Suche nach dem Schatz am verlassenen Prellbrock

Der 49-jährige Dirk Weinbrenner ist passionierter Geocacher. In Werdohl betreut der Bauunternehmer sechs der in der Natur versteckten Schätze.

WERDOHL ▪ Das trockene Laub raschelt unter Dirk Weinbrenners Füßen. Durch dichtes Gestrüpp bahnt sich der 49-Jährige seinen Weg die Böschung hinauf. „Bodengraveur“ – so nennen sie ihn in Fachkreisen – hat nur ein Ziel vor Augen: Den verlassenen Prellbock, einen Schatz irgendwo am Lenneufer in Werdohl. Weinbrenner ist passionierter Geocacher. Einer der mit Hilfe der Satellitenortung Schätze sucht, die andere in der Natur versteckt haben. Von Ute Heinze

Weinbrenner hat ein Navigationsgerät für Wanderer dabei. Bis auf drei Meter genau zeigt es ihm an, wie weit er von dem Objekt der Begierde entfernt ist. Hier irgendwo muss sie sein, die Dose. Sein Blick schweift über den Boden. Zwei Handgriffe. Dann hält er einen kleine Plastikbehälter hoch. Ein Bleistift findet sich darin und das so genannte Logbuch. Über 20 Geocacher, die vor Weinbrenner auf Schatzsuche waren, haben sich hier schon eingetragen und ihren Erfolg dokumentiert.

Seit eineinhalb Jahren ist der 49-Jährige dieser Form der Schnitzeljagd verfallen. Damals kauft er sich ein Navigationsgerät zum Wandern und Radfahren im Sauerland. „Schließlich kann man sich auch zwischen Werdohl und Neuenrade ganz vortrefflich verlaufen, wenn man neue Wege ausprobiert“, sagt der Bauunternehmer. Bei dem Gerät sei er dann auf die Funktion Geocaching gestoßen. Im Internet informierte er sich über die digitale Schatzsuche und meldete sich bei einer Plattform an. Seit dem ist er in der Freizeit viel unterwegs, mal allein, mal mit Frau und seinen beiden jüngsten Kindern, die ebenfalls unter die Schatzsucher gegangen sind.

Denn neben der Mischung aus Schatzsuche und Rätselwanderung gelangen die Geocacher bei ihren Touren auch an landschaftlich reizvolle Flecken, die sie sonst so sicher nicht erreicht hätten.

Über 10000 dieser Dosen hat Weinbrenner in den vergangenen eineinhalb Jahren vornehmlich im Sauerland aufgespürt. „Es gibt zehn verschiedene Sorten von Caches“, erklärt der Experte. Manche lassen sich ausschließlich über die Koordinaten finden. Bei den so genanten Multicaches müssen die Abenteurer des 21. Jahrhunderts verschiedene Fragen richtig beantworten, um ans Ziel zu gelangen. Bei den Mysteris müsse zunächst zu Hause ein Rätsel gelöst werden, um den richtigen Standort der Dose zu ermitteln.

Auch wenn Weinbrenner ein passionierter Schatzssucher ist, sieht er sein Hobby durchaus kritisch. „Viele Geocacher verhalten sich nicht richtig, verlassen einfach die Wege oder gehen abends in den Wald, wenn sie die Tiere stören“, ärgert sich der 49-jährige über manche unachtsame Zeitgenossen, die derselben Leidenschaft frönen.

Seit einiger Zeit versteckt der Bauunternehmer in seiner Freizeit auch selbst Caches. „Drei habe ich mir selbst ausgedacht, drei habe ich von jemandem geerbt, der mit dem Geocaching aufgehört hat“. Weinbrenner macht sich regelmäßig auf den Weg, um nachzuschauen, ob die Hinweise an den richtigen Stellen liegen und ob mit den Logbüchern alles in Ordnung ist. Denn manche Spaziergänger, die des Geocachings nicht mächtig seien, würden die Dosen zerstören oder mit Unrat verwechseln, sofern sie sie denn finden.

Bevor er selbst eine neue Dose verstecken kann, die dann für alle Geocacher im Internet bekannt gemacht wird, muss er sich an die Experten der Plattform wenden. „Sie prüfen dann, ob der Standort auf Privatgelände liegt“, sagt der Werdohler. Auch in Natur- oder Vogelschutzgebieten dürften keine Dosen versteckt werden.

Insgesamt zehn Caches gibt es auf Werdohler Stadtgebiet. Weinbrenner selbst ist mit weiteren acht Familien befreundet, die sich ebenfalls regelmäßig auf die Suche machen.

Für Stubenhocker sei das Hobby sicher nichts, weiß der Experte. Denn die Dosen seien schon mal in Bäumen versteckt oder nur über den Wasserweg mit dem Boot zu erreichen. Das einzige Equipment, was der Schatzsucher von heute benötige, sei für leicht zugängliche Caches festes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung und ein einfaches Navi für Wanderer zur Ortung. Die Geräte seien für rund 80 Euro erhältlich. Auch mit den meisten neueren internetfähigen Handys könne man sich auf Schatzsuche begeben. Für Fortgeschrittene würden sich hingegen Geräte mit besserem Kartenmaterial anbieten, so der Experte. Diese schlagen im Fachhandel mit zwischen 400 und 800 Euro zu Buche.

Der CVJM Werdohl verleiht dafür geeignete Geräte. Ansprechpartner ist Frank Brüggemann, Tel. 02392/508767.

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