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Sternsinger nach Corona-Pause unterwegs: Kostümprobe gleicht Generalprobe

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Von: Michael Koll

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Leyla Varli, Emilia Ashadi und Letizia Nöbel sind bereits erfahrene Sternsinger.
Leyla Varli, Emilia Ashadi und Letizia Nöbel sind bereits erfahrene Sternsinger. © Koll

Eine angespannte Atmosphäre liegt in der Luft: Im großen Pfarrsaal der katholischen St.-Michael-Gemeinde sitzen 30 Mädchen und Jungen aufgeregt an den Tischen. Aufgeteilt sind sie in neun Gruppen, in denen sie als Sternsinger am Samstag, 7. Januar, durch die Straßen der Stadt ziehen werden.

Werdohl – Bedingt durch die zwei Corona-Jahre sind viele der Kinder und Jugendlichen noch unerfahren in dieser christlichen Tradition. Das hat zur Folge, dass die Kostüm-Anprobe an diesem Mittwoch, bei der auch die Liedtexte einstudiert werden, wie eine Generalprobe in einem Theater wirkt. Das Lampenfieber der Akteure ist beinahe mit Händen greifbar.

Ein wenig gelassener als der Rest ist Nevio Schmidt. Der Elfjährige hat bereits vor der Pandemie erste Erfahrungen als Sternsinger gesammelt und weiß, was auf ihn zukommt. Die verbleibende Nervosität nimmt er gerne in Kauf, „denn so kann ich Kindern, die arm sind, helfen“. Nevio unterstreicht: „Ich möchte ihnen etwas Gutes tun, weil es mir selbst so gut geht.“

Liam Jones, Philipp Stryz und Finn Jones sind Neulinge bei den Sternsingern.
Liam Jones, Philipp Stryz und Finn Jones sind Neulinge bei den Sternsingern. © Koll

Genauso sieht das auch Liam Jones. Der Achtjährige steht zwar vor seiner Sternsinger-Premiere, doch hat er seinen Zwillingsbruder Finn an seiner Seite. Der sagt: „Das macht ja auch einfach Spaß.“

Mit den beiden wird am Wochenende der gleichaltrige Philipp Stryz durch Werdohler Straßen ziehen. Sie werden – wie jede andere Gruppe auch – etwa bei zwölf Haushalten klingeln. Das ist für Grundschüler ein strammes Pensum.

Entschädigt werden sie dabei sicherlich durch die strahlenden Augen derjenigen, die ihnen die Tür öffnen. Dessen ist sich der achtjährige Philipp bewusst. Und so gibt er an, dass seine Motivation sei, „dass ich Menschen fröhlich machen möchte“.

Möglichst bunt

Eine Dreier- oder Viergruppe nach der anderen wird aus dem Pfarrsaal ins benachbarte Jugendheim der Pfarrei gerufen. Dort – ganz oben unter dem Dach – suchen sie sich ihre Kostüme aus einem reichhaltigen Fundus aus: Zum farbigen Umhang gehören eine Mütze, ein Turban oder eine Krone. Manche werden am Samstag auch einen Stern mit sich tragen. Einzige Vorgabe für die Kinder: Alle in ihrer Gruppe sollen unterschiedliche Farben tragen, damit ihr Auftritt möglichst bunt wird.

Die nächsten, die sich ihre Sternsinger-Kleidung zusammenstellen dürfen, sind Letizia Nöbel, Emilia Ashadi und Leyla Varli. Die drei Freundinnen sind allesamt zehn Jahre alt und haben diese Prozedur bereits 2019 schon einmal erlebt. Wie Nevio nehmen auch sie zum zweiten Mal an dieser Januar-Traditon teil. Entsprechend schnell gelingt es den Mädchen, ihre Gewänder für den Rundgang durch die Gemeinde im Klamotten-Fundus zu finden. Blau, grün und rot sind die Farben, die sie dafür ausgesucht haben.

Gruppe gewachsen

Als den an der karitativen Aktion interessierten 5- bis 15-Jährigen im vorigen Monat an selber Stelle ein Film über Gleichaltrige aus Indonesien gezeigt wurde, die unter anderem von der diesjährigen Sammlung unterstützt werden sollen, waren es erst 23 angehende Sternsinger. Die Gruppe ist seither noch einmal gewachsen.

Ob neu oder alter Hase: Sie alle werden am Samstag von Haus zu Haus ziehen, um als Caspar, Melchior und Balthasar den Segen in die katholischen Haushalte zu tragen. Und am Sonntag werden sie für diesen Winter letztmalig ihre Gewänder überstreifen, wenn sie sich der Gemeinde im Gottesdienst präsentieren. Bis dahin liegen aber noch einige aufregende Stunden vor ihnen.

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