptung: „Haben Sie schon mal mitgekriegt, dass jemand nachts – während die Bedienung anwesend war – einfach die Kasse mitnehmen konnte?“ Der 30-Jährige hatte offenbar wenig die Tageszeitung gelesen, denn er schien nicht mitbekommen zu haben, dass bei den zahlreichen Raubüberfällen in und um Werdohl im Jahr 2012 immer Waffen mitgeführt worden waren.

Sehr ernst wurden der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt und Beisitzer Mark Austermühle bei der zentralen Frage des Verfahrens: Wer war der unbekannte Haupttäter, der den Überfall letztlich durchführte?

Die Ansage war sehr deutlich: Es könnte durchaus strafmildernd wirken, wenn der Angeklagte sein Schweigen in dieser Frage brechen würde. Bisher sträubt er sich jedoch.

Die Richter erinnerten an das Strafmaß für schweren Raub, das bei fünf Jahren beginnt. Auch ohne Preisgabe des Haupttäters gibt es jedoch einige Gründe, den Tatbeitrag des 30-Jährigen nur als Mittäterschaft oder möglicherweise sogar nur als Beihilfe zu werten.

Der zuständige Raubsachbearbeiter der Polizei nannte als Zeuge gestern mehrere Kandidaten, die in jener Nacht mit dem Messer in der Hand und mit einer Maske im Gesicht in der Spielothek gewesen sein könnten. Vage Hinweise verdichteten sich bisher aber nicht zu einem konkreten Tatverdacht.

Umso größerer Bedeutung kommt dem verschwiegenen Wissen des Angeklagten zu, der an der Beute vermutlich beteiligt war: Wenige Tage nach dem Raub zahlte er ein kleines Bündel Zehn-Euro-Scheine auf sein Konto ein, um eine Rechnung bezahlen zu können.

Der 30-Jährige bestätigte, dass er vor dem Überfall aufgrund seiner Spielsucht in höchsten finanziellen Nöten gesteckt hatte. Doch niemand habe ihm Geld leihen wollen. Auf der anderen Seite habe es eine bedrohliche Ansage für den Fall gegeben, dass er nicht zahle: Er sei dann „bald ein toter Mann“. Zeugen sagten bei der Polizei aus, dass der Angeklagte wenige Tage vor dem Raub wütend gegen einen Geldautomaten im „Glückspilz“ geschlagen hatte. Offenbar hatte er „viel Geld verloren“.

Der Prozess wird heute ab neun Uhr im Landgericht fortgesetzt.

Von Thomas Krumm

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