Straftat: Polizisten mit „Du“ angeredet

WERDOHL -   Als empfindsamer Zeitgenosse zeigte sich ein Polizist, der am 4. August 2013 einen 24-jährigen Werdohler wegen Beleidigung anzeigte. Der junge Mann hatte ihn mit einer Wortwahl geärgert, die hier ausnahmsweise einmal zitiert werden soll: „Ey, Alter, was willst Du denn?!“

Im Amtsgericht rechtfertigte der Angeklagte das Duzen des Beamten damit, dass dieser ihn zuvor ebenfalls geduzt habe. Selbst der Staatsanwalt musste zugeben, dass diese Straftat „am unteren Ende dessen lag, was mit Strafe belegt ist“. Dennoch forderte er unverdrossen eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro: „Das ist nicht die Diktion, mit der man auf die Ansprache eines Polizisten reagieren sollte.“ Aufhorchen ließ ein weiterer Satz des Staatsanwalts: „Gefängnis wäre recht und billig.“ Denn der Angeklagte war töricht genug gewesen, in der Vergangenheit einige kleine Bewährungsstrafen zu sammeln, von denen eine noch nicht erlassen war. Rein formal hätte die Beleidigung als Bewährungsversagen gewertet werden können, was den Widerruf der Bewährung zur Folge hätte haben können. Das aber blieb vernünftigerweise nur hypothetisch. Richter Dirk Reckschmidt folgte dem Antrag des Staatsanwaltes und entzog dem jungen Familienvater und seiner dreiköpfigen Familie, die von Sozialhilfe leben, weitere 900 Euro. Und er mahnte: „Wenn Sie Ihr Kind aufwachsen sehen wollen, sollten Sie sich am Riemen reißen!“

Von Thomas Krumm

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