Strafantrag löst bei Werdohler blankes Entsetzen aus

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Illustration Gericht

Werdohl - Blankes Entsetzen löste der Strafantrag der Amtsanwältin bei einem 39-jährigen Werdohler aus: Vier Monate ohne Bewährung – nein, das würde ihm alles kaputtmachen, was er sich durch den Verzicht auf Drogen und die Teilnahme an einem Substitutionsprogramm aufgebaut habe.

„Ich kann nicht wieder in den Knast gehen“, sagte der Werdohler. Trotz vieler Vorstrafen des Angeklagten sah auch Richter Dirk Reckschmidt positive Ansätze bei dem 39-Jährigen und setzte die vier Monate Haft zur Bewährung aus. Dem verschloss sich letztlich auch die Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft nicht: Sie verzichtete wie der Angeklagte auf weitere Rechtsmittel.

Was aber hatte den 39-Jährigen ins Amtsgericht Altena gebracht? Es war der Diebstahl von 80 Euro im Bistro Baroque am Brüninghaus-Platz. „Ich bin an seinen Trolley gegangen und habe das Geld herausgenommen“, gestand der Angeklagte ohne jegliches Herumeiern. Dass der Beklaute es ebenfalls nicht so ganz leicht hatte, deutet schon der erwähnte Transport-Trolley in seiner Begleitung an. „Tut mir leid“, entschuldigte sich der Angeklagte beim Opfer des Diebstahls und überreichte ihm noch im Gerichtssaal 100 Euro Schadensersatz.

Der Zeuge freute sich, mahnte eine „Besserung“ an und lobte ihn: „Anständig war er im Grunde genommen doch.“ Die Begründung war ein bisschen nachvollziehbar: Der Dieb habe immerhin 20 Euro in der ansonsten geplünderten Geldbörse zurückgelassen.

Richter Dirk Reckschmidt würdigte die – letztlich überzeugendere – Zahlung der 100 Euro: „Wir nehmen die Schadenswiedergutmachung positiv zur Kenntnis.“ Zuvor hatte schon die Polizei 65 Euro aus der Beute in der Wohnung des Angeklagten sichergestellt. Sie verblieben als weitere Buße in der Staatskasse.

Das reich gefüllte Vorstrafenkonto des Angeklagten ließ sich nicht leicht aus der Welt schaffen, was den Antrag einer vollstreckbaren Haftstrafe durchaus nachvollziehbar erscheinen ließ. „Das war einfach sch…, was ich gemacht habe“, zeigte er sich einsichtig.

Der Richter verband die Aussetzung der Strafe zur Bewährung ebenfalls mit eindringlichen Ermahnungen des Diebes: „Sie haben so viel abgesessen wegen Diebstahls. Es muss endlich Feierabend sein.“ Dem Angeklagten fiel sichtlich ein riesiger Stein vom Herzen, und er versicherte: „Alles gut.“

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