Haftungsfrage scheinbar geklärt

Stamm verfehlt Hauswand um Haaresbreite: Viel Ärger um einen morschen Baum

Es fehlte nicht viel, dass der Baumstamm in die Hauswand gekracht wäre.
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Es fehlte nicht viel, dass der Baumstamm in die Hauswand gekracht wäre.

Letztlich war es ein Kommunikationsproblem, das in den vergangenen Wochen zu einem handfesten Streit zwischen einem Bürger und der Stadt Werdohl führte. Darum ging es bei der Auseinandersetzung.

Werdohl – Mitte Januar war in einem städtischen Waldstück oberhalb der Borgheller Straße ein Baum umgestürzt, der wohl Opfer des Borkenkäfers wurde, vermutet Bürgermeister Andreas Späinghaus. Er nahm sich des Falls zum Schluss persönlich an.

Der Baum war nämlich in Richtung des Abhangs gefallen und ins Rutschen gekommen. Den Spuren vor Ort nach zu urteilen, nahm er dabei ordentlich Fahrt auf, durchschlug einen Maschendraht-Zaun und prallte gegen die Steinmauer auf einem Privatgrundstück. Das knapp zwei Meter entfernt stehende Wohnhaus mit der Nummer 62 traf der Stamm nur deshalb nicht, weil die Mauer ihn vorher bremste – und dabei erheblich beschädigt wurde. Ebenso übrigens wie ein Apfelbaum, den das „Geschoss“ auf seinem Weg umriss.

Haus und Grundstück sind derzeit nicht bewohnt, sondern Gegenstand eines Erbfalles. Sie wurden vom ehemaligen Eigentümer an eine Erbengemeinschaft übertragen. Nun soll das Haus verkauft werden. Da eine der Nachlassempfängerinnen weiter weg wohnt, wickeln den Verkauf Hans-Hellmuth Schopf und seine Lebensgefährtin ab, die im Verwandtschaftsverhältnis stehen.

Als Hans-Hellmuth Schopf, Lehrer im Ruhestand, den entstandenen Schaden vor Ort feststellte, informierte er die Stadt Werdohl über den Vorfall. „Mitarbeiter waren hier, haben sich den Schaden angesehen und festgestellt, dass es sich um einen Versicherungsschaden handelt“, berichtet Schopf.

Aus irgendeinem Grund kam diese Information bei der zuständigen Sachbearbeiterin im Rathaus, der der Fall am 11. Februar übertragen wurde, aber nicht oder zumindest nicht vollständig an. Schopf: „Bevor ich die Reparatur in Auftrag gebe, wollte ich von der Stadt etwas Schriftliches haben“, sagt Schopf.

Ein Schreiben bekam er auch, allerdings erreichte ihn wegen des Kommunikationsfehlers die Nachricht, dass die Stadt die Kosten nicht übernehmen würde. Sie sei ihrer Pflicht zur Kontrolle der Bäume nachgekommen und deshalb nicht haftbar zu machen. Schopf deutlich: „Das muss entweder ein sorgloser Kontrolleur gewesen sein oder eine Blinder.“

Bürgermeister Andreas Späinghaus weiß inzwischen: Der schadhafte Baum stand wohl in einem Bereich, der nicht mehr in der Kontrollzone liegt. Es folgten Gespräche und Schriftwechsel und es verging Zeit. Schließlich erhielt Schopf aus dem Rathaus ein Angebot zur Kostenübernahme in Höhe von 2000 Euro. Angebote für die Instandsetzungsarbeiten, die Hans-Hellmuth Schopf inzwischen bei heimischen Handwerksbetrieben eingeholt hatte, beliefen sich allerdings auf über 5500 Euro.

Von einer Mauer wurde der Baumstamm gebremst. Sie wurde dabei schwer beschädigt.

Also liefen die Gespräche weiter. Dass sich der Vorgang mehr und mehr in die Länge zog, verärgerte Schopf. Bis heute liegt der Baum im Garten des Hauses. Damit die fragile Mauer dem Gewicht des Stammes nicht nachgibt, hat er inzwischen eine Hilfskonstruktion gebaut. Außerdem fanden in der Zwischenzeit Hausbesichtigungen statt. Es steht noch immer zum Verkauf. Der Anblick des Gartens habe dabei zum Teil für Verunsicherung gesorgt, berichtet Schopf.

Andreas Späinghaus kommentiert: „Dass in einem Wald ein Baum umfällt, kann passieren. Dass er im Garten landet, ist nun mal so, wenn man am Waldrand lebt.“ Etwas überspitzt fügt er an: „Wenn ich dieses Risiko nicht möchte, muss ich eben an die Nordsee ziehen.“

Dass solche Vorfälle passieren können, stellt Hans-Hellmuth Schopf grundsätzlich nicht infrage, obwohl er sich wundert, wieso ein offenbar maroder Baum, der bereits keine Rinde mehr trägt, in dem Waldstück steht. Wo genau er abgebrochen ist, das lässt sich laut Stadt übrigens nicht mehr nachvollziehen. Schopf malt sich lieber nicht aus, was passiert wäre, wenn der Stamm in die Hauswand eingeschlagen oder am Haus vorbei in Richtung Borgheller Straße gerutscht wäre.

In erster Linie ärgert ihn aber, wie sehr sich alles in die Länge zog: „Ich hätte erwartet, dass die Stadt so einen Schaden zeitnah beseitigt.“

Dass dafür wohl ein unglücklicher Fauxpas bei der Informationsweitergabe verantwortlich ist, stellt Andreas Späinghaus nicht infrage. Wie Schopf mit der Stadt kommunizierte, hält der Bürgermeister allerdings für sehr fragwürdig. „Es hat sich einfach hochgeschaukelt“, sagt der Bürgermeister. Beleidigungen und die Drohung mit hochkarätigen Anwälten hätten seiner Meinung nach aber nicht sein müssen.

Dagegen sei Schopf am Mittwoch sehr freundlich gewesen, als der Bürgermeister ihm im Telefongespräch zusagte: Der Schaden werde der Versicherung gemeldet. Es bleibe zwar abzuwarten, was diese sagt, er sei aber optimistisch, dass die volle Summe von 5500 Euro übernommen wird, zitiert sich Späinghaus selbst. So scheinen gut zwei Monate nach dem Vorfall alle offenen Fragen geklärt zu sein.

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