Stellwerk am Werdohler Bahnhof wird abgerissen

+
Das Ende des Werdohler Stellwerkes heißt Abbruch.

WERDOHL ▪ Als es vor 48 Jahren errichtet und in Betrieb genommen wurde, gehörte es zu den modernsten Anlagen seiner Zeit – das Stellwerk der Bahn am Rande des Industriegebietes Steinwerth. Jetzt wird es abgerissen, damit Platz für einen Lkw-Zubringer für die Firma Georg Fischer geschaffen werden kann.

Für Friedrich Wilhelm Mentzel von der Interessengemeinschaft „Erhaltet den Werdohler Bahnhof“ ist das eine Entwicklung, die er mit großer Wehmut zur Kenntnis nimmt. Nachdem die beiden alten Stellwerke am Ende des Bahnsteiges und an der Kommandobrücke durch die neue Anlage ersetzt worden waren, hatte er hier vor 46 Jahren seinen Arbeitsplatz eingenommen.

„Schweren Herzens“, so sagt er, habe er deshalb verfolgen müssen, wie die Abbruchbagger zu Werke gingen. Mancher Eisenbahnfreund, so seine Vermutung hätte sicher gern noch einmal einen Blick in die „Kommandozentrale“ dieses Stellwerkes geworfen – doch das geht nun nicht mehr.

Schon im Herbst vor vier Jahren war der Dienst im Stellwerk Werdohl eingestellt worden. Der Fahrdienstleiter, der die Weichen für den Zugverkehr im Bereich Werdohl zu stellen hatte, war überflüssig geworden. Im Rahmen der Modernisierung und Rationalisierung wurden die Züge auf der Ruhr-Sieg-Strecke durch das Lennetal und auf allen Nebengleisen hinfort zentral von Finnentrop aus geleitet, wo bereits 2002 das elektronische Zeitalter Einzug gehalten hatte.

Die Entwicklung für den Job des Fahrdienstleiters verlief im Laufe der Jahrzehnte rasant. Mussten die Weichen früher mit Hebeln über Seilzüge von Hand gestellt werden, so wird der Zugverkehr inzwischen von Drucktastenstellwerken geregelt. Stand der Fahrdienstleiter zunächst vor einem Tisch, auf dem der Streckenverlauf in seinem Abschnitt abgebildet war und per Tastendruck Entscheidungen gefällt wurden, so läuft inzwischen alles vollelektronisch – per Bildschirm und Mausklick.

Damit konnten größere Streckenabschnitte gesteuert werden; viele Stellwerke wurden überflüssig, darunter eben auch Werdohl. Abgesehen vom erhöhten technischen Standard war mit der Neuorganisation auch eine Personaleinsparung verbunden.

In Werdohl waren von der Maßnahme der Bahn 17 Mitarbeiter betroffen. Im Mai 2006 hieß es zu diesem Kapitel aber seinerzeit von der Pressestelle, niemand werde entlassen. „Die Kollegen, die im Werdohler Stellwerk arbeiten, werden stattdessen an anderen Stellen bei der Bahn eingesetzt“, hieß es. Was aus dieser Zusage geworden ist, hat niemand nachgehalten. ▪ -ka

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare