Landgericht entscheidet

Streit um Sitzplatz in Dönerbude eskaliert: Werdohler muss 800 Euro zahlen

Der Werdohler verpasste dem Lüdenscheider einen Faustschlag (Symbolbild).
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Der Werdohler verpasste dem Lüdenscheider einen Faustschlag (Symbolbild).

Sehr ungewöhnliche Umstände sollen die Kulisse für einen nächtlichen Streit geliefert haben, der nach dem Amtsgericht Lüdenscheid nun auch eine Berufungskammer des Landgerichts beschäftigt hat: Eine Dönerbude in Lüdenscheid, die nicht nur nachts um vier Uhr geöffnet, sondern auch noch rappelvoll gewesen sein soll.

Werdohl/Lüdenscheid – Das erklärt den Konflikt, nicht aber das, was daraus wurde: Ein Lüdenscheider saß mit seinen Kumpels an einem der wenigen Tische und wartete auf sein Essen. Er verließ seinen Sitzplatz, als an der Theke noch etwas zu klären war im Hinblick auf sein Essen. Diesen Moment nutzte ein Gast aus Werdohl, um sich selber auf den für kurze Zeit freigewordenen Platz zu setzen. „Aufgestanden, Platz vergangen“, sagt der Volksmund.

Ob dies in diesem Fall angemessen ist, mag dahingestellt sein. Es war jedenfalls nachvollziehbar, dass der Kunde an der Theke nach seiner Rückkehr sauer war. Leider blieb es nicht bei einem freundlichen Wortwechsel über die Angelegenheit. Zweifellos unangemessen war die angebliche Beleidigung des Platz-Klauers als „Hurensohn“.

Noch unangemessener war aber ein Faustschlag des Platz-Klauers gegen den Rückkehrer. Im Amtsgericht Lüdenscheid sahen sich die beiden Kontrahenten aus Werdohl und Lüdenscheid am 13. Oktober 2020 in einer ungewöhnlichen Konstellation wieder: Der Lüdenscheider saß wegen Beleidigung auf der Anklagebank, der Werdohler wegen Körperverletzung. Der weise Amtsrichter Thomas Kabus schlug eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage vor.

Die Staatsanwaltschaft stimmte nicht zu, und so endete das Verfahren mit einem Urteil: Beide zuvor völlig unbescholtenen Angeklagten wurden zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen verurteilt – der eine wegen Beleidigung, der andere wegen Körperverletzung. Damit war niemand zufrieden: Alle Beteiligten legten Berufung gegen das Urteil ein.

Im Landgericht stimmten nunmehr alle einer Verfahrenseinstellung zu. Die gab es nicht ganz umsonst: Die Beleidigung kostete 500 Euro, der Faustschlag 800 Euro. Damit blieb die Berufungskammer in der finanziellen Höhe in etwa bei jenen Strafen, die das Amtsgericht verhängt hatte.

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