Steinbruch Kleinhammer: Vorräte auch in 20 Jahren nicht erschöpft

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Das stark strukturierte Betriebsgelände des Steinbruchs Kleinhammer weist große Höhenunterschiede auf: Es erstreckt sich von 270 bis 410 Meter über Normalnull.

Werdohl - Eine Waschanlage für Lkw-Reifen, eine neue Brecheranlage und weitere Zufahrten auf die obere Abbausohle innerhalb des Steinbruchgeländes: Auch nachdem die Holcim Beton und Zuschlagsstoffe GmbH den Grauwackesteinbruch in Kleinhammer übernommen hat, wurden dort mehrere große Investitionen getätigt.

Momentan ist es im Steinbruch ungewöhnlich ruhig: Zwei Monate stehen die Maschinen in diesem Winter still, umfangreiche Wartungsarbeiten werden durchgeführt. Die Zahl der Lastwagen, die im Steinbruch beladen werden, ist entsprechend gering. „Diese Wartungsarbeiten müssen von langer Hand geplant werden“, sagt Werksleiter Marcin Porzucek. 

Bereits im September seien Gewerke bestellt und Kundenabsprachen getroffen worden. Die Kosten für diese „Winterreparaturen“ lägen im fünf- bis sechsstelligen Bereich, ergänzt Andreas Richter, Projektleiter für die Bereiche Lagerstätten, Genehmigungen und Umweltschutz in der Region West. 

Reifenwaschanlage in den Hang gebaut 

Zudem würden in Kleinhammer fast in jedem Jahr Großprojekte verwirklicht, berichtet Wolfgang Wagner, Produktionsleiter für die Region West. Beispielsweise die Reifenwaschanlage für Lastwagen, die im vergangenen Jahr in Betrieb genommen wurde. 

„Mehr als 450.000 Euro hat Holcim in diese Anlage investiert“, stellt Wagner fest. Unter anderem hatten Platzgründe für die relativ hohen Baukosten gesorgt: Die Reifenwaschanlage musste in den Hang hinein gebaut werden. 

Um das zu bewerkstelligen war die Errichtung einer 57 Meter langen Spundwand erforderlich, die bis zu sechs Meter in den Fels hinein ragt. Der Staub und Dreck, der nach dem Beladen an den Lastwagen hängt, bleibe jetzt auf dem Steinbruchgelände: Acht starke Pumpen sorgen dafür, dass 14.000 Liter Wasser pro Minute auf die Bereifung gespritzt werden. 

Die neue Lkw-Reifenwaschanlage: Acht Pumpen sorgen für 14 000 Liter Wasser pro Minute. Der Druck ist nicht hoch, damit Öl und Bremsstaubrückstände am Fahrzeug haften bleiben.

Die Düsen sind so angeordnet, dass auch die Profile gesäubert werden, während die Lastwagen durch die Anlage rollen. „Aus Umweltschutzgründen, damit Fett und Bremsstaubrückstände nicht abgespült werden, ist der Druck nicht besonders hoch“, erklärt Andreas Richter. 

Bevor die Fahrzeuge wieder auf die Straße rollen, passieren sie ein Abtropfgitter. So soll verhindert werden, dass größere Mengen Wasser auf die Fahrbahn gelangen. Das benutzte Wasser bleibt im geschlossenen System: Es passiert mehrere Becken, damit sich die abgespülten Partikel absetzen, und wird dann erneut zur Reifenreinigung genutzt. 

Zufahrtstraße viel sauberer

„Zwei bis drei Mal pro Jahr wird das Schlammbecken geleert“, berichtet Marcin Porzucek. Seitdem die Lastwagen auf dem Gelände gesäubert werden, sei die Zufahrtstraße zum Steinbruch sehr viel sauberer; die Situation habe sich um 90 Prozent gebessert – obwohl davor mindestens zwei Mal täglich eine beauftragte Kehrmaschine im Einsatz gewesen sei. 

Marcin Porzucek: „Aber wenn danach wieder mehrere Lastwagen gefahren waren, war die Straße eben doch wieder verschmutzt.“ Immerhin werde der Steinbruch an jedem Produktionstag im Durchschnitt von 100 bis 150 Lastwagen angesteuert, berichtet der Werksleiter. 

Erheblicher Aufwand für Aufgaben

Eine weitere große Summe – mehr als 400.000 Euro – hat das Unternehmen in die Infrastruktur im Steinbruch investiert: Außerhalb des eigentlichen Abbaugeländes mussten neue Fahrwege angelegt werden. „Die Genehmigungen dafür lagen schon seit vielen Jahren vor“, erklärt Wolfgang Wagner. 

Auch diese Arbeiten waren mit erheblichem Aufwand verbunden. Bäume mussten gefällt werden, teilweise waren Sprengarbeiten erforderlich, um die Wege in den Hang hinein bauen zu können. „Wo Felsen waren, sind wir natürlich mit dem Bagger nicht mehr weiter gekommen“, stellt Andreas Richter fest. 

Eine „ordentliche Energieeinsparung“, so beschreibt Wagner, habe der Konzern durch den Austausch der Vertikalbrecheranlage erzielt. Die alten Brecher, Baujahr 1992 und 1967, hätten zusammen 400 Kilowattstunden verbraucht, die neue Anlage benötige 320 Kilowattstunden. „Das senkt die Betriebskosten und kommt der Umwelt zugute“, stellt der Produktionsleiter fest. 

Marcin Porzucek, Wolfgang Wagner und Andreas Richter (von links) vor der neuen Lkw-Reifenwaschanlage.

Zudem sorge das neue Brechsystem für eine noch bessere Materialqualität. „Die Steine reißen im neuen Brecher an ihren natürlichen Schwachstellen“, erläutert Werksleiter Porzucek. Folglich sei das fertige Produkt qualitativ noch hochwertiger als bisher. 

Der neue Brecher ist natürlich komplett eingehaust, um die Lärm- und Staubentwicklung so gering wie möglich zu halten. Hinzu komme, dass im Rahmen des neuen Systems Reparaturarbeiten einfacher ausgeführt werden könnten. Circa 300.000 Euro seien in die neue Anlage geflossen. 

„Eine lohnende Investition“, fasst Andreas Richter zusammen – und blickt in die Zukunft des Steinbruchs Kleinhammer: Die Reichweite der genehmigten Vorräte belaufe sich auf fast 20 Jahre. „Die Grauwacke-Vorräte sind dann aber noch nicht erschöpft“, stellt er fest. 

Wasserbausteine für Dortmund-Ems-Kanal 

Mit dem Material, das im Steinbruch Kleinhammer abgebaut wird, werden nicht nur Straßen gebaut. „Wir haben beispielsweise innerhalb von drei Jahren 520.000 Tonnen Wasserbausteine für den Dortmund-Ems-Kanal geliefert“, berichtet Marcin Porzucek. 

Die Gabionen, die als Sicht- und Lärmschutz an der A 46 in der Nähe von Nuttlar im Hochsauerlandkreis dienen, sind ebenfalls mit Steinen aus Kleinhammer bestückt: 27.000 Tonnen Material seien für dieses Projekt innerhalb eines Jahres geliefert worden.

Zur Information

Anfang 2015 hat die Holcim Deutschland GmbH den Steinbruch Kleinhammer von der Cemex Kies & Splitt GmbH übernommen. Die Holcim Deutschland GmbH ist nach eigenen Angaben einer der führenden Baustoffhersteller Deutschlands und eine Tochtergesellschaft des weltweit führenden Baustoffkonzerns LafargeHolcim Ltd, Jona/Schweiz. 

Die Unternehmensgruppe beschäftigt circa 1800 Mitarbeiter an mehr als 130 Standorten in zwölf Bundesländern sowie in den Niederlanden. In NRW ist der Baustoffproduzent Holcim heute mit einem Zementwerk (Beckum), zwei Mahl- und Mischwerken für Zement (Dortmund, Duisburg-Schwelgern), 29 Transportbetonwerken, Betonpumpen, fünf Kieswerken am Niederrhein und zwei Steinbrüchen (Kleinhammer und Hagen-Ambrock) sowie einer eigenen Schiffs-Verladeanlage für Gesteinskörnungen im Hafen Dortmund vertreten.

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