Styropor: Mieter sorgt sich

+
ZDF heute-Moderatorin Barbara Hahlweg: „Polystyrol, besser bekannt als Styropor, wirkt im Falle eines Feuers als Brandbeschleuniger.“

WERDOHL -  Die Tatsache, dass die Werdohler Wohnungsgesellschaft die Häuser an der Feldstraße mit Styropor-Dämmstoffen an den Außenwänden saniert, löst bei Mietern Besorgnis aus. Es geht um die Entflammbarkeit und die Wasserdampfundurchlässigkeit des Polystyrols.

Marcel Frank macht sich seine Gedanken, seit er den Bericht in unserer Zeitung las. Der Werdohler Stephan Sensenschmidt hatte auf die Problematik des Baustoffes Styropor hingewiesen. In einem NDR-Bericht im TV von 2011 wurde auf die besonderen Gefahren im Brandfall hingewiesen. Dabei ging es um einen Großbrand in Frankfurt. Der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft, Ingo Wöste, hatte darauf verwiesen, dass sämtliche Brandschutzverordnungen eingehalten würden, der Baustoff in Deutschland zugelassen und eben kostengünstiger als die sonst verwandte Steinwolle sei.

Marcel Frank sorgt sich dennoch: Seinen Informationen nach würden die Brandriegel nicht lange genug stand halten, eine Entflammung des Gebäudes von außen durch einen mutwillig angezündeten Papiercontainer sei durchaus denkbar. Wenn schon zur Dämmung der Kellergeschossdecken wegen der Brandgefahr kein Styropor eingesetzt würde, dann müsse das doch auch für die Außenwände gelten. „Für den Keller ist Geld für die teurere Steinwolle da“, wundert sich Frank.

Auch die nicht vorhandene Dampfdurchlässigkeit von Styropor hält der Mieter für problematisch. Das Haus werde von außen dicht mit Kunststoff eingepackt, dass bedeute seiner Meinung nach, dass sich in den Wohnungen sehr leicht Feuchtigkeit abschlagen könne.

Der Einsatz von Styropor oder Styrodur (das sind Markennamen, der Stoff heißt Polystyrol) ist seit Jahren umstritten.

Ein 2011 erschienener Bericht des NDR über Brandversuche in der Materialprüfanstalt in Braunschweig zeigte, dass Dämmungen aus Polystyrol leicht Feuer fangen und zur Brandausbreitung führen können. Der Bericht räumte ein, dass es erst dann besonders rasch brenne, wenn das Verbundsystem unsachgemäß aufgebaut wurde.

In jedem Fall müssten Brandschutzstreifen aus nicht brennbarer Mineralwolle eingesetzt werden. Polystyrol werden bei der Herstellung Zusatzstoffe beigegeben, die ein rasches Entflammen verhindern sollen. In einer umfangreichen Stellungnahme des Deutschen Instituts für Bautechnik vom 21. November 2011 wird eingeräumt, dass Wärmedämmverbundsysteme mit besonders dicken Polystyrolplatten im Brandfall „kritisch“ seien und eine ungehinderte Brandausbreitung möglich wäre.

Der Problematik der Dämmstoffprüfungen und der Brandgefahr widmete sich sogar eine Anfrage im Deutschen Bundestag.

Der Sender bewirbt die Sendung heute noch so: „Wärmedämmungen aus Polystyrol, besser bekannt unter dem Namen Styropor, sind offenbar brandgefährlich. Versetzt mit Flammschutzmitteln und oberflächlich geschützt durch eine Putzschicht, gelten Wärmedämmverbundsysteme mit dem Kunststoff zwar als schwer entflammbar. Doch sie sind brennbar, so das Ergebnis eines Brandversuchs für die 45-Min-Dokumentation ‘Wahnsinn Wärmedämmung’. Im Falle eines Feuers können Wärmedämmverbundsysteme mit Polystyrol offenbar sogar zum Brandbeschleuniger werden.“

Auch Entsorgung und Wiederverwertung sind als kritisch zu betrachten. Polystyrol verrottet nicht. Die Platten werden vollflächig verklebt, es gibt noch kein effizientes Trennverfahren von Kleber und Kunststoff.

Bei der Wiederverwertung zum Beispiel als Folien für Lebensmittelverpackungen lassen sich Reste der Flammschutzadditive nicht ausschließen.

Von Volker Heyn

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare