Streit um Kastrationspflicht für Katzen geht weiter

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Sie steht im Mittelpunkt der Debatte: Die heimischen Tierschützer fordern eine Kastrationspflicht für Katzen.

Werdohl - „Die Tiere leiden im Verborgenen. Sie verenden qualvoll unter Sträuchern oder im Straßengraben,“ schildert Dr. Constanze Carstens-Beste, Beisitzerin des Tierschutzvereins Werdohl-Neuenrade, die Situation freilebender Katzen. Deshalb sei es so wichtig, dass die Stadt Werdohl eine Verordnung beschließe, die Katzenbesitzer dazu verpflichtet, freilaufende Tiere kastrieren zu lassen.

Von Carla Witt

Katzen könnten zwei Mal pro Jahr für Nachwuchs sorgen. In der Regel seien es auch immer mehrere Junge. „Natürlich überleben nicht alle“, sagt Carstens-Beste. Aber es seien eben so viele, dass der Tierschutzverein der Situation kaum Herr werden könne.

An die Vernunft der Halter zu appellieren, sei meist sinnlos. „Wir brauchen eine Handhabe“, fordert die Tierschützerin eine entsprechende Verordnung. Viele Kommunen – darunter auch die Nachbarstädte Neuenrade und Balve – hätten bereits eine entsprechende Vorschrift erlassen. Deshalb könne sie nicht verstehen, dass diese in Werdohl bisher noch nicht verabschiedet worden sei. Vereinsvorsitzender Uwe Loske ergänzt, dass sich die Situation in Neuenrade seit dem Erlass der Verordnung „gefühlt verbessert“ habe.

Zudem müsse sich die Stadt keine Gedanken um eventuelle Mehrarbeit durch die Satzung machen. Diese würden die Tierschützer übernehmen. „Wir kontrollieren, ob die Verordnung eingehalten wird“, erklärt Carstens-Beste.

Genau das sei eben nicht machbar, betont Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel. „Die Überwachung, ob Verordnungen eingehalten werden oder nicht, ist eine hoheitliche Aufgabe, die vom Ordnungsamt wahrgenommen werden muss.“

Sowohl die Verwaltung als auch die Kommunalpolitiker hätten sich intensiv mit der Forderung der Tierschützer beschäftigt. Rein rechtlich könne die Stadt aber eine solche Verordnung nicht erlassen. „Das ginge nur, wenn Gefahr in Verzug wäre“, erklärt Mentzel erneut. Leider reiche da der Verweis auf das Katzenelend nicht aus. Auch die Einwand der Tierschützerin Dr. Carstens-Beste, dass zahme Kastraten eventuell von unkastrierten und streunenden Katern verprügelt werden könnten, zähle nicht. Ebenso wenig das Argument, dass Streuner eventuell Balkontüren oder anderes Privateigentum durch Markieren verschmutzen könnte. „Wenn eine Verordnung erlassen werden soll, geht es um Fakten und Zahlen, nicht um Annahmen“, sagt Menzel.

Die Stadt Werdohl dürfe in Bezug auf Verordnungen nicht willkürlich handeln. Das habe sowohl der Städte- und Gemeindebund als auch die Bezirksregierung und das zuständige Ministerium festgestellt. „Wie andere Kommunen zu einem anderen Ergebnis kommen, kann ich mir nicht erklären“, betont Andrea Mentzel.

Darüber hinaus hält die Ordnungsamtsleiterin auch die Umsetzung einer entsprechenden Verordnung für unmöglich. „Wer will denn im Zweifel beweisen, wem ein streunendes Tier gehört?“ Bei Hunden könne derjenige als Halter herangezogen werden, der die Steuer zahle. Bei Katzen gebe es keinerlei Handhabe – zumal Streuner in der Regel weder tätowiert noch gechippt seien.

Mentzel erklärt: „Eine Verordnung zu erlassen, nur damit die Tierschützer zufrieden sind, das kann nicht Sinn der Sache sein.“ Die Ordnungsamtsleiterin outet sich abschließend selbst als Tierfreundin und sagt: „Was wir brauchen, ist eine Änderung des Tierschutzgesetzes oder auch gesetzliche Vorgaben auf Landesebene.“

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