Nachfrage höher als Angebot

Steigende Immobilienpreise 2021? So ist der Trend in Werdohl

Ein Passant betrachtet Angebote in einem Schaufenster eines Immobilienmaklerbüros. Die Auswahl ist gerade nicht besonders groß, die Preise steigen.
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Ein Passant betrachtet Angebote in einem Schaufenster eines Immobilienmaklerbüros. Die Auswahl ist gerade nicht besonders groß, die Preise steigen.

Im März wird der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Märkischen Kreis den Grundstücksmarktbericht für das Jahr 2021 veröffentlichen. Was schon jetzt absehbar ist: Die Preise für bebaute Grundstücken, insbesondere bei Ein- und Zweifamilienhäusern, sind spürbar gestiegen. Ein Blick nach Werdohl.

Werdohl – Mit dem Anstieg der Preise wird sich ein Trend der vergangenen Jahre fortsetzen. „Wir stellen seit mehreren Jahren steigende Preise fest, insbesondere bei den Ein- und Zweifamilienhäusern. Auch die Bodenrichtwerte, also der Maßstab für die Grundstückspreise pro Quadratmeter, werden nach einer längeren Zeit der Stagnation wahrscheinlich steigen“, sagt Holger Peters, Diplom-Ingenieur für Vermessungswesen und Geschäftsführer des Gutachterausschusses.

Der seit längerer Zeit in den Ballungsgebieten zu beobachtende Trend erfasse aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage nach Wohnraum nun auch die ländlichen Regionen. Holger Peters stellt allerdings klar: „Wir blicken nicht in die Glaskugel, sondern reflektieren den Markt, in diesem Fall rückblickend das Jahr 2020.“ Dabei sei auch festzustellen: Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben im vergangenen Jahr keinen negativen Einfluss auf die Nachfrage und die Preise gehabt.

Und wie sieht die Situation auf dem Immobilienmarkt in Werdohl aus? Die Redaktion hat bei zwei großen Immobilienmaklern in der Stadt nachgefragt. Der Werdohler Immobilienmarkt habe, ähnlich wie im restlichen Märkischen Kreis, eine wesentlich höhere Nachfrage als das Angebot, berichten Claus Kolberg von Kolberg Immobilien und Hakan Cici von Cici Immobilien. Besonders Ein- und Zweifamilienhäuser seien gefragt, sagen beide, Cici stellt auch eine hohe Nachfrage nach Eigentumswohnungen fest.

„Wir hätten jede Immobilie, die wir in der jüngsten Vergangenheit auf dem Markt angeboten habe, gleich mehrfach verkaufen können“, sagt Kolberg, was sein Kollege Cici bestätigt: „Schöne Wohnimmobilien gehen derzeit weg wie warme Semmeln“, berichtet er aus seinem Geschäftsalltag.

Gleichzeitig hätten sich die Preise nach oben entwickelt, stellen beide Makler übereinstimmend fest. Cici spricht davon, dass der Kaufpreis für Wohnimmobilien um rund 30 Prozent gestiegen sei: „Wenn man vor ein paar Jahren in Werdohl noch für 100 000 bis 150 000 Euro eine gute Gebrauchtimmobilie kaufen konnte, muss man jetzt schon mit 180 000 bis 220 000 Euro rechnen.“ Hakan Cici führt das zumindest in Teilen auf die Corona-Pandemie zurück. Aus Angst vor einer Geldentwertung investierten die Menschen gerade in Aktien und Sachwerte – und eben in Immobilien.

Cici glaubt, dass der Markt derzeit zwar vielleicht etwas überhitzt, die Entwicklung aber noch nicht am Ende ist: „Die Preisrallye hat gerade erst begonnen.“ Kolberg glaubt zumindest, dass das Preisniveau „so schnell nicht wieder sinken wird“. Allerdings rechnet er, etwas anders als Cici, auch nicht damit, dass die Immobilienpreise weiterhin stark steigen werden, wenn die Banken irgendwann wieder höhere Darlehenszinsen verlangen.

Der Kaufpreis einer Immobilie hänge in Werdohl wie überall von den gleichen Kriterien ab, betonen die Makler. Wichtig sei vor allem die Lage, erklären sie. Zwar sei Werdohl in der Vergangenheit geschrumpft und er sei auch überzeugt, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen sei. Und spätestens mit der Schließung des WK Warenhauses habe die Innenstadt auch „enorm an Attraktivität verloren“, meint Kolberg.

„Schöne Wohnlagen und auch die Innenstadt werden aber immer gefragt bleiben“, ist Kolberg allerdings überzeugt. Cici sieht das ganz ähnlich, stellt aber auch fest, dass sich mittlerweile auch zunehmend Interessierte für Immobilien jenseits der Top-Lagen finden. Und die Nachfrage komme keineswegs nur aus dem heimischen Raum, stellt Cici fest. Bei ihm meldeten sich auch viele Menschen aus dem Ruhrgebiet oder dem Kölner Raum, die auf der Suche nach einer bezahlbaren Immobilie in nicht zu großer Entfernung von der Autobahn seien, berichtet er. „Die nehmen dann auch gerne die Pendelfahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz in Kauf.“

Was nach den Erfahrungen von Claus Kolberg in Werdohl fehlt, sind Immobilien für ältere Menschen. „Wir stellen ein großes Interesse an seniorengerechtem Wohnen in der Innenstadt fest“, berichtet der Makler und bedauert, diese Nachfrage nicht befriedigen zu können. Das bestätigt auch Hakan Cici, der sagt: „Es fehlen altengerechte Wohnungen in Zentrumsnähe.“

Eine ähnliche Feststellung trifft Holger Peters vom Gutachterausschuss mit Blick auf den gesamten Kreis: „Was fehlt, sind altersgerechte, barrierefreie Wohnungen sowie Wohngruppen, in denen Jung und Alt zusammenleben.“ Darüber hinaus mangelt es nach Ansicht von Hakan Cici an hochwerten Gebrauchtimmobilien in guten Lagen.

Infos im Netz
Weitere Zahlen, Daten und Fakten zum Gutachterausschuss sowie zu den Bodenrichtwerten im Märkischen Kreis stehen gebündelt im Internet: www.gars.nrw/maerkischer-kreis

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