„Stollen erst an den Feiertagen“: Bräuche in der Weihnachtszeit

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Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski präsentiert die 762-Seitige Bibel von 1567.

Werdohl - Wie sich die Bräuche in der Weihnachts- und Adventszeit über die Jahrhunderte verändert haben, zeigt ein Blick in die Landeskundliche Bibliothek des Märkischen Kreises.

Vor 300 Jahren kam die Familie noch an den Adventssonntagen zusammen und begann sich besinnlich auf Weihnachten vorzubereiten. Es wurde gesungen und gemeinsam gebastelt – zum Beispiel Strohsterne. Adventslieder, wie „Macht hoch die Tür“ sangen die protestantischen Märker im 18. Jahrhundert aus dem offiziellen Gesangbuch der Grafschaft Mark – dem „Kern und Marck geistlicher Lieder“. Das Gesangbuch gehörte in jedem protestantischen Haushalt zum Inventar. 

Gesangbuch mit mehr als 500 Liedern 

„Um in den Kirchen ein einheitliches Liedgut zu schaffen, wurde 1717 ein für alle lutherischen Gemeinden geltendes Gesangbuch eingeführt“, berichtet die Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski von der Geschichte des Märkischen Gesangbuchs. Mit mehr als 500 Seiten waren Lieder für alle Anlässe des Kirchenjahres vertreten. 1785 wollte der preußische König, dem die Grafschaft Mark unterstand, ein neues Liederbuch einführen, „was sich die Märker nicht gefallen ließen“. Es wurde ein Flop, denn am ersten Adventssonntag kam es zum Eklat: In der lutherischen Kirche in Altena sangen die Besucher des Gottesdienstes demonstrativ aus dem alten Buch. Der Protest zog weite Kreise, bis aus Berlin die Anordnung kam, dass die Märker ihr geliebtes „Kern und Marck“ behalten durften. Dennoch löste das überregionale „Evangelische Gesangbuch“ im 19. Jahrhundert das Märkische ab. 

Die reformierten Gemeinden hatten ihre eigene Ausgabe: Das allgemeine Kirchengesangbuch von Lobwasser. 

Ledergebundene Altarbibel von 1567

Passend zur weihnachtlichen Tradition zeigt die Archivarin auch ein besonders wertvolles Stück der Bibliothek: Eine ledergebundene Altarbibel aus Altena, die 1567 gedruckt wurde. Auffallend: „Die Weihnachtsgeschichte ist ohne kunstvolle Holzschnitte dargestellt, wie sie vergleichsweise im Alten Testament zur Illustration benutzt worden sind“, so Todrowski. Die Kreuzigung Jesu hatte in früheren Zeiten einen höheren Stellenwert, als die Weihnachtsgeschichte. Dennoch wurde früher wie vor Ostern in der Adventszeit gefastet. 

Viele Weihnachtsbräuche, wie das adventliche Singen im Familienkreis, entwickelten sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Die Trennung von Advent und Weihnachten war allerdings klar erkennbar, denn beispielsweise „Stollen oder Marzipan gab es damals – als etwas sehr Besonderes – erst an den Feiertagen selbst“, hebt Todrowski die Unterschiede hervor. Heutzutage scheint das undenkbar, wo schon ab September Weihnachts-Leckereien erhältlich sind.

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