Wo ist die Bürgermeisterin

Stilles Ende der Amtszeit: Stadtoberhaupt abgetaucht

Bürgermeisterin Silvia Voßloh hat die Wahlniederlage, aber auch der Umgang ihrer Partei mit ihr offensichtlich tief getroffen.
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Bürgermeisterin Silvia Voßloh hat die Wahlniederlage, aber auch der Umgang ihrer Partei mit ihr offensichtlich tief getroffen.

Sieben Tage dauert die Amtszeit von Bürgermeisterin Silvia Voßloh noch. Am 31. Oktober wird für sie Tatsache, was die Wähler schon am 13. September entschieden haben: An der Spitze von Rat und Verwaltung soll die CDU-Frau durch Andreas Späinghaus (SPD) abgelöst werden. Öffentlich wahrgenommen hat man die 54-Jährige  – abgesehen von einem Termin am vergangenen Dienstag – aber schon seit Wochen nicht mehr.

Werdohl ‒Silvia Voßloh ist nach der verlorenen Wahl abgetaucht. Für die letzte Ratssitzung in ihrer Amtszeit meldete sie sich krank, anschließend ging sie in den Urlaub, um sich dann erneut krank zu melden.  Jetzt hat sie bis zum Ende ihrer Amtszeit wieder Urlaub. Sogar im christlichen Hauskreis, dem sie angehört und in dem sie nach eigener Aussage oft Kraft für ihren Alltag geschöpft hat, habe sie sich nicht mehr blicken lassen, ist zu hören. Ihr Nachfolger Andreas Späinghaus soll sie zu einem Übergabegespräch gedrängt haben müssen. Ob all das stimmt – man weiß es nicht genau. Denn auch Presseanfragen lässt Silvia Voßloh seit Wochen unbeantwortet.

Ihre Abwahl muss die Bürgermeisterin tief getroffen haben. Am Wahlabend, als sich die Niederlage abzeichnete, war sie bemüht, eine Fassade aufrecht zu erhalten, versuchte, die für sie schlechten Zahlen tapfer wegzulächeln. Es werde sich schon eine neue Tür für sie öffnen, sagte sie etwas hilflos. Dass da jemand saß, der Unterstützung und Zuspruch hätte gebrauchen können, haben ihre Parteifreunde aus der CDU offenbar nicht erkannt. Zumindest am Wahlabend haben sie Silvia Voßloh mit ihrer Wahlniederlage allein gelassen.

„Sachliches Gespräch“ geführt

Nach der Wahl „am Montag oder Dienstag“ habe er sie angerufen, erklärt Fraktionschef Stefan Ohrmann auf Nachfrage. „Wir haben uns darüber ausgetauscht, was die Wahlniederlage für sie bedeutet. Es war ein sachliches Gespräch“, berichtet Ohrmann. Vielleicht war ein sachliches Gespräch aber nicht das, was die gerade abgewählte Bürgermeisterin in diesem Moment brauchte. Ein weiteres Gespräch habe er ihr angeboten, dazu sei es aber nicht mehr gekommen, sagt Ohrmann: „Zuerst war sie krank, dann hat sie mitgeteilt, dass es keinen Gesprächsbedarf mehr gebe.“

Austritt aus der CDU

Silvia Voßloh ist offensichtlich gekränkt. Anders ist es kaum zu erklären, dass sie mittlerweile ihre Mitgliedschaft in der CDU gekündigt und damit die Verbindung zu der Partei gekappt hat, die sie mutmaßlich nach ihrem Empfinden unmittelbar nach der Wahl hat im Regen stehen lassen. Genau weiß man das nicht, denn Silvia Voßloh äußert sich auch dazu nicht. Nicht gegenüber der Presse, aber wohl auch nicht gegenüber der Parteiführung. Der Stadtverbandsvorsitzende Detlef Seidel („Das war sicherlich eine kurzfristige Reaktion.“) kann sich Voßlohs Abkehr ebenso wenig erklären wie Fraktionschef Ohrmann („Sie hat mit mir nicht darüber gesprochen.“).

„Keine Marionette der Fraktion“

Dass etwas vorgefallen wäre, das Voßlohs Bruch mit der CDU erklären könnte, daran können sich weder Seidel noch Ohrmann erinnern. Immerhin deuten sie an, dass man nicht immer einer Meinung gewesen sei. „Sie war – anders, als das oft behauptet wurde – keine Marionette der Fraktion. Sie hat in den Fraktionssitzungen immer ihre Meinung gesagt“, gibt Ohrmann einen Einblick in das Innenleben der Fraktion. Öffentlich wahrnehmbar wurde das freilich erst im letzten Jahr ihrer Amtszeit, beispielsweise, als sich Voßloh entgegen der bisherigen Marschroute der CDU für die Schließung der Realschule und gegen ein Investorenmodell für den Bau der Feuerwehrgerätehäuser aussprach.

Kein Pensionsanspruch

Jetzt endet Voßlohs Amtszeit. Das ist für sie zweifellos ein finanzieller Verlust, denn als Bürgermeisterin hat sie in der Besoldungsgruppe B3 einen sehr hohen vierstelligen Bruttobetrag verdient. Pensionsansprüche hat sie in sechs Jahren auch noch nicht erworben, dafür hätte sie mindestens acht Jahre im Amt bleiben müssen. Ihre Altersversorgung aus dem Pensionsfonds wird irgendwann ihrer gesetzlichen Rentenversicherung gutgeschrieben.

Voßloh selbst hat alle Türen zur Politik hinter sich zugeschlagen und hofft nun darauf, dass sich andere Türen öffnen. Sie habe keinen Plan B, hatte sie unmittelbar nach der verlorenen Wahl bekannt. Den gilt es aber für sie nun zu entwickeln.

KOMMENTAR

Auch der letzte Eindruck zählt
Wo ist eigentlich Silvia Voßloh? Diese Frage haben sich in den vergangenen Wochen viele gestellt. Gut, jemand, die sich ins Licht der Öffentlichkeit gedrängt hat, war Werdohls Bürgermeisterin eigentlich nicht. Doch es gab durchaus Termine, bei denen sie sich gerne gezeigt hat, die für sie nicht nur Pflichttermine waren. Seit ihrer verlorenen Bürgermeisterwahl am 13. September sind die an einer Hand abzuzählen. Sogar die letzte Ratssitzung ihrer Amtsperiode hat sie verpasst, offiziell krankheitsbedingt. Das mag stimmen, aber das Gesamtbild, das Silvia Voßloh in den letzten Wochen ihrer Amtszeit abgibt, lässt daran Zweifel aufkommen.

Die Bürgermeisterin ist regelrecht abgetaucht, nachdem feststand, dass Andreas Späinghaus sie am 1. November auf dem Chefsessel des Rathauses ablösen würde. Doch warum eigentlich? Weil sie die Wahl verloren hat? Das kann passieren, das ist ein demokratischer Vorgang, wenn zwei oder mehr Kandidaten gegeneinander antreten. Allerdings hatte Silvia Voßloh allem Anschein nach nicht im entferntesten damit gerechnet. Das war blauäugig. Offensichtlich hat sie sich in ihren Aussichten auf einen Erfolg bei dieser Abstimmung der Wähler getäuscht. Die Ent-Täuschung war anschließend wohl umso bitterer. Das ist menschlich verständlich.

Wie Silvia Voßloh aber öffentlich mit der Wahlniederlage umgegangen ist, war unprofessionell. Immerhin wird sie noch bis zum 31. Oktober vom Steuerzahler dafür entlohnt, dass sie die Stadt repräsentiert und die Verwaltung leitet. Das hat sie aber seit Wochen, wenn überhaupt, nur noch sporadisch getan. Sie hat sich zurückgezogen, vielleicht, weil sie sich als Verliererin sieht und sich als solche nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen will. Doch ist diese Sichtweise richtig?

Ja, Silvia Voßloh hat die Wahl, eine für sie persönlich wichtige Wahl, verloren. Aber sie hat sich nichts vorzuwerfen. Sie hat keine Bäume ausgerissen und Werdohl nicht umgekrempelt, was angesichts der schwierigen (finanziellen) Begleitumstände auch kein Wunder ist. Sicherlich ist ihr nicht alles gelungen. Sie hat auch Fehler gemacht. Wer könnte von sich behaupten, dass er keine Fehler macht? Sie hat ihr Amt gewissenhaft, wenn auch unspektakulär ausgeübt. Sie könnte an ihrem letzten Arbeitstag erhobenen Hauptes aus dem Haupteingang des Rathauses gehen, doch sie hat einen anderen Weg gewählt. Silvia Voßloh nimmt, symbolisch gesprochen, den Hinterausgang. Das hat sie nicht verdient.

Es sei der erste Eindruck, der entscheidend sei für das Bild, das man sich von einem Menschen macht, heißt es. Im Fall von Silvia Voßloh ist es aber auch der letzte Eindruck, der zählt. Und der ist nicht wirklich gut. ‒ VOLKER GRIESE

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