Streit mit Landesverband: SoVD-Vorsitzende Mycer legt Ämter nieder

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Sieglinde Mycer ist aus dem SoVD ausgetreten und will nicht mehr Vorsitzende des Ortsverbandes und des Kreisverbandes sein.

Werdohl - Im ganzjährig gärenden Streit mit dem SoVD-Landesverband in Düsseldorf hat die Werdohler Kreis- und Ortsverbandsvorsitzende Sieglinde Mycer ihre Mitgliedschaft zum Jahresende gekündigt.

Bis zum Ende des Jahres wird die 72-jährige Altenpflegerin auch ihre Vorstandsämter niederlegen. Mit ihr ist der komplette Kreisvorstand aus- und zurückgetreten. Viele Mitglieder tun es ihren Vorständen gleich. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) zeigt massive Auflösungserscheinungen. 

Der Werdohler Vorstand besteht neben Sieglinde Mycer aus dem 2. Vorsitzenden Helmut Köhler, Kassiererin Barbara Mycer, Schriftführerin Heike Mycer und den Beisitzern Eckhardt Wiegmann, Doris Birk und Monika Horvath. Den Kreisverband leitet Mycer, Schatzmeister ist Franz-Josef Urban aus Lüdenscheid, Frauensprecherin ist Barbara Mycer. Alle haben ihre Ämter zum Jahresende niedergelegt. Von den zuletzt 370 Mitgliedern in Werdohl seien bestimmt 70 ausgetreten, so Mycer. Der Kreisverband hat 2700 Mitglieder, nach Altena mit 700 Mitgliedern ist Werdohl der zweitstärkste Verband. 

Dass sich neue Vorstände bilden werden, hält Sieglinde Mycer für unwahrscheinlich. Mit den Werdohlern will sie auf jeden Fall weitermachen und Fahrten und Veranstaltungen organisieren. Eben nur nicht mehr als Sozialverband, sondern als private Gruppe. Mycer: „Wir in Werdohl sind eine tolle Truppe, wir halten immer zusammen, wenn es darauf ankommt. So wollen wir auch weitermachen.“ Der Vorwurf: Der SoVD würde seinen einkommensschwachen Mitgliedern für deren Jahresbeitrag keine nennenswerte soziale Unterstützung mehr bieten. Ein großer Kritikpunkt ist auch die Verlagerung der Altenaer Beratungsstelle nach Hagen. 

Verärgerung über Verhalten des Landesverbands

Die Verärgerung des ehrenamtlich tätigen Vorstands entzündet sich vor allem am Verhalten des Landesverbands. Jedes SoVD-Mitglied zahlt 6 Euro Monatsbeitrag, bald 6,50 Euro. Die Beiträge werden komplett an den Bundesverband in Berlin abgeführt. Der erstattet Beiträge gestaffelt nach Mitgliederstärke an die untergeordneten Verbände zurück. Daraus finanzieren sich auch die Ortsgruppen. 

Der Kreisverband habe zum Jahresanfang ein Guthaben von etwa 22 000 Euro gehabt, so Mycer. Der Landesverband habe zur Refinanzierung einen größeren Betrag gebraucht, für die damalige Kreisgeschäftsstelle in Altena sei Technik angeschafft worden und für das 100-jährige Bestehen seien Mittel benötigt worden. 

„Als der Kassierer und ich bei der Sparkasse Altena 500 Euro Bargeld für die Handkasse abheben wollten, war das Kreiskonto leer“, erinnert sich Mycer. Weil die Kreiskasse ein Guthabenkonto sei, habe man ihnen das Geld nicht auszahlen können. „Quer durch die Schalterhalle hat man uns beide über 70-Jährigen zurückgerufen“, erinnert sich Mycer: „Das war echt peinlich.“ Letztlich hätten sie nur 230 Euro bekommen. Sparkassen-Mitarbeiter hätten ihnen geraten, die Kontovollmachten abzugeben – was sie auch getan habe. Der Vorstand habe nun keine Verfügung mehr über die Kreiskasse. 

"Hätte schon im Sommer hingeschmissen"

Der Ärger über das Verhalten des Landesverbands sei immer größer geworden. Mycer: „Wenn wir nicht noch das 100-Jährige durchgezogen hätten, hätte ich schon im Sommer hingeschmissen.“ Im August wurde die Geschäftsstelle in Altena geschlossen. Seitdem müsste ein Mitglied für eine Sozialberatung mit Bus und Zug nach Hagen fahren. Kassiererin Barbara Mycer rechnet vor: „Wenn ein armer Rentner aus Werdohl nach Hagen zur Beratung will, kostet ihn das bestimmt 25 Euro Fahrtkosten hin und zurück. Das hat doch mit einem Sozialverband nichts mehr zu tun.“ 

Als Kreisverbandsvorsitzende habe Sieglinde Mycer eine Beratungsstelle in Lüdenscheid in einem angemieteten Raum einrichten wollen. Das sei aber nicht gewünscht worden. 

Nach dem Rücktritt des Kreisvorstands schickte der einen letzten Brief in Form eines Rechenschaftsberichts an den Landesverband. Er endet mit dieser Erklärung: „Wir haben im Sinne der Satzungen und Ordnungen gehandelt. Wir haben keine Mitgliedsgelder veruntreut und nicht verschwendet.“

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