Strom wird für Werdohler Luxus

Ulrike Weißberg betreut in Werdohl 118 Schuldner.

Werdohl - 118 Menschen aus Werdohl hat Ulrike Weißberg von der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt im vergangenen Jahr betreut. „Das sind zwölf Fälle mehr als im Vorjahr“, zieht sie eine Negativ-Bilanz – und stellt in diesem Zusammenhang fest: „2012 waren 45 arbeitslose Menschen in der Beratung, im vergangenen Jahr 55.“

Allerdings sind nicht alle Beratungsfälle 2013 neu dazugekommen. 67 hatte Weißberg aus dem Vorjahr übernommen, 13 Fälle musste sie wiederaufnehmen und 38 Schuldnerfälle kamen neu hinzu. Der Blick auf die Statistik der Schuldner- und Insolvenzberatung zeigt, dass die meisten Ratsuchenden zwischen 31 und 40 Jahren alt sind (29 Personen). Es folgt die Gruppe der 41 bis 50-jährigen (27). Dagegen haben sich nur 13 Personen im Alter von 18 bis 25 Jahren und nur sieben Senioren ab 60 Jahren an die Awo gewandt.

Die meisten Werdohler, die Hilfe bei Ulrike Weißberg suchen, sind verheiratet (51 Personen). In 49 der verschuldeten Haushalte leben keine Kinder, in 28 Haushalten zwei Kinder und in 26 Haushalten lebt ein Kind. Auch bezüglich der Höhe der Verschuldung gibt die Statistik Auskunft. So hat der größte Teil der Werdohler, die sich an die Awo-Beratungsstelle wenden (39 Personen), Schulden zwischen 10 000 und 25 000 Euro. In 25 Fällen belaufen sich die Schulden auf 5000 bis 10 000 Euro, in 21 Fällen auf 25 000 bis 50 000 Euro, in acht Fällen auf 50 000 bis 100 000 Euro und in zwölf Fällen sind es mehr als 100 000 Euro. 13 Werdohler haben weniger als 5000 Euro Schulden.

Ein Blick auf die Schuldenarten zeigt, dass Bankkredite an erster Stelle stehen (78 Fälle), gefolgt von Telekommunikations-Schulden (74), Steuer- und Abgabe-Schulden (46) und Schulden bei Versandhäusern (45).

Auch Energieschulden rangieren mit 39 Fällen im oberen Bereich der Tabelle. Letztere bereiten Ulrike Weißberg besonders große Sorgen: „Die Zahl der Menschen, die Probleme haben ihre Stromrechnungen zu bezahlen, wird weiter ansteigen“, ist sie überzeugt. Und nicht nur in Werdohl gibt es immer mehr Menschen für die Strom mittlerweile Luxus ist. Im Gesamtjahresbericht der Awo, die auch Schuldner in Neuenrade, Plettenberg, Altena und Nachrodt-Wiblingwerde betreut, heißt es: „Hatten vor zehn Jahren noch 20 Prozent unserer Kunden Energieschulden, sind es heute 35 Prozent. Die Kosten für Heizöl und Strom haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, die Nominal-Lohnplus ist aber nur um 17 Prozent gestiegen.“ Deshalb fordert die Awo bundesweit unter anderem einen Strom-Sozialtarif. Zudem sollten steigende Energiekosten künftig bei den Leistungen wie Arbeitslosengeld berücksichtigt werden.

Von Carla Witt

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