Streit eskaliert: Mit dem Auto umgefahren

Sechs Jahre Haft für Werdohler wegen versuchten Totschlags

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Der 28-jährige Werdohler wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Werdohl - Mordversuch nein, versuchter Totschlag ja – mit dieser Bewertung und einer Haftstrafe von sechs Jahren endete am Montag der Prozess gegen einen 28-jährigen Werdohler. 

Er hatte in der Nacht zum 2. Juli 2016 auf der Straße „Altes Dorf“ einen 25-Jährigen mit einem geliehenen Mercedes „aufgeladen“ und schwer verletzt. „Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt hat, als er auf den Zeugen zugefahren ist“, erklärte der Vorsitzende Richter Marcus Teich. 

Zwar habe der Angeklagte den Tod des Zeugen „nicht gewünscht oder bewusst in Kauf genommen“, aber er habe diese schlimmstmögliche Konsequenz seines riskanten Verhaltens letztlich in Kauf genommen. „Er weiß, dass ein solches Verhalten extrem gefährlich ist.“ 

Streit eskaliert

Warum handelte der damals noch 27-Jährige in dieser Weise? Am Anfang war ein Streit im Imbiss „Paradies“. Das spätere Opfer verfolgte den Angeklagten. Der jedoch konnte flüchten und zu seinem an der Goethestraße geparkten Fahrzeug zurückkehren.

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Die Frage, ob er das Opfer anschließend gezielt verfolgt habe, müsse offen bleiben, befand die Kammer. Dass er den 25-Jährigen nach dem Einbiegen ins „Alte Dorf“ aus Wut bewusst touchiert hatte, hatte auch der Angeklagte zugegeben. 

Das Opfer war gestürzt und hingefallen, und der Angeklagte konnte die Wendeschleife rund um den Parkplatz nicht in Richtung Innenstadt verlassen, rekonstruierte die Kammer die Ausgangslage für die Tat. 

Und: „Es war ihm klar, dass das Ärger geben könnte, was er da gerade gemacht hatte.“ Angst sei deshalb wohl das Motiv für die Tat. Und der Wille, ohne Anhalten durch jene Gruppe von Zeugen hindurchzukommen, die den ersten gefährlichen Schlenker mit dem Auto mitbekommen hatten. 

Der Angeklagte hatte vorgetragen, dass er ein Beiseitespringen des Opfers erwartet hatte. „Er musste damit rechnen, dass der Zeuge gar nicht mehr normal reagieren würde“, stellte die Kammer fest und verwies auf dessen vorangegangenen Sturz und den genossenen Alkohol. 

Alkohol und Marihuana

Auf Seiten des Täters hatten Alkohol und Marihuana-Konsum nicht verhindern können, dass er das Auto noch einigermaßen zielsicher hatte bewegen können. Die Kammer ging deshalb nicht von einer verminderten oder gar aufgehobenen Schuldfähigkeit, allenfalls von einer gewissen Enthemmung aus. 

Mit dem Urteil blieben die Richter sechs Monate unter dem Strafantrag von Staatsanwältin Beatriz Föhring, die ebenfalls keine Mordmerkmale hatte entdecken können. Die Angst vor einer Beschädigung des Autos und die Furcht, dass es ihm an den Kragen gehen könnte, seien nicht als „niedrige Beweggründe“ zu werten. 

Verteidiger Andreas Trode hatte eine Verurteilung seines Mandanten wegen gefährlicher Körperverletzung beantragt. Er mühte sich redlich, den Vorwurf eines versuchten Tötungsdeliktes vom Tisch zu kriegen, konnte die Richter aber letztlich nicht überzeugen. 

Sie schickten den Angeklagten allerdings in eine geschlossene Erziehungsanstalt für eine zweijährige Therapie – bei Erfolg könnte er auf Bewährung entlassen werden. Vorab muss er aber ein Jahr in der normalen Strafhaft schmoren.

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