Streit ums Frühstück

WERDOHL – In der katholischen Kindertagesstätte St. Bonifatius, die im April ihr 60-jähriges Bestehen feiert, regt sich Widerstand gegen eine Regelung, die vom Kita-Zweckverband des Bistums Essen gerne eingeführt werden soll: Weg vom gemeinsamen und hin zum gleitenden Frühstück in den beiden Gruppen. Von Rainer Kanbach

Damit, so manche Eltern, werde ein seit Jahren bewährtes System ausgehebelt, denn gerade das bislang praktizierte, gemeinsame Frühstück werde als gut empfunden, stärke die Disziplin und sei ein wichtiger pädagogischer Baustein. Immerhin könnten die eigenen Sprösslinge später in der Schule auch nicht dann essen, wenn sie Lust haben, sondern in den dafür vorgesehenen Pausen. Der Eltern-Vorwurf: „Als gäbe es keine anderen Sorgen, um die man sich kümmern müsste.“

Für Bernd Lösken, den zuständigen Regionalleiter des Kita-Zweckverbandes im Bistum Essen und zuständig für 60 Einrichtungen, stellt sich die Situation freilich anders dar: Ein gleitendes Frühstück sei sinnvoll und zudem landesweit üblich. Es entspreche dem allgemein gültigen Standard und finde seine Bestätigung in der Haltung des Landesjugendamtes.

In St. Bonifatius in Eveking, so Bernd Lösken, werden Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren betreut. Die Ersten werden von ihren Eltern schon sehr früh in die Tageseinrichtung gebracht, andere kommen erst später; die Bringzeit geht bis 9 Uhr. Wenn dann erst um 10 Uhr Frühstück angesagt sei (wie es an der Kirchstraße praktiziert wird), ist aus Löskens Sicht die Zeitspanne für früh in die Betreuung gegebene Kinder zu groß. Manche Kinder, so hieß es in Essen, „werden praktisch gezwungen, erst spät etwas zu frühstücken. Bei 10 Uhr sträuben sich bei mir die Nackenhaare“, so der Regionalleiter.

Bernd Lösken setzt auch aus pädagogischer Sichtweise Fragezeichen hinter die in Eveking geübte Praxis. Das Spiel, die Gruppenarbeit und die jeweiligen Lernprozesse würden abrupt unterbrochen, der Rhythmus gestört. Ein gleitendes Frühstück sei hingegen ein Beitrag, die Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen. Sie sollen selbst entscheiden, wann sie essen und wie viel.

Den Elternhinweis, dass mit der jetzigen Regelung auch Disziplin vermittelt werde, lässt Lösken nicht gelten: „Wir reden hier über Kinder, die teilweise erst in drei oder vier Jahren in die Schule kommen“, da sei ein solches, von manchen Eltern gelobtes Training einfach noch zu früh.

Gleichwohl kann man in Essen die Sorgen der Eltern – die auch in einigen Briefen schon zum Ausdruck gebracht wurden – verstehen. „Deshalb suchen wir auch den Dialog mit dem Elternrat und versuchen, über die Kindergartenleiterin Überzeugungsarbeit zu leisten“, unterstrich der Regionalleiter. Nichts werde diktatorisch geregelt, versprach er, doch sei man in Essen überzeugt, dass der „vorgeschlagene Weg“ richtig sei.

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