Strenge Schule wie zu Ur-Omas Zeiten

Die Grundschüler der katholischen St.-Michael-Grundschule erleben zur Zeit Schule wie im 19.Jahrhundert. Passend dazu hatten sich einiger der Jungen und Mädchen gekleidet. - Fotos: Finger

Werdohl - „Guten Morgen Frau Lehrerin“, schallt es aus 25 Kehlen im Gleichklang. Die Kinder erheben sich zur Begrüßung der Pädagogin Carmen Beilborn. Dann erfolgt der Befehl zum Geradesitzen und Stillsein, den die Kleinen widerstandslos befolgen. Bei der Projektwoche der Grundschule St. Michael erleben die Kinder der ersten bis vierten Klassen „Schule wie früher“.

Diktate, das Erlernen der alten Sütterlin-Schrift, lange Gedichte auswendig lernen – was viele ältere Erwachsene aus der eigenen Schulzeit noch kennen, ist für die rund 200 Werdohler Mädchen und Jungen teilweise absolutes Neuland. Die Grundschüler der St.-Michael-Grundschule haben in dieser Woche ganz andere Aufgaben als sonst üblich.

Die Schule, die in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert, veranstaltet mit den Schülern eine Projektwoche mit dem Thema „Schule wie früher“. Dabei gilt übergangsweise eine deutlich strengere Schulordnung, die sich am Schulwesen des 19. und 20. Jahrhunderts orientiert. So müssen sich die Schüler beim Begrüßen erheben und sind – wie die Klassen des vierten Jahrgangs – in reine Mädchen- und Jungenklassen aufgeteilt.

Im Vorfeld der Projektwoche hatten sich die Klassen im Stadtmuseum am Bahnhof den dortigen „alten Schulraum“ angeschaut. „Die Kinder haben nicht schlecht gestaunt, wie hart die Holzbänke damals waren“, sagt die Schulleiterin Christel Kringe. So bekamen die Mädchen und Jungen vorab einen Eindruck, wie ihre Vorfahren den Schulalltag erlebt hatten.

„Es mag etwas komisch sein, aber zum Teil machen die Schüler positive Erfahrungen mit der strengeren Linie der Lehrer. Viele sagen, dass es ihnen gefällt, dass es eine klare Linie gibt“, ergänzt Kringe. Das sei für die schüchternen Schüler sogar ein zusätzlicher Antrieb.

Die Kinder, zum Teil anfangs skeptisch, aber nicht abgeschreckt von den strengeren Sitten, erleben die Woche laut eigener Aussage mit „sehr viel Spaß. Und dass es eine reine Jungenklasse ist, finde ich super“, so der zehnjährige Carlos aus der Jahrgangsstufe vier. „Was trotzdem doof ist, sind die schwierigeren Hausaufgaben“, ergänzt der neunjährige Moritz.

„Gerade bei den Jüngeren fällt es mir doch sehr schwer, streng und ernst zu bleiben. Da muss man zwischendurch mal grinsen und den Kindern etwas zuzwinkern, dass sich die Irritation der Kleinen legt“, sagt die Lehrerin der 3b, Carmen Beilborn, die sich – passend mit strengem Zopf – wie eine Pädagogin von 1920 gekleidet hat. Es falle den Kindern aber grundsätzlich nicht schwer, sich schnell an den strengeren Umgang zu gewöhnen.

Bei der nächsten Projektwoche im kommenden Monat wird es für die Schulkinder das Motto „Literatur erleben“ geben. Dann sollen sie unter anderem die Bücher von Wilhelm Busch und Heinrich Hoffmann kennenlernen.

Von Benny Finger

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