Städtische Schrottimmobilien: Abriss zu teuer

Die einstige Schule an der Leipziger Straße wird bis zum kommenden Herbst vom DRK und den Märkischen Billard Spielern genutzt. Die Verwaltung prüft, ob Fördermittel für einen Abriss beantragt werden können.

WERDOHL -   Die Fenster am ehemaligen Übergangsheim für Asylbewerber am Deipschlader Weg 7 sind mit Brettern verrammelt. Seit Januar dieses Jahres steht das Gebäude leer, das über 27 Zimmer und eine Gesamtfläche von 428 Quadratmetern verfügt. Das große Haus ist eine von zwei „Schrottimmobilien“ in städtischem Besitz, wie Thomas Schroeder, Leiter der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement im Werdohler Rathaus, erklärt.

Auch das ehemalige Übergangsheim Im Winkel 32, das bereits seit dem Jahre 2010 nicht mehr genutzt wird, gilt im Rathaus als Schrottimmobilie. An einen Verkauf ist wegen der schlechten Bausubstanz nicht zu denken. „Das Gebäude Im Winkel ist im Prinzip im Rohbauzustand“, berichtet Schroeder und fügt hinzu: „In dem Haus am Deipschlader Weg ist das Leitungssystem völlig marode.“ Ferner hätten beide Häuser keine Zentralheizung, sondern seien in der Vergangenheit nur mit Einzelöfen beheizt worden.

Mittlerweile ist die Stadt dazu übergegangen, die Asylbewerber, die nach ihrer Flucht aus ihren jeweiligen Heimatländern in Werdohl leben, in Einzelwohnungen im gesamten Stadtgebiet unterzubringen.

Gerne würde die Stadt die beiden einstigen Übergangsheime für Asylbewerber mit der Abrissbirne dem Erdboden gleichmachen. Doch das ist auf Grund der desolaten finanziellen Situation Werdohls nicht möglich. Bei dem Übergangsheim Im Winkel sei ein möglicher Abriss zudem wegen der Hanglage schwierig . „Das Haus liegt direkt oberhalb der Bundesstraße“, erläutert Schroeder die Problematik. Er rechnet mit einer sechsstelligen Summe, um beide Gebäude abzureißen. „Doch damit ist es natürlich nicht getan“, weiß der Leiter der Immobilienabteilung. Schließlich müssen die Grundstücke nach dem Abriss auch wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzt werden.

„Beide Objekte sind zum Glück etwas abseits gelegen und werden nicht unmittelbar von der Öffentlichkeit wahrgenommen“, kann der zuständige Verwaltungsmitarbeiter der Situation noch etwas Positives abgewinnen. Er ist froh, dass die beiden einstigen Übergangsheime nicht im zentralen Innenstadtbereich liegen. Kaufinteressenten sind im Rathaus übrigens willkommen.

Regelmäßig werden die beiden maroden Häuser von einem städtischen Mitarbeiter auf Vandalismusschäden überprüft. Schließlich habe die Stadt eine Verkehrssicherungspflicht, der sie nachkommen müsse.

Auch die einstige Schule an der Leipziger Straße bereitet den Verantwortlichen im Rathaus Sorgen. Wohl noch bis zum Herbst wird das Gemäuer vom DRK – die Organisation zieht in das einstige Domizil der Woge an der Dammstraße – und den Märkischen Billard Spielern genutzt. Dennoch ist sich Schroeder sicher: „Auch hier werden wir dauerhaft keine Nutzer reinlassen können.“ Heizung und Stromversorgung seien in der einstigen Schule zwar noch intakt. Dennoch stünden in absehbarer Zeit auch in diesem Gebäude größere Investitionen an, für die die Stadt auf Grund der klammen Kasse kein Geld hat. Derzeit prüfe er, ob Fördermittel für einen Abriss beantragt werden könnten. „Das Gebäude ist mehr im öffentlichen Bewusstsein und liegt zudem im Stadtumbaugebiet“, hofft der Verwaltungsmitarbeiter auf Drittmittel.

Sobald das Kleine Kulturforum und das Werdohler Stadtmuseum in den sanierten Bahnhof gezogen sind (wir berichteten), wird auch das Gebäude an der Goethestraße 27 nicht mehr von der Stadt benötigt. „Dieses Haus wollen wir verkaufen,“ sagt der Leiter der städtischen Immobilienabteilung. Es gebe mehrere Interessenten, die schon nachgefragt hätten. Wie bereits berichtet, zählen auch die Werdohler Stadtwerke dazu. Schroeder geht davon aus, dass die Stadt das Gebäude bis zum Ende des Jahres veräußern wird.

Vermarkten wollen die Verantwortlichen im Rathaus auch die Funkenburg. Derzeit ist die gleichnamige Kita dort untergebracht. Die Einrichtung geht – wie berichtet – zu Beginn des kommenden Kindergartenjahres im August in der Kita Gernegroß auf, die in der einstigen Roten Schule entsteht. Mit dem Umbau kommt die Stadt den Vorgaben des Gesetzgebers nach Betreuungsplätze für unter-dreijährige Jungen und Mädchen nach.

Schroeder ist zuversichtlich, dass es ihm gelingt, auch dieses Gebäude im Auftrag der Stadt zu verkaufen. „Das Gebäude hat Charme und auch die Lage ist mit der Nähe zur Innenstadt nicht uninteressant“, weiß der Mitarbeiter aus dem Rathaus und fügt hinzu: „Eine solche Immobilie muss man natürlich auch mögen.“ „Sowohl bei dem Gebäude an der Goethestraße 27 als auch bei der Funkenburg handelt es sich um völlig intakte Gebäude“, macht Schroeder abschließend klar.

Von Ute Heinze

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