Keine Frauennamen auf Werdohler Straßenschildern

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Nach dem Luftschiff-Pionier Alfred Colsman ist der Platz an der Stadtbücherei benannt.

Werdohl - Wer aufmerksam durch Werdohl spaziert, wird sich vielleicht wundern: Überall sind Tiere, Pflanzen oder Ortsbezeichnungen zu sehen, hier und da lassen sich ein paar Männer entdecken, aber nirgendwo sind Frauen zu finden. Die Rede ist nicht etwa von den Werdohlern selbst, sondern von den Straßennamen im Stadtgebiet.

Von insgesamt 273 Straßenbezeichnungen sind laut dem offiziellen Straßenverzeichnis der Stadt 246 nach Flurbezeichnungen wie Dammstraße, Schweinegasse oder Versestraße benannt. 27 Straßen tragen die Namen von berühmten Männern, teilweise sogar Werdohlern. Mit dabei sind unter anderem Gustav Hermann Brüninghaus, Fritz Thomée und Eduard Vossloh. Viele der nach Männern benannten Straßennamen haben allerdings nicht einmal einen konkreten Bezug zu Werdohl. Darunter sind zum Beispiel die Goethe- und die Mozartstraße. Interessant ist auch, dass selbst bei Umbenennungen offensichtlich nicht an die Frauen gedacht wurde.

Heiner Burkhardt, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, kann von vier Umbenennungen in der Geschichte der Stadt berichten, bei denen den Straßen ihre Namenspaten aus historischen Gründen wieder genommen wurden: Aus der Adolf-Hitler-Straße wurde die Neustadtstraße, der Hindenburgdamm wurde in Goethestraße umbenannt, die heutige Rudolfstraße war früher die Horst-Wessel-Straße und die Freiheitstraße hieß ursprünglich Kaiserstraße.

Rat entscheidet über Straßennamen

Eine große Mehrheit der Straßen in Werdohl ist allerdings nach Ortschaften und alten Flurbezeichnungen benannt. Wenn eine Straße einen Namen bekommt, ist der Rat der Stadt Werdohl gefragt. In jedem Einzelfall entscheiden die Ratsmitglieder über die neue Bezeichnung. Wie Peter Erwig von der Unteren Bauaufsichtsbehörde erklärt, können da sowohl alte Flurnamen als auch Persönlichkeiten Beachtung finden. Doch nicht immer sei die Entscheidung leicht. „Da habe ich schon die dollsten Sachen erlebt“, sagt Erwig. Es gebe dann immer recht „lustige“ Diskussionen, sagt Erwig.

Vorgaben, nach welchen Kriterien die Straßennamen vergeben werden, gibt es für die Kommunen laut Erwig nicht. „Wir können quasi Namen in eigener Regie erfinden und sind dabei nicht gezwungen, Vorgaben einzuhalten“, sagt er. Auch sei es einer Kommune freigestellt, ob sie eine Straße überhaupt benennen würde. „Wenn dort Häuser stehen, ist es aber natürlich sinnvoll.“

Wie nun tatsächlich die Namen zustande kommen und wo die Vorschläge herkommen, konnte auch Peter Erwig nicht genau erklären, da es kein festes Verfahren gebe. „Früher wurde zum Beispiel in alten Flurkarten nach Namen gesucht und dann ein ähnlicher Vorschlag gemacht. Rein theoretisch kann jeder, der daran interessiert ist, einen Namen vorschlagen. Meistens macht die Kommunalpolitik aber eigene Vorschläge und setzt diese durch“, zählt er einige Möglichkeiten auf. In einer öffentlichen Ratssitzung werde der Straßenname per Mehrheitsbeschluss festgelegt. Meistens komme in diesen Sitzungen jedoch bereits die Kommunalpolitik mit Vorschlägen. „Da findet wohl schon eine Beratung im Vorfeld statt“, überlegt Erwig. Warum sich bisher keine Frauennamen auf den Straßenschildern finden, konnte Erwig nicht beantworten.

Viele Behörden zu informieren

Auf die Suche nach einem Namen macht sich der Rat in den meisten Fällen, wenn ein Baugebiet erschlossen wird. „Dann kommen oft Versorgungsdienstleister und möchten von uns Hausnummern haben, bevor wir überhaupt wissen, wie viele Häuser dort gebaut werden“, erzählt Erwig. Ist ein Name vergeben, wird er verschiedenen offiziellen Stellen mitgeteilt. „Das geht in das übliche Meldesystem ein. Die Kreisleitstelle der Feuerwehr, die Behörden und viele mehr werden informiert. Das zieht einen ganzen Rattenschwanz nach sich.“

Aber, wie auch in der Vergangenheit Werdohls zu sehen ist, bedeutet ein einmal vergebener Straßenname nicht, dass er für immer bleibt. Laut Erwig würden Umbenennungen jedoch nur in Ausnahmefällen durchgeführt. „Das bedeutet besonders für die Anwohner einen hohen Aufwand“, sagt er. Manchmal würden Anwohner aber auch eine andere Adresse beantragen. „Wenn ich postalisch zum Beispiel in der Meierstraße 1 wohne, das Haus aber nur über die Müllerstraße zu erreichen ist, dann prüfen wir das und wenn es möglich ist, kann die Adresse geändert werden“, erklärt Erwig.

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