Berlin-Institut: Werdohl ist wirtschaftlich stark

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Die Studie zum demografischen und wirtschaftlichen Wandel in Westfalen enthält viele interessante Zahlen.

Werdohl - Welche Chancen haben Werdohl, Neuenrade und Balve im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden im Märkischen Kreis und in Westfalen? Was machen prosperierende Kommunen anders als solche, die sich im Niedergang befinden? Antworten darauf versucht eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zu geben.

Westfalen-Lippe ist eine Region, die in mancher Hinsicht nicht den demografischen und wirtschaftlichen Trends in Deutschland folgt. In diesem Landesteil gibt es wirtschaftlich starke ländliche Räume, die noch Bewohner anziehen können. Doch es gibt auch vom Strukturwandel geprägte Großstädte, die lange Zeit Einwohner verloren haben und bereits deutlich gealtert sind. Das Berlin-Institut hat untersucht, wie der demografische Wandel Westfalen verändert und vor welchen Aufgaben die einzelnen Regionen stehen, damit sie weiterhin oder wieder erfolgreich sein können.

Vielen Betrieben im ländlich geprägten Südwestfalen gehen zunehmend die Arbeitskräfte aus. Trotz guter Jobangebote ziehen die jungen Bewohner von dort in Richtung der urbanen Zentren. Die Dörfer werden leerer, die Versorgung schwieriger. „Die Studie hat eine klare Empfehlung an die westfälischen Gemeinden: Lernt nicht nur vom nächsten Nachbarn, sondern auch von entfernten Verwandten. Das klingt überraschend, aber auch Städte, die aneinandergrenzen, haben oft unterschiedliche Probleme. Umgekehrt ähnelt eine Gemeinde 100 Kilometer entfernt in der Interessenlage der eigenen Stadt mehr als gedacht“, so Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Der Kommunalverband hatte die Studie zusammen mit der Westfalen-Initiative beim Berlin-Institut gefördert.

Die Studie hat alle 231 Städte und Gemeinden in Westfalen-Lippe hinsichtlich ihrer Versorgungs-, Demografie- und Wirtschaftssituation untersucht. Um die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Gemeinden Westfalens darstellen zu können, wurden diese in vier Bereiche (sogenannte Cluster) eingeteilt. Diese unterscheiden, grob gesehen, zwischen zukunftsfähigen und schrumpfenden Gemeinden.

Werdohl gehört zum Cluster 2, gemeinsam mit Kommunen wie Bocholt, Herford, Meschede oder Olpe. Demnach ist Werdohl – wie auch fünf weitere Kommunen im Märkischen Kreis – laut Studie eine wirtschaftlich starke, mittelgroße Stadt mit stabilen Einwohnerzahlen. Die Forscher haben für Werdohl beispielsweise einen 90-prozentigen Versorgungsgrad mit Hausärzten festgestellt. Die jährlichen kommunalen Steuereinnahmen betragen 1130,60 Euro pro Einwohner. Wichtig war für die Forscher der Wanderungssaldo der 18- bis 29-Jährigen, also die Zahl der jungen Menschen, die Werdohl verlassen haben. Mit minus 7,9 war dieser Wert deutlich besser als der für Neuenrade (-19,3) oder gar für Balve (- 30,4).

Neuenrade und Balve werden zum Cluster 4 gezählt, gemeinsam mit Städten und Gemeinden wie Bad Berleburg, Kirchhundem, Sundern oder Warstein. Das heißt, es handelt sich in den Augen des Berlin-Instituts um schrumpfende ländliche Gemeinden, die im westfälischen Vergleich am Rand liegen. Zum Cluster 4 gehören noch fünf weitere Kommunen im Märkischen Kreis.

Keine „Verwandten“ im Märkischen Kreis haben Iserlohn (Cluster 1; größere Städte, die zum Teil bereits deutlich gealtert sind, aber dennoch junge Menschen anziehen) und Kierspe (Cluster 3; junge, wachsende Speckgürtel-Gemeinden im Umland der Städte).

Die Studie hat untersucht, mit welchen Ideen die verschiedenen Akteure in den Regionen versuchen, die Versorgung auf dem Land weiterhin zu sichern und Fachkräfte anzulocken. „In Westfalen sehen wir, dass wirtschaftlich erfolgreiche Regionen mit guten Arbeitsmöglichkeiten nicht automatisch auch junge Menschen halten oder gewinnen können“, so ein Fazit der Studie. Die häufig geäußerte Annahme, es müsste nur genug Arbeitsplätze geben, dann könnte die Landflucht gestoppt werden, bestätige sich in manchen Gebieten Westfalens nicht. Die klein- und mittelständischen Betriebe stehen sogar vor einem doppelten Problem: Die geburtenstarken Jahrgänge und damit ein Großteil ihrer Belegschaft gehen demnächst in Rente, während die Jahrgänge mit dem potenziellen Nachwuchs dünner besetzt sind und die jungen Menschen zum Teil auch noch fortziehen.

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